Japanisch lernen mit dem iPhone bzw. iPod Touch

Das mit dem Japanisch lernen mach ich schon länger, habe mir eine Reihe Bücher gekauft, tausende von Karteikarten geschrieben, mir Computerprogramme und Webseiten angeschaut und bin immer auf der Suche nach dem besten Weg für mich Japanisch und damit auch Kanji zu lernen. Seitdem ich meinen iPod Touch bzw. später ein iPhone besitze muss ich sagen, dass ich selten so viel aber insbesondere so kontinuierlich Japanisch gelernt habe (mal abgesehen von meinem Vorstudium…aber das ist ein anderes Thema). Daher will ich mal ein wenig über die Apps schreiben, die ich so verwende um Japanisch zu lernen.

Bitte beachte auch meinen aktuellen Artikel: Zur Wiedervorlage: Japanisch lernen mit dem iPhone bzw. iPod Touch

Vokabeln:

Lernt man im Unterricht bzw. mit einem Lehrbuch, gibt es in der Regel für die einzelnen Sitzungen bzw. Lektionen Vokabellisten, die man auswendig lernen sollte. Auf dem iPhone gibt es hier zwei empfehlenswerte Anwendungen: iFlash Touch Dies ist der kleine Bruder von iFlash, eine Karteikartenanwendung für Mac OS X. Ihr Vorteil ist, dass man dreiseitige Karteikarten anlegen kann. Also eine für Kanji, Lesung und Übersetzung. Es gibt auch viele Listen zum Herunterladen durch die Desktopanwendung. Die Desktopanwendung kostet $15, die iPhone-App ist kostenlos.

iCards

Diese Anwendung habe ich nur relativ kurz getestet, da man ursprünglich nicht vernünftig Vokabeln hinzufügen konnte. Als einzige mir bekannte Flashcard-App außer iFlash Touch beherrscht auch sie dreiseitige Karteikarten. Inzwischen kann man sich über Google Spreadsheets Vokabellisten zum Importieren bauen. Im Gegensatz zu iFlash Touch benötigt man also keine Desktopanwendung. Kostenpunkt ist 0,79€

Zen Nihongo

Wer sich auf den JLPT vorbereitet und dem Englischen mächtig ist, kann ich Zen Nihongo nur wärmstens ans Herz legen. Vokabellisten für die Level 1 bis 4 liegen vor. Leider nur Japanisch->Englisch (und auch nicht umgekehrt). Dafür gibt es aber Automatismen zum Lernen. Man sieht die Vokabel auf Japanisch (Lesung kann eingeblendet werden), drückt auf die Vokabel und bekommt die englische Antwort. Dann kann man die Vokabel von 0 – 5 einstufen. Wobei 0 bedeutet, dass man die Vokabel überhaupt nicht kann, bei 1 wird sie noch am selben Tag wiederholt, bei 2 am nächsten, bei 3 nach drei Tagen, bei 4 nach vier – 5 Tagen und bei 5 nach einer Woche (wurde sie mehrfach auf 5 wiederholt, wird sie erst nach zwei Wochen wieder angezeigt). Weiß man eine Vokabel nicht, sollte man sie wieder auf Level 0 stellen, zumindest ist das meine Methode. Anfangs gab es ein paar Probleme mit dem Algorithmus, die sind aber jetzt behoben. Seit der letzten Version wird auch direkt auf der Karte angezeigt auf welchem Level man sie als letztes eingestellt hatte. Der Support durch den Autor ist gut und die Intervalle scheinen inzwischen in Ordnung zu sein. Zur Zeit hab ich etwa 1800 Vokabeln im Einsatz mit über 1500 Vokabeln auf Level 5 und immer so um die 30 auf Level 2 und habe täglich zwischen 150 und 200 Vokabeln zu wiederholen. Das geht aber durch die Direktanzeige des Levels relativ fix. Aktuell hat das Programm einen Sonderpreis von 4,99€ – normalerweise kostet es glaub ich 1 – 2€ mehr.

Die App kostet 3,99€.

Update 01.06.2010: Inzwischen habe ich Level 2 nahezu vervollständigt. Es gibt keine neuen Wörter mehr und ich habe permanent seit 2 – 3 Wochen etwa 30 Wörter auf Stufe 3 und 80 auf Stufe 4. Zu wiederholen habe ich damit etwa 230 Vokabeln pro Tag. Durch ein Update ist es möglich geworden die kumulativen Decks abzuschalten. Ich wiederhole also aktuell auf Level 2, gehe dann aus der App raus, schalte die kumulativen Decks ab und wechsel dann zu Level 1. Danach schalte ich die kumulativen Decks wieder an. Ist zwar ein wenig lästig, funktioniert aber.

Update: Mit dem heutigen Update hat Zen Nihongo Beispielsätze dazu bekommen. Zu jeder Vokabel gibt es damit mehrere Beispielsätze (in Japanisch und englischer Übersetzung). Das verbessert die App um einiges und lässt sie damit definitiv aus der Masse herausstechen. Leider gibt es hier ein großer ABER: In der aktuellen Fassung gibt’s zumindest bei mir böse Performance-Einbußen sobald ich die Beispielsätze „aufmache“ (man muss sie bei jeder Karte explizit laden) – entweder reagiert die App mehrere Sekunden nicht oder in einem Fall ist sie sogar abgestürzt. Das Problem tritt nur auf wenn ich die Sätze lade und passiert auf nem 3GS. Der Entwickler schrieb mir, dass auf seinem Classic und 3G die Probleme nicht auftreten und er es sich nochmal genauer anschauen würde.

Update 01.06.2010: Das Performance-Problem ist seit einiger Zeit behoben und ein paar Beispielsätze werden immer automatisch geladen, was ich sehr praktisch finde.

iSRS

Große Erwartungen hatte ich an iSRS. Es hat zwar nur zwei Seiten aber ein ordentliches Spaced Repetition System. Die App ermittelt selber anhand dessen, wie man Vokabeln wertet, wie oft sie wiederholt werden. Über das Mnemosyne-Projekt kann man am Desktop Karten für die App erstellen, eine extra Anwendung (iSRS-Sync) synchronisiert die Kartensätze mit der iPhone-App. Leider hatte ich viele Abstürze mit der App, die zu Datenverlusten führten (State der Karte bzw. selbst eingegebene Karten in der App gingen verloren). Daher kann ich von iSRS nur abraten. Wer trotzdem Interesse hat, kann sich die Light-Version runterladen, die aber unter anderem keine Unterstützung für den Full-Screen-Modus hat. Evtl. sind die Probleme gelöst, aber nachdem der Entwickler zwei Updates veröffentlicht hat, die die Probleme lösen sollten und dies aber nicht taten, wollte ich nicht mehr mit der App weiterarbeiten.

Kostenpunkt: 3,99€

Katakana und Hiragana

Hier kann ich mich leider nicht zu äußern, da ich die schon länger Lesen und Schreiben kann. Die zwei folgenden Kanji-Anwendungen haben jedoch auch eine Kana-Pendant und sind sicherlich ähnlich gut (wenn nicht sogar besser, da Kana weitaus weniger Umfang haben): iKana Touch – 3,99€ Kana LS Touch – 2,99€

 

Kanji

Für Kanji verwende ich aktuell zwei Apps, die ich im folgenden kurz vorstellen will mit ihren Vor- und Nachteilen. Beide umfassen aktuell an die 2000 Kanji.

Update 01.06.2010: Für Kanji benutze ich aktuell nur noch iKanji Touch.

iKanji Touch iKanji Touch ist toll designt und hat einen tollen Modus zum automatisierten Lernen. Es gibt eine Unterteilung der Kanji in 6 Klassenstufen, die einem um die 1000 Kanji näher bringen oder in den Stufen des JLPT. Natürlich kann man auch eine eigene Kanji-Liste erstellen. Meine Empfehlung ist hierbei folgende: Lernt man mit einem Buch oder Unterricht, erstellt man eine eigene Liste, die mit der Zeit wächst. Hält man sich in Japan auf, sollte man nach Klassenstufen lernen, da es hierfür tolles Komplementärmaterial für japanische Grundschüler gibt, bereitet man sich auf den JLPT vor, nimmt man natürlich die Unterteilung in den JLPT. Wobei man jedoch beachten muss, dass in Level 2 z.B. nicht die Kanji von Level 3 und 4 enthalten sind, diese müssen also extra gelernt werden. Also einfach „hochlernen“. Innerhalb der Einteilungen sind die Kanji nochmal in 20er-Packs unterteilt. Mein Lieblingsmodus ist nun „Teach me these KanjI“. Hierbei wird einem ein Kanji mit Lesungen und Übersetzungen gezeigt, danach die Strichfolge. In einem Multiple-Choice-Test wird dann erst die Bedeutung, dann die Lesung, dann die Strichfolge abgefragt. Wie auch bei Zen Nihongo wird in Lernstufen eingeteilt, aber die Anwendung macht das von alleine. Bei einem Fehler geht’s sofort wieder zurück auf Level 0. Die Intervalle (selber Tag, ein Tag, drei Tage, eine Woche, ein Monat) sind sehr angenehm. Zusätzlich gibt es noch Tests für Komposita (Wörter, die aus mehreren Kanji zusammengesetzt sind) und einzelne Tests für Lesungen etc aber diese benutze ich nicht. Was sind nun die Schwachpunkte der App? Der erste Punkt ist, dass die App ausschließlich auf Englisch verfügbar ist. Der zweite ist der Strichfolgentest. Zum einen sind weniger als 1000 Strichfolgen enthalten, was sich beim Lernen für den JLPT Level 2 relativ schnell bemerkbar macht (jedoch nicht für Anfänger und nicht ganz so weit Fortgeschrittene), zum anderen gibt es immer mal wieder Fehler.

Update 01.06.2010: Seit ein paar Wochen gibt es mit dem aktuellen Update Strichfolgen für alle JLPT Level 2-Kanji und einige JLPT Level 1-Kanji.

Inzwischen sind jedoch ein großer Teil der Fehler behoben und meldet man sie im Forum des Entwicklers wird bei den unregelmäßigen Updates auch Fehlerbehebung in der Datenbank gemacht. Es kann jedoch stellenweise ziemlich nerven. Ein anderes Problem am Strichfolgentest ist, dass das Kanji gezeigt wird und man es nachzeichnet. Ein Fehler und man hat das Kanji falsch gemacht. Was mich stört ist, dass das Kanji gezeigt wird und man keine leere Fläche bekommt.

Update 01.06.2010: Schon seit längerem wurde der Test verbessert. Man bekommt zwar immer noch keine leere Fläche, dafür wird einem aber angezeigt ob die App den Ansatzpunkt richtig erkannt hat. Das reduziert Fehler, lädt aber auch zum Schummeln ein.

Da ist das folgende Kanji LS Touch besser. Außerdem gibt es bei allen Tests das Problem, dass eine falsche Berührung das ganze Kanji auf Falsch setzen und damit wieder auf Level 0 zurück. Die Erkennung von unabsichtlichen Berührungen ist zwar besser geworden, ich würde mir jedoch eine „Abgabe-Bestätigung“ und Korrekturmöglichkeit wünschen. Leider sieht es nicht so aus als ob das kommen würde. Auf der Webseite gibt’s auch Videos zur App. Die App kostet 6,99€

Kanji LS Touch Kanji LS Touch hat einen großen Vorteil gegenüber iKanji Touch: Alle Bedeutungen sind auch auf Deutsch vorhanden und das tolle ist, dass man die Sprache OS-unabhängig einstellen kann (OS auf Englisch, App auf Deutsch). Die App hat auch weitaus mehr Strichfolgen, wieviele weiß ich leider nicht (alle vermute ich mal) genau. Der Strichfolgentest ist auch besser. Man bekommt eine schwarze Fläche, zeichnet das Kanji rein, klickt auf das Fertig-Icon und dann wird einem gezeigt in welcher Reihenfolge man die Striche gesetzt hat und wie es richtig wäre. Dazu gibt es einen Übungsmodus um das Schreiben zu lernen und eine ganze Reihe Testmodi. Leider gibt es keine Automatismen zum Lernen, darum ist es bei mir nur eine Komplementär-App zu iKanji Touch. Will ich ein Kanji unterwegs üben oder lerne ich Kanji aus irgendwelchen Unterrichtsmaterialien verwende ich lieber Kanji LS Touch. Für das reine Einpauken um Kanji-Wissen aufzubauen nehme ich iKanji Touch. Als letzter Kritikpunkt ist anzumerken, dass das Design meiner Meinung nach stark zu wünschen übrig lässt. Für viele denke ich jedoch, ist Kanji LS Touch – insbesondere wenn man es zusätzlich zum Unterricht einsetzen will – die bessere Wahl. Da es einem ermöglicht das Schreiben zu üben und die Bedeutungen auch auf Deutsch vorhanden sind. Der Entwickler hat auch Videos von der App auf seiner Webseite. Der Preis beträgt 9,99€

Ich freu mich über Kommentare und wenn es Fragen zu den vorgestellten Apps gibt, fragt 🙂

P.s.: Eine Webseite, die definitiv einen Blick wert ist, ist smart.fm, allerdings lernt man auch hier Japanisch über Englisch und der Zugriff mit dem iPhone ist „dank“ Flash nicht möglich. Eine iPhone-App ist wohl in Vorbereitung. Eine iPhone-App gibt es inzwischen auch. Ich hatte sie kurz installiert, war nicht sonderlich begeistert und habe sie seitdem nicht mehr benutzt. Daher kann ich hier auch kein Urteil drüber abgeben.

6 Gedanken zu „Japanisch lernen mit dem iPhone bzw. iPod Touch

  1. Pingback: Strichfolgen-Suche « Dokuwa

  2. Pingback: Wörterbücher im Netz und auf dem Rechner « Dokuwa

  3. Guten Tag,

    für alle, die eine umfangreiche Kanji app für das iPhone suchen (including Kanji handwriting recognition and radical search input), empfehe ich ShinKanji von Benoit Cerrina:
    http://shinkanji.bcerrina.com/tour/

    Gerade die beiden erwähnten suchmöglichkeiten per direkter Kanji-Eingabe und radical search sind unentbehrlich bei einem Japan-Besuch als Kanji-Anfänger.

  4. Hallo,

    ich habe mir was komplett Eigenes geschrieben. Und zwar basierend auf der App „Flashcards de Luxe“ aktuell zwei Decks namens MNH und RS. Mit Hilfe dieser Namen kann kamn die als private Decks laden, in der Suchfunktion tauchen die nicht auf. Aber Vorsicht: MNH braucht etwa 3 Stunden zum Installieren, RS etwa 40 Minuten.
    MNH ist der komplette Wortschatz aus Minna no Nihongo I und II inklusive der Beispielsätze und Satzstrukturen. Etwa 2700 Karten. Dazu zählen weiterhin Strichreihenfolge, grammatische Formen der Verben und soweit verfügbar die Aussprache. Der „spaced repetition“-Modus von Flashcards ist wirklich sehr schön, um sich die Kärtchen passend zur eigenen Vergesslichkeit wieder in Erinnerung zu rufen. Leitner gibt es auch, ist aber sehr viel schlechter.
    RS ist eine Zusammenstellung aus Japanesepod „Intermediate“ und einem Leselehrbuch und derzeit stark in Entwicklung.

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