SSD-Upgrade

Mein Hauptrechner ist ein 4,5 Jahre alter 17″-iMac. Noch so ein schönes weißes Gerät und wohl die kleinste Kiste auf der noch Mac OS 10.7 aka Lion laufen wird. Ein Core2Duo mit 2GHz, 3GB RAM, X1600 mit 256 MB VRAM, ehemals 250 GB Festplatte und SATA-1. Für heutige Verhältnisse recht schmalbrüstig aber ehrlich gesagt, läuft der Rechner immer noch wie eine 1. Das erste Mal, dass ich einen Rechner besitze bei dem ich nach fast fünf Jahren nicht das Gefühl habe, dass er alt und schäbig ist, sondern vollkommen ausreicht.

Mein iMac

Die Geschichten, dass SSDs das Gras grüner machen, waren mir bekannt aber den Unterschied konnte ich selbst noch nie spüren. Vor kurzem hatte ich dann ein paar SSDs beruflich verbaut und selbst unter Windows XP gab’s doch nen ordentlichen Unterschied zu spüren. Vor kurzem ist es dann möglich geworden, mir eine SSD zuzulegen. Geworden ist es eine Crucial C300 mit 128 GB, dazu ein Rahmen von OCZ um sie zu 3,5″ kompatibel zu machen und ein SATA-Dock von Sharkoon (Quickport Combo) um meine alte Festplatte einfach weiterverwenden zu können. Das Tolle an dem Dock: es spricht nicht nur SATA, sondern hat auch einen Anschluss für IDE-Festplatten und gleich auch alle Kabel für 3,5″ und 2,5″-IDE-Festplatten dabei.

iFixit hat natürlich für so eine alte Kiste auch die passende Anleitung. Wie immer bei Apple-Geräte war ich ein wenig unsicher, wie gut das Aufmachen ohne Gehäuse-Beschädigung und ähnliches klappt. Meine Sporen hatte ich mir vermutlich aber schon mit erfolgreichen iBook G4-Reperaturen mit gefühlt 2000 Schrauben verdient.

Das Gerät aufzumachen war ein wenig Fummelei, ging aber. Die Stecker für Webcam und Mikro reißen auch nicht so schnell wie gedacht.

iMac offen

Das Display-Panel durch die Gegend zu bewegen und wieder die Sorge z.B. das Inverter-Kabel zu beschädigen, waren da gefühlt schlimmer. Keinen Dunst wie empfindlich der Kram ist. Ein paar Schrauben später, kam ich dann auch bei der Platte an, und da begann dann dank OCZ der wirkliche Spaß.

Die Festplatte des iMac ist natürlich nicht in einem Standardrahmen befestigt. Die Befestigung besteht aus einem Plastikteil, das die Festplatte einhängt und vermutlich die Schwingungen vom Gehäuse entkoppelt. Auf der anderen Seite sind zwei kopflose Schrauben, die in eine Gummibefestigung reingedrückt werden. Eine 3,5″-Festplatte hat auf beiden Seiten 3 Bohrungen (Vorne, Mitte, Hinten). Der OCZ-Rahmen verlängert eine 2,5″-Platte nur auf die Bohrungen Vorne und Mitte. Rahmen, die nicht in 08/15-Gehäusen stecken, benutzen aber anscheinend eher die Bohrungen vorne und hinten. Zumindest kenn ich das auch so von Dell-Desktops, die für das einfachere Entfernen extra Vorrichtungen haben. Zum anderen sind die Bohrungen bei dem Rahmen minimal kleiner als die Standardbohrungen von Festplatten, wodurch die Schrauben vom iMac nicht passen. Die mitgelieferten vom Rahmen passen natürlich, aber was hat sich bloß der Rahmenentwickler gedacht, dass er nicht die Standardgröße genommen hat?

Nun ja, einen Tag später ging es dann in ein Conrad, einen Computer-Bastelladen und ein K&M. Die erste erschreckende Entdeckung: In keinem der Läden, konnte ich den Leuten problemfrei klar machen, was ich eigentlich haben will. Im Conrad wollte man mir wieder einen Rahmen verkaufen, konnte mir aber nichts zu den Bohrungen sagen und sah das Problem mit der Größe nicht (auch wieder nur halbe Größe). In dem Computer-Bastelladen suchte man nach einem Adapter von 3,5″ auf 2,5″ (wie auch immer das gehen soll…) und im K&M bot man mir als erstes den OCZ-Rahmen an, über den ich 30 Sekunden vorher gemeckert hatte. Wenigstens hatte man dort Winkel um von 2,5″ auf 3,5″ mit voller Länge zu kommen.

SSD im Rahmen

Zu Hause wieder angekommen, wurde der ganze Kram dann wieder zusammengeschraubt. Eine Schraube blieb übrig, da sie sich unter den ganzen Schrauben für die Rahmen versteckt hatte. Beim Zusammenbau natürlich erst einmal einen Fehler gemacht. Oben hatte ich den iMac nicht richtig zusammengesteckt, was dazu führte, dass das „Kameraktivitätslicht“ die ganze Zeit leuchtete. Außer man drückte den Rahmen zusammen. Man denkt, dass das Licht erstmal nicht stört, aber ich hatte die ganze Zeit über das Gefühl abgefilmt und beobachtet zu werden… Nun ja, beim Lösen des Problems konnte ich dann auch noch gleich die fehlende Schraube zurückpacken. Im Großen und Ganzen, war die ganze Aktion des Aus- und wieder Zusammenbauens nicht allzu schwer.

Viel persönliches geschrieben, aber wie ist es denn nun mit SSD bei so ner „alten Möhre“. Der Wahnsinn. Der Rechner fühlt sich an wie neu. Lese- und Schreibgeschwindigkeiten sind um einiges besser als bei der Platte aber nutzen die Möglichkeiten der SSD lange nicht aus. Seit dem ich die SSD drin habe, habe ich aber keine Beachballs mehr gesehen. Alle Anwendungen starten in ein bis zwei Dockhüpfern – von Sparrow über iTunes und Monkey Island Special Edition bis Word. Der Rechner ist mit allen Login-Items in unter einer Minute hochgefahren und arbeitsbereit. Wird er aus dem Sleep geweckt habe ich das erste Mal das Gefühl von Instant-On. Keine Festplatte mehr im Weg, die erst wieder andrehen muss. Wenn Time Machine läuft, war das früher deutlich zu spüren, jetzt merke ich davon nichts mehr. VMWare Fusion mit Windows 7 (1GB RAM, Disk auf einer externen Platte) hochgefahren, Time Machine lief und sowohl Windows als auch Mac OS X ließen sich bedienen als wäre nichts. Früher wäre entweder Windows oder Mac OS X halbwegs gut gelaufen und ein schneller Wechsel ein Krampf.

Der Prozessor und der RAM scheinen wirklich nicht mehr das Problem heute zu sein. Selbst mit relativ wenig RAM für heutige Verhältnisse und einem „älteren“ Prozessor lässt sich sehr flüssig arbeiten mit der SSD. Wenn man überlegt sich aufgrund der Geschwindigkeit einen neuen Mac zuzulegen, sollte man sich vielleicht Gedanken machen, ob man nicht erstmal in eine SSD investiert und damit neues Leben in den Rechner einhaucht. Das ist um einiges billiger und wenn der eigene Rechner es noch tut, ist das doch eine feine Sache. Falls der Rechner doch Hops geht, kann man die SSD immer noch in einem externen FW800- oder Thunderbolt-Gehäuse weiter benutzen oder ggf. sogar in den neuen Rechner einbauen. Das ist das dritte Mal, dass ich gemerkt habe, dass ein Upgrade eines Rechners signifikanten Unterschied gemacht hat. Das erste und das zweite Mal war das Umrüsten von Rechnern auf mehr als 256MB RAM (das vorher genannte iBook G4 auf 756MB und eine FreeBSD-Kiste auf 1GB). Der Sprung meines iMacs z.B. von 2GB auf 3GB war da im Gegensatz nicht wirklich spürbar. Und jetzt ist es die SSD. Alles fühlt sich schneller an und der Rechner wieder frisch. Einfach grandios und jedem empfehlenswert.

Kleiner Nachtrag: Nachdem ich heute Bits und so fertig gehört habe, etwas zur Wärmeentwicklung. Die Temperatur an der CPU ist im Schnitt 10° kühler als vor dem Einbau (von 67° auf 57°C). Die HDD-Temperatur habe ich früher nie wirklich betrachtet, beträgt jetzt aber in der Regel 39°C.

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