Game Boy-Spiele originalgetreu spielen

Heute kam es auf Twitter zu einer Diskussion mit @schwadroneur zum Thema Game Boy-Spiele originalgetreu spielen. Ich hab ihm eine Mail zum Thema versprochen und die ist recht lang und ausführlich geworden. Daher dachte ich sie mir, dass man sie auch in Teilen verbloggen kann.

tl;dr: Kauf entweder einen Game Boy/Pocket/Light oder einen DS/Lite und spiel sie emuliert.

Hier nun die Mail:

Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann willst du Game Boy-Spiele spielen und meintest, dass nen DS u.a. nicht in Frage kommt, weil die Spiele dafür nicht gemacht wurden. Ein paar Gedanken zu der ganzen Sache.

Ein klein wenig zum Hintergrund den ich habe bei der Sache. Ich habe meinen ersten Game Boy Weihnachten 1990 bekommen und das war ein tolles Weihnachten. Mein nächster Game Boy war ein Transparenter aus der Special Edition. Die hatten die gleichen Ausmaße wie ein normaler Game Boy und brauchten auch vier Batterien.

Mit dem Game Boy Pocket habe ich mal gespielt, den Game Boy Light hätte ich fast gekauft und nen Game Boy Color hat meine Freundin, daher habe ich damit auch ausgiebig Erfahrung. Einen Super Game Boy (nen Adapter für das Super Nintendo) hatte ich mal für längere Zeit ausgeliehen.

Ich hatte danach einen Game Boy Advance der ersten Generation (die in Lila im breiten Format), habe ihn irgendwann komplett verkauft, weil ich dachte ich spiele nicht mehr damit. Und habe mir dann in Japan einen Game Boy Advance SP (Famicom-Edition) geholt.
Als der Nintendo DS kam, habe ich ihn mir sofort aus Japan importiert und hatte ihn relativ kurz nach dem Erscheinungsdatum. Der DS und der DS Lite haben einen Schacht für GBA-Spiele, sind aber nicht kompatibel mit Game Boy-Spielen. Aber hierzu später, warum sie trotzdem interessant sind.

Ein Game Boy ist am ehesten zu vergleichen mit einem portablen NES, ein GBA mit einem portablen SNES und ein DS mit einem portablen N64 mit zwei Screens wobei einer ein Touch Screen ist.

Der Game Boy läuft mit Batterien, der GBA auch. Ab dem GBA SP gibt’s einen Siliziumionenakku.

Der ursprüngliche Game Boy war schwarzweiß (na ja, hellgrün-dunkelgrün), ab dem Color geht’s in Farbe los.

Von einem Color und einem Game Boy Advance kann ich nur abraten. Das Problem ist, dass das nicht beleuchtete Display ein Greuel ist, wenn man damit spielen will.

Das Display vom Game Boy und Game Boy Pocket ist da um einiges besser, wenn auch nicht in Farbe. Für den Game Boy Color gab es nur wenige Exklusivtitel, die auch nicht wirklich interessant sind (z.B. Super Mario Bros. vom NES oder ein coloriertes Zelda4).

Der Game Boy Advance SP hat ein Display, das von vorne beleuchtet ist. Wenn du hintergrundbeleuchtete Displays kennst, ist dir das in der Regel zu dunkel. Aus dem Grund spiele ich meine Game Boy Advance-Titel fast ausschließlich auf dem Nintendo DS.

Jetzt mach ich einen kleinen Sprung zum Thema „wurde dafür nicht gemacht“. Wenn du Game Boy-Spiele so originalgetreu wie möglich spielen willst, hol dir einen Game Boy, der vier Batterien benötigt. Gegebenenfalls einen Game Boy Pocket. Alles danach suckt entweder (der Color; der Light ist schwer zu bekommen) oder fühlt sich nicht mehr wie ein Game Boy an. Beim GBA suckt das Display, beim GBA SP steht das Modul unten raus, was auch irgendwie suckt.

Aber ehrlich gesagt passt das Argument auch nicht so richtig. Meiner Meinung hängt das „wurde dafür gemacht“ vom Knöpfe-Layout ab. Beim NES liegen zwei Knöpfe nebeneinander und das D-Pad ist toll. Wenn ich GB-Spiele emuliert auf’m Rechner spiele nehme ich auch liebend gerne das NES-Pad. Beim SNES will man Shoulder-Buttons haben, beim Mega Drive drei Knöpfe nebeneinander (ggf. in zwei Reihen für 6-Knopf-Spiele), beim Master System ist auch das NES-Pad toll. Beim Neo Geo will man einen Arcade-Stick und 4 Knöpfe nebeneinander bzw. in leichter Kurve, bei den einzelnen Automaten nen 4- oder 8-Wege-Stick/Trackball und die Knöpfe in der richtigen Anordnung.

Um Game Boy-Spiele ordentlich zu spielen bzw. wofür diese gemacht wurden:
1 D-Pad und zwei Knöpfe nach Möglichkeit nebeneinander (wobei sich übereinander in der Regel besser spielt, weil man es mehr gewohnt ist).

Und nun zu dem was man haben will. Es ist natürlich eine Geldfrage. Daher folgende Optionen:

Du willst nur Game Boy-Spiele spielen: hol dir einen Game Boy oder Game Boy Pocket (bzw. Light).

Du willst auch Game Boy Advance-Spiele spielen und hast jetzt nicht wirklich Geld: hol dir einen GBA SP.

Du willst Game Boy-Spiele und Advance-Spiele spielen: hol dir einen Nintendo DS (Lite) mit einer M3- oder R4-Karte. Damit kannst du dann Homebrew-Spiele spielen, was bedeutet dass du einen Emulator nutzen kannst (und der Kram landet dann auf einer Mikro-SD-Karte). Das Pad vom DS ist toll, die Feuerknöpfe sind auch sehr gut. Beim Emulator gibt’s keine Abstriche zu machen. Und auf dem GBA fühlen sich die Spiele auch wie emuliert an, nur dass man kein Quick Freeze hat und die Module benötigt zum Spielen. Was bedeutet, dass man sie die ganze Zeit mit rumschleppen muss. Es gibt auch sehr gute DS-Spiele (z.B. The World is not Enough und die Zelda-Teile für den DS) und GBA-Spiele kann man auch direkt damit spielen. Der GBA ist nicht wirklich gut emuliert auf mobilen Geräten, daher suckt es GBA-Spiele auf der PSP zu zocken.

Daher mein Fazit: Wenn du möglichst viele Nintendo-Spiele spielen willst, holst du dir am Besten einen DS oder DS Lite mit einer entsprechenden M3- oder R4-Karte.

Wenn du so nah wie möglich ans Original-Gefühl willst: Hol dir einen Game Boy/Pocket/Light.

Schöne Grüße

Niels

P.s.: ich spiele übrigens Game Boy-Spiele wie fast alles auf einer gehackten PSP2000 aktuell und hole meinen DS nur vor für GBA- und DS-Spiele. Der SP bleibt meist im Schrank und der GB Color sowieso.

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