iOS keine gute Spieleplattform

Ich bin mobiler Spieler. Schon bevor es den Game Boy gab, habe ich Stunden mit meinen Game & Watch-Spielen zugebracht (derer drei: Oil Panic, Donkey Kong 2 und das großartige Gold Cliff). Später dann ein Game Boy, ein Game Boy Advance SP und ein selten genutzter Wonderswan Crystal, ein Nintendo DS, später noch eine PSP aus Gründen. Auf der Wunschliste steht schon lange ein Nintendo 3DS.

Und dann kam ein iPod Touch. Mit Jailbreak gab’s dann auch schnell die ersten Spiele. Mit einem iPhone und iOS 2 ging es dann richtig los. Die Spiele waren billig und recht gut. Aus allen Genres gab es etwas und je nach Können des Entwicklers konnte man selbst Jump’n’Runs oder Beat’em Ups halbwegs brauchbar mit dem Touchscreen steuern.

Und seit einiger Zeit komme ich immer mehr zu der Erkenntnis das iOS als Plattform keine Plattform ist für Spiele. Auch wenn es vermutlich abertausende Spiele gibt und selbst große Entwickler wie EA oder Square Enix ihren Reibach machen. Die Gründe können natürlich auch für Handhelds gelten, die in Zukunft noch herauskommen, aber das wird man dann sehen. Aktuell geht es mir um iOS. Evtl. lässt sich das auch auf Android übertragen, dort kenne ich mich aber zu wenig aus, um mir eine qualifizierte Meinung bilden zu können.

Die Idee, dass iOS Probleme als Spieleplattform hat, ist mir vor kurzem das erste Mal gekommen. Es sollte ein Handheld für ein Kind angeschafft werden und die Wahl fiel auf einen Nintendo DS. Der Hauptgrund: man kann sich Spiele aus der Bücherei ausleihen. Und dann begann ich zu grübeln. Würde ich einem Kind mit neun oder zehn, ggf. etwas jünger einen iPod Touch als Handheld kaufen wollen? Und wenn nein, warum nicht? Ich werde mich in der Regel auf Handhelds von Nintendo beziehen, da zwar die Handhelds von Sony schick, aber meiner Meinung nach oftmals nicht wirklich kinderkompatibel aufgrund ihrer Spielebibliothek sind.

1) iOS-Geräte haben eine relativ kurze Haltezeit

Damit man aktuell alles spielen kann, was es im AppStore gibt braucht man allein von den OS-Voraussetzungen min. einen iPod Touch der 4. Generation. Das ist ein Gerät vom Oktober 2011. Ein iPod Touch der 3. Generation (veröffentlicht 2009) kann damit nicht mehr alle Spiele spielen. Und selbst ein iPod Touch der 4. Generation kann z.B. nicht mehr „The World Ends With You“ abspielen (imho eins der besten RPGs aller Zeiten). Das heißt, dass ich als Elternteil mindestens im Zwei-Jahres-Rhythmus ein neues Gerät kaufen müsste, damit alle Spiele noch gespielt werden können. Ein aktueller iPod Touch ist auch nicht billiger als ein 3DS.

2) Die Update-Problematik

Ich habe ein älteres Gerät auf dem sagen wir max. iOS 5 läuft und auf einmal kommt ein Update für eine Anwendung die min. iOS 6 verlangt. Und auf iTunes drücke ich aus Versehen auf Update. Was passiert? Die App wird gelöscht. Gleichzeitig kann es aber auch passieren, dass Apps, die nicht up-to-date gehalten werden auf neueren Geräten nicht mehr funktionieren. Und Apple erlaubt wohl demnächst keine Updates mehr, wenn eine App nicht mit iPhone5-Anpassung daher kommt. Dann gibt es wohl keine Updates für Secret of Mana oder Chrono Trigger mehr. Und wenn die mit iOS8 Zicken machen, Pech gehabt.

3) Die Spielstand-Problematik

iOS hat seit iOS2 ein Problem, dass mich seit damals stört. Unter iOS2 war es noch störender, weil ich wegen eines OS-Bugs regelmäßig mein iPhone zurücksetzen musste und kein Backup einspielen durfte. Was passiert wenn der Platz voll ist auf dem iOS-Gerät und man will was neues installieren? Man muss was altes löschen. Was passiert mit den Daten der gelöschten App? Genau, die verabschieden sich auch. Und wenn ich das Spiel dann neu installiere, dann muss ich wieder von vorne anfangen und mir sogar alles wieder freispielen. Natürlich können die Entwickler dagegen was machen über iCloud-Sync o.ä. aber viele tun es nicht. Und für viele viele alte Spiele wird es nie ein entsprechendes Update geben. Aber ich kann noch heute mein Uralt-Zelda für den Game Boy ausgraben und so lange die Batterie nicht aufgegeben hat, was mir ehrlich gesagt noch nie passiert ist, ist alles erhalten geblieben. Bei moderneren Handhelds gibt es nicht mal das Batterieproblem meines Wissens nach (jedenfalls nicht für die PSP und ich vermute auch nicht beim DS).

4) iOS-Geräte sind nur mäßig stabil

Es ist nicht einfach einen DS kaputt zu bekommen, selbst die neueren Modelle nicht. iOS-Geräte mit zerbrochenen Displays sehe ich andauernd. Bei Erwachsenen.

5) Spiele können nicht verliehen werden

Spiele auf unter iOS sind verdammt billig, wenn man von den Ausreißern von Square Enix einmal absieht. Aber das bedeutet nicht, dass ich meinem Kind jeden Monat ein Budget geben würde, um sich Spiele zuzulegen. Bei mir gab’s früher zum Geburtstag und zu Weihnachten jeweils ein Spiel. Vielleicht durch Geld von Verwandten nochmal zwischendurch was. Ansonsten hat man seine Spiele an Freunde verliehen und welche geliehen bekommen. Inzwischen kann man sich die Spiele sogar in der Bücherei leihen. Das geht unter iOS nicht. Natürlich sind die Spiele billiger, aber das bedeutet nicht, dass man sich einfach so alles zulegen kann. Auch zehn 3€-Spiele sind 30€ und von Square Enix-Spielen oder anderen Premiumspielen rede ich da noch gar nicht.

6) Freemium

Immer mehr Spiele kommen auf iOS als Freemium-Spiele raus. Große Firmen setzen meines Wissens nach sogar Psychologen ein, um das profitabelste Schema zu entwickeln. Ich selbst habe mir bei Freemium die Regel gesetzt: in dem Moment, in dem du was kaufen willst, löschst du das Spiel. Kinder sind da meiner Erfahrung nach dann eher etwas dickköpfig und nerven die Eltern so lange bis die entsprechende Premium-Währung im kleinen Paket gekauft wird. Und ist es einmal passiert, passiert es noch häufiger. Mal abgesehen davon, dass es meines Wissens nach dann immer noch die Lücke gibt, dass man für eine gewisse Zeit nach Passworteingabe bei In-App Purchases ohne Passwort shoppen kann. So schnell ist dann mal ein dreistelliger Euro-Betrag weg. Tja, das war es dann, für die nächsten 12 Monate kein Taschengeld mehr. Ähm nein, das ist wohl keine Option…

7) Die Geräte werden gerne gestohlen

Seitdem mir mein iPhone in der U-Bahn aus der Hand gerissen wurde und ich es nie wieder gesehen habe, bin ich sehr vorsichtig geworden. Ich habe ehrlich gesagt noch nie von nem Diebstahl eines DS, Game Boys o.ä. in Cafés oder den öffentlichen Verkehrsmitteln gehört. Bei Apple-Produkten ging das ja schon mit den iPods los. Und bei Smartphones passiert es wohl sehr häufig. Das ist eine reine Vermutung, aber ich denke das gilt auch für iPod Touches. Daher würde ich mein Kind in der Öffentlichkeit lieber mit einem „Spielzeug“ spielen lassen, als mit einem Statussymbol, das gerne entwedet wird.

8) Nichts geht über Knöpfe

Das ist altersunabhängig, aber seien wir ehrlich: nichts geht über Knöpfe. Touch-Steuerungen sind besser geworden und es gibt Genre in denen sie die beste Wahl sind (Carcassonne mit einem Joypad stelle ich mir sehr anstrengend vor), aber für vieles unterliegen sie Joypads. Und ich sehe nicht, dass Apple jemals ein Joypad herausbringen wird als Ergänzung für die mobilen Geräte. Und wenn doch, na ja, Apple macht gute Hardware aber meiner Meinung nach war die Peripherie immer ziemlicher Mist. Die schicksten, aber gleichzeitig schlimmsten Mäuse waren die von Apple. Die Tastaturen sind ok-ish. Ich erwarte nicht, dass Apple es auf die Reihe beommt ein vernünftiges Joypad zu entwickeln. Und viele alte Spiele kann man dann auch nicht spielen.

Das gilt nicht nur für Kinder

Vieles was ich hier geschrieben habe, bezog sich auf Kinder. Allerdings gilt das auch für Erwachsene. Wenn ich bei nem Kumpel ein tolles iOS-Spiel sehe, kann ich es mir nicht mal für nen Tag oder zwei ausleihen, ich muss es mir kaufen. Mein Gerät wurde schon einmal gestohlen. Meine Daten sind verloren gegangen. Ich sehe bei einem alten 3G, dass der entsprechenden Person voll ausreicht, dass sie keine neuen Spiele mehr spielen kann und aufpassen muss, dass ihr iTunes nicht die Apps wegupdatet etc.

Fazit

Aus den ganzen oben genannten Gründen finde ich iOS immer schlechter als Spieleplattform und werde versuchen mich in Zukunft zusammenreißen, allein schon aus Geldbeuteltechnischen Gründen das Snackshopping nach Spielen zu unterbinden. Mein Pile of Shame ist hoch genug, dass ich vermutlich bis zu meinem letzten Atemzug mit Spielen in meiner Freizeit beschäftigt sein könnte. Aber ich muss zugeben, dass Spiele wie Carcassonne oder Super Hexagon mit zu dem Bestem gehören, was ich je gespielt habe und die Retina-Fassung von The World Ends With You einfach so viel besser aussieht, als die iOS-Fassug und ich auch relativ einfach zwischen der englischen und der japanischen Fassung wechseln kann. Aber die Nachteile überwiegen imho der Vorteile, wenn ich darüber nachdenke und ich würde Eltern nicht empfehlen ihren Kindern ein iOS-Gerät zu kaufen, auch wenn man damit so viel mehr machen kann und die Spiele so schön billig sind.

Ich verkauf dann mal meine ganzen iOS-Spiele und kauf mir einen 3DS…halt…Mist!

2 Gedanken zu „iOS keine gute Spieleplattform

  1. Bei meiner Vita habe ich ja auch noch die Sache, dass ich mittels PSPlus automatisch meine Spiele in die Cloud schubsen kann, und zwar ohne das da ein Entwickler was für anpassen muss. Plus der riesige Backkatalog an PS1 Spielen.

    Allerdings ist das Gerät (schon alleine wegen der Größe) nix für Kinder.

  2. Bevor ich es in den Artikel schreibe: Ja, inzwischen gibt es Joypads aber die Lösungen finde ich alle nicht pralle. Beim iPad mit Joypad frag ich mich immer, wo ich das Joypad hinpacken soll und beim iPhone muss man es reinklemmen und dann wird’s groß. AppleTV mag vielleicht gehen.

    Und als letzter Faktor kommt hinzu, dass die Spiele, die ich auf’m DS oder GBA habe leider fast jedes iOS-Spiel imho in die Tasche stecken können, dass ich kenne.

    Ach ja, fast alles gilt auch für Android. Auch wenn es da billiger Geräte und für Kinder angepasste Geräte gibt.

Kommentar verfassen