Was heißt eigentlich eine „Sprache fließend sprechen“?

Das hat jetzt nur begrenzt Japanbezug aber ich wurde vor kurzem gefragt, ob ich fließend Japanisch spreche und ich verneinte.
Aber dafür müsste man vielleicht erstmal festlegen, was ich eigentlich unter fließend verstehe. Heute habe ich auf Twitter geschrieben, was meiner Meinung nach „fließend“ bedeutet:

Die Fähigkeit sich über ein beliebiges Thema tiefgehend zu unterhalten

Wie zu erwarten war, kamen gleich zwei Reaktionen, dass das schon für Muttersprachler einzuhalten schwer ist.

Ich bin kein Linguist oder ähnliches, daher gebe ich hier meine wissenschaftlich völlig unbelegbare Meinung wieder 🙂

Tiefgehend bedeutet für mich, dass ich ohne großartig Wörterbücher konsultieren zu müssen eine Tageszeitung lesen oder Nachrichten sehen kann und mich anschließend über diese Themen zu unterhalten. Auch das Lesen von Prosa oder ähnlichem sollte möglich sein. Der alltägliche Smalltalk bzw. die alltägliche Unterhaltung bzw. das „Gespräch über Gott und die Welt“ gehört natürlich auch dazu. Zusätzlich sollte man bei seinen eigenen Interessensgebieten auch größere Teile des Fachvokabulars beherrschen.
Japanischsprechende würde ich übrigens nur dann auf „fließend“ einstufen wenn sie den höchsten Level des Japanese Language Proficiency Test bestehen.

Muttersprachler haben hier teilweise, evtl. sogar oftmals auch Defizite (es muss irgendeinen Grund geben warum so viele die BILD lesen anstatt FAZ, SZ u.ä.) aber sie haben dafür andere Kenntnisse, die sie vom Fremdsprachler unterscheiden: ein Sprachgefühl, dass nur schwer zu „erlernen“ ist. Es geht mir hier um die Kleinigkeiten bei denen man schnell einen Ausländer festmachen kann. Im Deutschen fällt das z.B. schnell bei der Verwendung von Artikeln auf, im japanischen bei der Verwendung von Partikeln, im Englischen bei Präpositionen. Zumindest ist das bei mir so. Dazu kommen noch so Dinge wie „erlaubte“ Fehler: „wegen dir“ und „wegen mir“ ist vielleicht falsch aber es wird häufig benutzt. Und ich hab noch niemanden getroffen, der die notorischen „meinetwegen“, „deinetwegen“, „korrekt den Genitiv-Benutzer“-Korrigierer leiden kann. Jemand, der Deutsch als Fremdsprache spricht, macht solche Fehler meiner Erfahrung nach eher seltener – dafür aber andere. Dazu kommt natürlich noch die Sache mit dem Akzent u.ä.

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