Von alten Smartphones und Computern

Gestern schrieb ich in meinem Jahresrückblick, dass ich ein wenig unglücklich darüber bin, dass mein eines MacBook Air im fünften Jahr zerfiel und das iPhone 3GS in seinem vierten, dasselbe Schicksal erleidet. in einem Kommentar wurde mir dann vorgeworfen, wann ich denn endlich begreifen würde, dass man nach fünf Jahren einen neuen Computer und nach zweien ein neues Telefon kauft.

TL;DR

Neue Smartphones und Computer sind schön, aber wirklich brauchen tut man sie nicht.

Das neue Smartphone

Fangen wir mit dem Telefon an. Meiner Meinung nach ist ein Smartphone an sich ein Spielzeug. Natürlich ist die Funktionalität nützlich und ich möchte es auch nicht mehr missen, aber wirklich notwendig ist es nicht. Musik und Podcasts könnte ich auch mit einem Billo-MP3-Player abspielen, Kalender können auch viele Dumbphones und die Online-Funktionalität ist nett und komfortabel aber wirklich brauchen tu ich sie nicht. Viel Zeit verwende ich darauf Spiele zu spielen. Mal abgesehen davon, dass ein Billo-Android (die 100€-Kategorie) das wahrscheinlich auch erledigen könnte. Nur nicht so schön und würde sich dabei nicht so wertig anfühlen. Und in Sachen Spielen habe ich auch so einige (ältere) Handhelds, von denen immer einer in meiner Tasche ist.

Dann kommen wir mal zu dem finanziellen Aspekt. Ein 16GB iPhone 5S kostet ohne Vertrag 699€, das sind über zwei Jahre etwa 29€ pro Monat. Was kann ich mit 29€ im Monat machen. Ich könnte eine ordentliche Hose für meinen Sohn kaufen, oder ein paar Kinderhausschuhe. Es sind mehrere Tage für die Familie essen oder ein Kinobesuch plus kleines Dankeschön für den innerfamiliären Babysitter oder oder oder. Und das 24 Mal. Ich find 700€ sind eine Menge Geld, selbst wenn man sie über zwei Jahre streckt. Und warum soll ich das Telefon in die Tonne treten, wenn es noch einwandfrei funktioniert? Herje selbst mein iPhone 3G ist noch im Benutzung und die aktuelle Besitzerin ist ganz glücklich damit. Klar hätte ich gerne alle zwei Jahre, oder gar jedes Jahr das neue noch schönere iPhone. Aber ist es wirklich notwendig? Nein. Notwendig wird es erst, wenn es kaputt ist. Und selbst dann stellt sich die Frage, ob es wirklich notwendig ist. In meinen Augen ist ein Smartphone ein schönes Spielzeug und ein iPhone ist ein schönes Luxusspielzeug. Da ärgere ich mich, wenn die nach exakt zwei Jahren grundsätzlich über den Jordan gingen. Zum Glück tun sie das meist nicht.

Der neue Computer

Nun zu den Computern. Da kaufe ich aufgrund von OS X immer von Apple. Weil ich Garantie haben will, kaufe ich neu. Schauen wir, was da das neue Wunschgerät für den Haushalt kosten würde (ist nicht für mich). MacBook Pro 13″ (weil das interne optische Laufwerk explizit gewünscht ist) mit 8GB RAM, 128GB SSD und Apple Care. Sind wir bei 1747,99€. Sind über fünf Jahre auch 29€. Ein MacBook Air in der Ausstattung, wie ich es neu haben würde, wäre bei 1648€. Über fünf Jahre etwa 27,50€. Meins läuft aber noch wie eine eins, ist ja auch erst zwei Jahre alt. Wobei ich bei einem Computer noch nicht einmal den finanziellen Aspekt beleuchten würde, sondern lieber auf den funktionalen eingehe.

Was mache ich mit meinem Computer? Wenn ich darüber nachdenke ist es folgendes:

  • Texte schreiben mit vim
  • Texte kompilieren mit TeX
  • ab und zu einen Word Prozessor wie Pages, Word oder Writer verwenden
  • Tasks verwalten
  • Webdienste wie Fever, app.net, Twitter benutzen
  • im Web browsen
  • PDFs lesen
  • einen EDICT-Client nutzen
  • Bibtex-Dateien verwalten
  • Mails abrufen
  • Musik hören und verwalten
  • ebooks verwalten
  • Spreadsheets verwenden
  • Podcasts aufnehmen
  • Spiele spielen, teils neu oftmals via Emulator
  • Remote auf andere Rechner per SSH, RDP oder Teamviewer zugreifen
  • Photos verwalten

Sicherlich sind da noch ein paar andere Kleinigkeiten dabei, die alle nicht die Rechenleistung eines Core i5 benötigen und nicht weniges davon könnte ich sogar direkt auf der Kommandozeile machen, was dann so gut wir gar keine Ressourcen mehr benötigt.

Ein Bekannter von mir macht fast alles das mit einem zehn Jahre altem Aldi-Rechner, der nie aufgerüstet wurde und Windows XP. Wir überlegen aktuell, ob wir die Kiste auf eine Linux-Distribution mit geringen Anforderungen umsatteln. Als ich ihn das letzte Mal sah, meinte er aber, dass sie wieder gut läuft, nachdem er Acrobat 11 runterwarf und sich nen PDF-Viewer runtergeladen hat, der sehr simpel ist.

Mein zweiter eigener Rechner war aus der Not geboren. Mein Laptop war irreparabel kaputt, die Garantie futsch und ich hatte so gar kein Geld. Also habe ich ihn mir selbst zusammengebaut mit dem was wirklich notwendig war und der lief super. Klar, die neuesten Spiele gingen nicht, aber ich konnte super für die Uni damit arbeiten, im Web surfen und auf Emulatoren spielen. Weil ich ihn nach mehreren Jahren selbst nicht mehr nutzte, hatte ich ihn verschenkt an jemanden der überhaupt keinen Rechner hatte und dem der Rechner ausreichte.

An sich könnte ich all das was ich mache, auch auf einer alten Kiste umsetzen, es ist eher der Komfort und das Bedürfnis nach einer schönen glänzenden Kiste, die fix ist, dass ich einen neuen Rechner will. Ich habe in der Vergangenheit schon häufig alte Kisten wieder flott gemacht und damit gearbeitet. Denn für das was ich sie brauche, reicht in der Regel was altes. Das einzige wofür ich einen aktuellen Rechner brauche sind HD-Filme und halbwegs aktuelle Spiele. Mein Pile of Shame ist aber so groß, dass ich die nächsten Jahre an sich mit Spielen beschäftigt sein kann, ohne etwas neues zu kaufen. Warum soll ich mir alle fünf Jahre einen neuen Rechner kaufen? Wofür? Es ist einfach nicht notwendig. Und wenn ich mir einen neuen Rechner kaufe, kann ich einen funktionierenden alten Rechner immer noch für andere Dinge verwenden. Sei es ein Rechner zum rumspielen mit Linux- und BSD-Distributionen, als Heimserver oder als Geschenk an ein Kind oder Bedürftige in der Verwandtschaft oder Bekanntschaft, die froh sind, dass sie überhaupt einen funktionierenden Computer haben. Ich sehe nicht ein, dass es ok sein soll, dass Computer nach fünf Jahren (oder noch schneller) kaputt gehen und sie dann nicht reparabel sind. Das Bedürfnis mit OS X arbeiten zu wollen und was kleines leichtes haben zu wollen, lässt mir leider keine andere Option als einen nicht wartbaren Computer zu kaufen. In der Not könnte ich aber auch in den sauren Apfel beißen und mir ein altes Thinkpad zulegen, ne SSD (so lang SATA drin ist) reinstecken und die Sachen erledigen, die ich erledigen will. Nicht so komfortabel und shiny, aber es ginge.

Der Bedarf sich alle paar Jahre ein neues Telefon oder Rechner zuzulegen, ist doch hauptsächlich der Bedarf ein neues, glänzendes, hübsches Gerät haben zu wollen und nicht, weil man dann um Längen produktiver wird und seine Arbeit so viel besser verrichten kann. Es ist schicker und dadurch besser, aber wirklich nicht notwendig.

Und wenn ich eins „in meinem Alter“, zurückgreifend auf den Vorwurf aus dem Kommentar, gelernt habe, ist es, dass man eben nicht alle fünf Jahre einen neuen Computer und alle zwei Jahre ein neues Telefon brauch. Es ist zwar schön, aber fern von notwendig.

Ein Gedanke zu „Von alten Smartphones und Computern

  1. Genau in diesem Spannungsfeld bewege ich mich auch seit einiger Zeit. Ich hab einen drei Jahre alten Laptop und ein drei Jahre altes Smartphone (iPhone 4) und ich wollte die ganze Zeit zumindest ein neues Telefon und vielleicht noch ein Tablet, außerdem müsste der Laptop unbedingt aufgerüstet werden ….. Bla…
    Mir geht es ähnlich wie dir, ich mache eh nicht viel mit den Dingern. PC wird für die Uni gebraucht und das Smartphone zum sozialen interagieren und um gelegentlich mal ein Foto zu machen.
    Ich habe für mich festgestellt, dass ich einfach dem Konsumdruck unterworfen bin. Ich habe sämtliche Technikblogs und Newsseiten aus meinem Leben verbannt und hab mit mir selbst vereinbart, dass ich warte, bis meine Geräte kaputt sind. Es gibt keinen Grund sie durch neue zu ersetzen. Sie sind langsamer geworden und der Akku hält nicht mehr ewig, so what? Ich repariere ab sofort alles, bis es sich nicht mehr lohnt und tu so was gutes für meinen Geldbeutel und für die Umwelt.

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