Ein Wort zu Piraterie im Netz

Wann ist der Moment gekommen, an dem sich die Firmen wirklich keine Gedanken mehr um Piraterie von digitalen Medien machen müssen?

Meine Antwort: Wenn es einfacher ist zu kaufen, als es umsonst im Netz zu finden.

Und warum schreibe ich das heute? Ich habe mir vor einiger Zeit den Tron Legacy-Soundtrack als digitalen Download vorbestellt in der Hoffnung ihn dann sofort zu haben, wenn er verfügbar wird. Offizielles Veröffentlichungsdatum für den Soundtrack ist der 7. Dezember. Vorher gab es schon den Song Derezzed für Vorbesteller. Und heute lese ich auf Twitter, dass der Soundtrack auf Spotify veröffentlicht wurde. Er ist aber wohl nicht vollständig. Trotzdem habe ich mal auf der Pirate Bay und Soundcloud vorbeigeschaut. Und siehe da, dort gibt es den Soundtrack mit 22 Songs. So wie es aussieht, ist das der vollständige Soundtrack. Da freut man sich doch als Käufer des Soundtrack. Warum Disney zieht ihr dann die digitale Veröffentlichung nicht vor. Mann ey, also wirklich…

Ähnlich geht es mir mit Filmen. Originalsprachliche Filme über das Internet legal zu beziehen ist nicht einfach und selbst in der Leihversion um einiges teurer, als in der Videothek. Will ich einen Großteil der Filme aber haben, sind sie auf den einschlägigen Seiten schnell und einfach in Originalsprache verfügbar. Notfalls sind sie eine Google-Suche entfernt. Vorteil gegenüber der Videothek: ich muss nicht erst hingehen (ist ein Stück weg) und hoffen, dass sie den Film auch da haben. Vorteil Videoshops im Netz: der Film ist betriebssystemübergreifend für mich in Originalsprache relativ schnell verfügbar.

Bei Musik zum Beispiel ist es hingegen inzwischen soweit, dass ich sie mir im Netz kaufe. Im iTMS und bei Amazon ist die meiste Musik schneller gefunden als über Google meiner Erfahrung nach. Außer bei bestimmten Labels, die es schaffen ihre Sachen nicht in deutsche Onlinestores zu bringen. Mir fällt da Avex aus Japan ein oder so manch amerikanischer Künstler. Da bin ich dann auch versucht Google mit entsprechenden Suchbegriffen zu füttern.

Ein weiteres wunderbares Beispiel ist Eclipse Phase. Ein Pen&Paper-Rollenspiel das unter Creative Commons veröffentlicht wird. Das Spiel wird in größeren Online-RPG-Shops als PDF vertrieben und über die gängigen Online-Shops auch als Hardcover. Wird die PDF veröffentlicht ist sie in der Regel die ersten paar Tage einfacher im Shop zu kaufen, als Online zu finden. Will ich den Kram also sofort, geh ich shoppen und dabei unterstütz ich auch noch nen Projekt bei dem die Macher gleich das ganze Geld bekommen (minus den Abschlag vom Zwischenhändler), weil sie ihren eigenen Verlag gegründet haben. Die kleinen Sachen, wie Abenteuer für $5 findet man selbst nach einigen Tagen nur schwer im Netz. Einige Sachen werden inzwischen direkt von den Autoren auf ihren persönlichen Webseiten zum DL zur Verfügung gestellt. Soweit ich weiß seeden sie sogar die Torrents des Spiels. Aber man findet davon nichts auf eclipsephase.com. Dort findet man nur die Links in die Online-Shops. Es ist einfacher die Veröffentlichungen zu kaufen als sie kostenlos runterzuladen. Und dabei wäre es hier sogar legal.

Bei Apps im AppStore von Apple kaufe ich auch lieber. Ich hab das mal mit der Piraterie von Apps ausprobiert. Ein Krampf. Jailbreak, weitere Software und dann erstmal im Netz die gewünschte App finden. Da kauf ich lieber, vor allen Dingen für den Preis, den der Großteil der Apps kostet. Bei Programmen für OS X geht es mir ähnlich. Bis man den Serial gefunden hat für ne Anwendung im Netz, hat man dreimal die Zeit raus, wenn man die App einfach gekauft hätte.

Bei ebooks ist es gefühlt zur Zeit ähnlich. Wenn ich mir den Kindle-Store von Amazon ansehe, gibt es da eine Menge das ich gerne hätte, aber nicht online finden kann. Dort sind mir allerdings die Preise noch zu hoch. $17 für ein Buch, dass ich schon als Papierbuch besitze ist happig.

Frau Rowling ist wohl übrigens der Meinung, dass Harry Potter nicht als ebook veröffentlicht werden sollte, weil es die Verkäufe der Papierbücher einschränken könnte. WTF?! Zum Einen besitzt wohl jeder, der sich für Harry Potter interessiert inzwischen die Bücher, zum Anderen ist es verdammt einfach die Bücher kostenfrei (aber illegal) im Netz zu finden. Gute Frau Rowling: Wer die Bücher als ebook lesen will, wird sie sich dann auf andere Weise beziehen und Geld wird bei ihnen keins ankommen. Also einfach veröffentlichen und fertig. Sonst kommt am Ende ggf. gar kein Verkauf zustande. Seitdem ich einen Kindle besitze, will ich auch keine Bücher mehr auf Papier lesen. Es ist einfach weitaus angenehmer für mich damit Bücher zu lesen.

Den zweiten Grund meiner Meinung nach, warum Piraterie betrieben wird, habe ich inzwischen zweimal angesprochen. Die digitalen Medien sind noch zu teuer. Filme sind im Verleih teurer als in der Videothek und wenn ich sie kaufen will, sind sie in der Regel teurer als die DVD. Wobei ich jetzt aber nicht weiß, wie es sich mit Full-HD-Material verhält. Bei Büchern ist der Unterschied zwischen digitaler und analoger Variante zu klein meiner Meinung nach. Vor allen Dingen, wenn ich noch den Gebrauchtmarkt mit einbeziehe. Wann kommt der Service eigentlich, dass ich für wenig Geld meine analogen Bücher nach mobi umwandeln kann. Bücher hingeben und die wandeln es mir für wenig Geld um.

Digitale Musik jedoch ist in der Regel billiger als die CD (außer die vom Schnäppchen-Tisch und den Beatles…). Und bei o.g. Eclipse Phase ist die PDF auch viel billiger als das Buch.


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Ein Gedanke zu „Ein Wort zu Piraterie im Netz

  1. Interessante Gedanken die du da äußerst und ich muss dir weitestgehend Recht geben.

    Ich würde Spiele noch als zusätzliches Beispiel heranziehen, da sie alle von dir genannten Aspekte vereinen.

    Alte Spiele als Digitaldownload zu kaufen ist teuer als sie gebraucht oder sogar neu zu erwerben. Auf Xbox Live kosten sogenannte „Classics“ und andere Titel volle 30€, die finde ich aber in der Regel schon ab 8€ beim Fach- oder Onlinehändler, was für mich eindeutig unter der Schmerzgrenze liegt. Da warte ich lieber ein paar Tage und bekomme 3 Spiele zum Preis von einem.

    Auch die Spielehersteller wollen die Kunden von der Piraterie weglocken, die Xbox schafft das ganz gut mit Xbox Live (Konsolenbann wenn man sie hackt um Kopien einzuspielen), die Hersteller bieten in fast allen Fällen Downloadcontent an, oder betreiben direkt MMORPGs und Browsergames um die Piraterie ganz außen vor zu lassen. Piraterie ist hier vorrangig auf dem PC ein Thema, die Konsolen haben das anteilsmäßig ganz gut im Griff.

    Beim Spielemarkt habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Leihen von Spielen viel günstiger ist als der legale Download oder der Gebrauchtkauf. Das ist bedauernswert, denn hier lassen sich natürlich die gleichen Argumente die für die Filme eine Rolle spielen anwenden: Es ist einfach bequemer und einfacher das Spiel direkt herunterzuladen. Leider wehren sich viele Publisher vehement gegen das Leihen als solches und sehen nicht, das die Leute die leihen das Spiel wahrscheinlich sowieso nie gekauft hätten.

    Ein weiterer Punkt sind für mich die Serien: iTunes hat es mit der letzten Staffel von Lost extrem gut vorgemacht. Parallel zum US-Start gab es jede Woche die aktuelle Folge mit oder wahlweise ohne Untertitel in SD oder HD für einen, in meinen Augen vertretbaren, Preis von 2€ aufwärts im Angebot (wenn ich mich richtig erinnere).
    So sollte das immer laufen, am besten noch von als Streamingservice à la Netflix oder Hulu. Sicher ist das nur eine Frage der Zeit, aber auch hier sind, auf die US-Serien bezogen, die Google-Suche oder der Webplayer die beste Möglichkeit um an den Content zu gelangen. Wer will schon warten?
    Ich bin mir sicher, das hier ein Markt existiert, den beispielsweise auch die Fernsehsender für sich nutzen könnten, das klappt ja auch bei der Daily Show und sogar bei RTL Vorabend Serien.

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