Die deutsche Podcastlandschaft – eine Kritik

Es fühlt sich für mich an, als ob sich die deutsche Podcastlandschaft konzeptionell in den letzten Jahren nicht weiterentwickelt hat. Technisch ist alles ziemlich groß. Dank Podlove ist das Veröffentlichen einfacher geworden und dank Auphonic stimmt die Audioqualität, selbst wenn man nicht für 1000€ und mehr Audioausrüstung rumstehen hat. Aber konzeptionell ist kaum etwas passiert.

Viele Podcasts sind Laberpodcasts. Wenn sie gut sind, haben sie auch einen Themenbereich der nicht nur Tech betrifft. Dazu kommen ein paar, die Wissen näher bringen wollen aber dann in der Regel immer die selben Leute hat, die mehr oder minder gut vorbereitet sind und entweder selten oder nie Interviewpartner mit tiefgehendem Wissen haben. Und dann gibt es noch die Interviewpodcasts, die entweder eher in die Kategorie Laberpodcast fallen mit wechselndem Gast oder in ganz seltenem Fall auch richtig Wissen näher bringen. Zusammengefasst: Eine bis fünf Personen unterhalten sich und wenn sie richtig richtig gut sind, bleibt man bei einem Thema und eine Person hat richtig Ahnung davon.

Niemand versucht Geschichten zu erzählen oder wirklich spannende Interviews zu führen. Gefühlt wird meist einfach nur das Rohmaterial einmal nach Auphonic gekippt und das war’s.  Während eine Reihe Leute Zeit in die Technik stecken mit Projekten wie Podlove und Ultraschall, fehlen die Leute, die den Podcastern beibringen wie man aus dem Rohmaterial was machen kann. Wie erzählt man damit Geschichten, baut Spannungsbögen auf oder wie finde ich den richtigen Gesprächspartner und bereite mich auf ein Interview vor? Wie bearbeite ich so etwas nach?

Und dann kommt der nächste Punkt. Um so einen richtig geilen Podcast zu machen, einen an dem man lecken will, weil er so großartig ist, braucht’s Manpower. Da kann nicht jeder vor dem Mikro reden. Da braucht es Zuarbeiter. Wie wäre es mal, wenn sich eine Gruppte zusammentäte, um die Arbeit für Vorbereitung und Nachbereitung aufzuteilen und nur eine(r) oder zwei sind hinter dem Mikro wirklich aktiv. Dann hat man auf einmal jemanden, der seine Zeit auf die Recherche aufwendet, jemand der ein Skript baut, jemand der Interviews führt und jemand der schneidet. Warum muss der Podcaster denn immer alles machen?

Es muss ja nicht gleich ein Serial oder This American Life werden; kann es vermutlich auch nicht, weil da eine ganze Reihe Leute Vollzeit dran arbeiten. Aber wenn sich mal Teams fänden, die aus Zuarbeitern und Redner bestünden, könnte man glaube ich schon viel mehr reißen und neue Konzepte und bessere Inhalte bringen.

Update: Ich habe es endlich geschafft, die erste (und einzige) Folge von Systemfehler zu hören und genau so etwas meine ich. Mir wurde ein paar Mal Bartocast genannt. Kenne ich nicht, könnte aber auch in die Richtung gehen. Aber zwei Podcasts sind halt die Ausnahme und nicht wirklich definierend für die Podcastlandschaft. Selbst die Großen wie Resonator, Raumzeit oder CRE fallen in die oben genannten Kategorien aber halt in die „richtig“ guten (Zwei Leute reden, einer hat richtig Ahnung).
Es fehlt den Podcasts in der Regel an einer „Redaktion“. Das ist das was ich mit den Leuten meine, die nicht hinter dem Mikro sind, sondern halt zu- und nacharbeiten. Und das ist auch für Hobbyprojekte machbar. Die Frage ist halt, was man haben will. Den nächsten Labercast oder ein tolles Ergebnis, was über das reine Gespräch hinaus geht.

Ein Gedanke zu „Die deutsche Podcastlandschaft – eine Kritik

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