Jahresrückblick 2013

Hm, Jahresrückblicke. Ich hab ja das große Problem, dass ich teilweise wirklich ein Problem damit habe, was wann geschah und gerne Dinge zeitlich durcheinander werfe. Da denkt man sich, dass das alles ganz kurz zurück liegt und dann ist schon viel länger her und andere Dinge fühlen sich so weit weg an und dann ist das gerade erst ein paar Monate her.

TL;DR:

Ergo: alles nicht so schön.

NSA

Versuche ich trotzdem mal meine Gedanken zum Jahr 2013 in Worte zu fassen. Das große Thema war wohl die Sache mit der NSA, die immer noch weiterläuft. Aktueller Stand in meinem Kopf ist, dass sie alles und jeden abhören können, erstmal mitschneiden, wie der GMail-Bot scannen und evtl. mehr Interesse an der eigenen Person äußern. Wer dieses und jenes kommuniziert hat, begeht auch häufiger einen Anschlag. Und die „westliche“ Geheimdienstgemeinde teilt sich ihr Wissen auch.

Was bedeutet das für mich? Wenn ich kommuniziere, kann ich davon ausgehen, dass zumindest die USA, wenn nicht auch andere Nachrichtendienste inkl. deutscher zumindest erstmal abgreifen. Hat sich dadurch meine Kommunikation geändert? Nicht wirklich. Ich hab’s versucht mit SSL-Everywhere, aber das funktioniert nicht im Safari und auch nicht unter iOS. PGP-Signaturen sehe ich immer noch selten und Jabber nutz ich eh wenig, wobei dann häufiger mal mit OTR. Mein Dropbox-Nutzungsverhalten hat sich auch nicht geändert und ich nutze weiterhin OS X. Also nein. Keine Änderung.

Es gibt nur ein allgemeines Gefühl von Ohnmacht und wenn mich jemand zur Thematik fragt und was sie oder er machen soll, antworte ich: Verschlüsselung ist grundsätzlich gut. Damit kann man zumindest den Hacker aus Kleinkleckersdorf in der Regel abhalten. Wenn du Angst vor einem Nachrichtendienst hast, hast du noch ganz andere Probleme und du würdest vermutlich nicht mit dieser Frage zu mir kommen. Gegen einen Nachrichtendienst kann man sich als einzelne Person nur begrenzt verteidigen. Und digitales Leben wird dann sehr kompliziert.

Linux

Im Zuge der ganzen Sache, habe ich mir aber wieder mehr Gedanken über Linux gemacht. Als Tante 30 Tage mit OS X gelebt hat (Podcast-Feed), habe ich versucht mit Linux für einen begrenzten Zeitraum zu leben und habe darüber gepodcastet (Folgen 8-11). In meinem Job habe ich auch einen Linuxversuch gestartet. Beide Versuche sind gescheitert. Am Laptop lag es daran, dass ich von einem USB-Stick lebte. Der erste war zu klein und zu langsam, der zweite war viel zu langsam. Im Job war Linux in der VM und Windows das Host-OS. Am Ende hängt man dann doch wieder hauptsächlich im Host-OS rum.

Am Ende muss ich aber sagen, dass das Leben mit Linux ginge. So viel zu vermissen gäbe es auch nicht. OS X ist schicker, aber wenn mir mein MacBook Air irreparabel kaputt gehen würde und ich nicht mal ansatzweise eine Finanzierungsmöglichkeit sehen würde für ein neues Gerät, könnte ich zu Linux wechseln ohne allzu großes Gejammer. In meinem Job könnte ich vermutlich auch zu Linux wechseln und die Fachanwendungen einfach in ner VM laufen lassen.

Das einzige was ich vermutlich so richtig vermissen würde, wäre OmniFocus, OpenEmu und BibDesk.

Außerdem hatte ich für nen Monat oder zwei eine Kommandozeilenphase. Da habe ich mich mit tmux, mutt, ttytter und Texapp auseinandergesetzt. Und alles funktionierte erstaunlich gut. Da war die Haupterkenntnis am Schluss, dass auch ein Leben mit Linux wirlich gut ginge. Aber nur in der Shell leben geht leider für mich nicht so ohne weiteres. Obwohl mit einem extra Gerät für PDFs das vermutlich schon wieder ginge. Aus früheren Zeiten weiß ich, dass ich auf einem recht schwachbrüstigem Gerät (ein Toshiba Libretto L1) auch Videos auf’m Framebuffer schauen konnte. Was wiederum heißt, dass ich auch mit sehr kleinem Geldbeutel notfalls arbeiten könnte und mir mal wieder bewusst gemacht hat, was für ein Luxus eigentlich so ein MacBook Air ist. Ab und zu schau ich schon mit ein wenig Neid auf Thinkpads. Die sind einfach so viel besser zu warten.

Apple

Allgemein hat sich eh mein Verhältnis zu Apple mal wieder verschlechtert. Mein MacBook Air von Oktober 2008 hat sich mit einem RAM-Fehler verabschiedet. Und so konnte ich einen Laptop, den ich normalerweise für 15€ hätte reparieren können in die Tonne treten. Oder in meinem Fall sogar noch auf ebay verscherbeln. Ein sehr unschönes Gefühl, wenn sich ein 1000+€-Gerät so verabschiedet. Ich drücke beide Daumen, dass mein aktuelles MacBook Air lange hält. Und dann stand der Kauf von neuen iPhones an. Das alte 3GS hat eine kaputte Scheibe und vibriert ohne Ende wenn der Mute-Schalter gedrückt ist. Mal abgesehen davon, dass nur noch iOS6 funktioniert. Und wenn man sich mal bewusst wird, wieviel so ein neues iPhone kostet, überlegt man sich das doch dreimal, ob iOS das wirklich wert ist und ob man es braucht, vor allem wenn der Monat häufiger doch noch ein paar Tage hat, wenn das Geld all ist. Aber zum Glück arbeite ich jetzt Vollzeit. Damit wird zumindest das 3GS ein 5S und das 4S bleibt noch ein Jahr in Betrieb. Aber ein schaler Geschmack bleibt. Vor allem, wenn man sich die Preise von nem Nexus ansieht, was in einer ähnlichen Klasse spielt. Aber da hat man dann keine Software für und hängt an Google.

Das war es in Sachen Technik denke ich.

Bundestagswahl

Was gab es noch? In Sachen Politik gab es die Wahl zum Bundestag. Meiner Meinung nach sehr enttäuschend. Auch wenn die Piraten sich selbst zerlegt haben, hatte ich doch gehofft, dass sie gerade so die 5% reißen. Dass die AfD fast 5% erreicht hat, ist erschreckend. Aber sie haben sich vermutlich gut verkauft und von Gesprächen, scheinen viele nicht die rechten Untertöne gehört zu haben. Die FDP ist raus, das ist gut. Aber die kommen vermutlich wieder. Schwarz-Rot ist nicht unerwartet. Eine alleinige Regierung durch die CDU hätte ich besser gefunden. Dann hätten sie keine Ausreden mehr gehabt. Schwarz-Grün wäre ganz schön gewesen, damit viele der Grün-Wähler endlich mal mitbekommen, wie konservativ die Grünen und auch sie selber sind. Und Rot-Rot-Grün wäre grandios gewesen, aber nun ja. Mit der Linken will ja niemand. Tja, wenn alles gut läuft, passiert vier Jahre nichts. Wenn alles schlecht läuft, haben wir am Schluss Vorratsdatenspeicherung mit entsprechender Verfassungsänderung, keinerlei Netzneutralität und weitere arge Einschnitte im Sozialwesen. Die Reihenfolge sagt nichts über die Wichtigkeit dieser drei Dinge aus.

Japan

Zum Thema Japan fällt mir nur ein, dass wir eine relativ rechte Regierung haben, die für mehr Militär ist und ein Gesetz eingeführt hat, dass Whistleblower bis zu zehn Jahre in den Knast bringen kann und Journalisten, die entsprechendes Verhalten motivieren bis zu fünf. Vermutet wird, dass es zur Vertuschung von Skandalen eingesetzt werden wird. Außerdem findet der aktuelle Premier die Geschichtsschreibung nicht so pralle und will da vermutlich Änderungen in den Büchern vornehmen lassen. Den Yasukuni-Schrein besucht er auch. Wen wundert’s.

China hat dazu eine Luftverteidigungszone über dem Ostchinesischem Meer ausgerufen aufgrund der Senkaku/Diaoyu-Inseln. Ist jetzt nicht so gut.

Und dann gibt’s da noch die Abenomics. Ein Versuch der Regierung zusammen mit der japanischen Zentralbank (ab hier BoJ) die Nachfrageseite der Wirtschaft anzukurbeln. Zurzeit sieht es meines Wissens nach ganz gut für die Wirtschaft aus, dafür hat die Sparrate gelitten. Aber das ist ja auch kein Wunder, wenn die Nachfrageseite angekurbelt wird. Nächstes Jahr werden wir sehen, wie gut die Abenomics wirklich funktionieren. Ich bin gespannt. Auch im Rahmen der Auswirkungen auf die Bevölkerung.

Nordkorea

In Nordkorea wurde der Onkel Jang Song-Thaek von Kim Jong-Un zum Putschist erklärt und relativ fix exekutiert. Er war die Nummer Zwei im Staat und wenn ich es richtig verstanden habe, ein wichtiger Kontaktpunkt zu China. Seine Verbündeten erleiden das gleiche Schicksal, so wie es aussieht. Aber die Auswirkungen sind nicht so drastisch wie man erwartet. Also nicht ganz so viele Tote. Die Lage könnte sich trotzdem destabilisieren und wenn die Verbindung zu China schlechter wird ist das auch kein gutes Zeichen. Außerdem hat Amnesty International berichtet, dass ausgehend von aktuellen Satellitenbildern Lager für politische Gefangene vergrößert werden. Also alles in allem sieht es nach einer Verschlechterung der Lage in Nordkorea aus.

Mehr Themen fallen mir spontan nicht ein, aber sicher ist noch mehr passiert 2013. Aber an sich kein schönes Jahr in allen Bereichen, die mich interessieren. Vielleicht wird 2014 besser.

Der japanische Premier Noda warnt China / Probleme mit Südkorea

Der japanische Premier Noda warnt China / Probleme mit Südkorea

Die Gewalt ist wohl rückläufig in China, dafür gibt es Anzeichen von wirtschaftlichen Sanktionen seitens Chinas.

„Recent delays in customs and visa issuance are of concern,“ Mr. Noda continued, referring to reports that Japanese companies were now facing a form of economic harassment…

Noda warnt daraufhin China, dass es auch für China dadurch zu Problemen kommen kann.

„I hope for its levelheaded and rational understanding that anything to discourage that is a disservice to itself“

Außerdem scheint mit Südkorea mal wieder das Trostfrauen-Problem, Frauen, die zur Kriegszeit von Japan in die Prostitution gezwungen wurden, hochzukochen.

The South Korean foreign minister is widely expected to raise demands for new „comfort women“ compensation in his U.N. speech.

New York Times über das Senkaku/Diaoyu-Problem

Die New York Times über das Senkaku/Diaoyu-Problem

Die New York Times hat einen sehr schön geschriebenen Artikel über das Senkaku/Diaoyu-Problem geschrieben, der für mich zum Ersten Mal erklärt, was es mit den ganzen Eigentumsrechten auf sich hat. Also wie die Privatbesitzer der Inseln überhaupt in den Besitz der Inseln gekommen sind.

Even before World War II, there were few economic activities on the islands. A small factory on Uotsuri made dried bonito shavings, a favorite Japanese food, and hunters gathered albatross feathers for European fashion boutiques.

Newz on the World über Senkaku/Diaoyu

In Newz of the World, der großartige Podcast aus der Metaebene über Neuigkeiten des Weldgeschehens berichten Tim Pritlove und Bicycle Mark diese Woche unter anderem über die Diaoyu/Senkaku-Problematik ab Min. 24:07. Prädikat hörenswert.

Ich konnte es mir natürlich nicht verkneifen, nach dem ich die letzten Woche(n?) immer wieder auf Artikel dazu verlinkt habe, zum Thema zu kommentieren.

Sechs chinesische Schiffe bei den Diaoyu/Senkaku-Inseln

Sechs chinesische Schiffe bei den Diaoyu/Senkaku-Inseln.

Ich mach das mit dem Link-Blogging ja erst seit kurzem und (leider) nur wenig, aber gerade komme ich mir vor, wie eine Senkakue/Diaoyu-Insel-Soap.

A flotilla of six Chinese surveillance ships entered Japan’s territorial waters early Friday near the recently nationalized Senkaku Islands, the Japan Coast Guard said, prompting crisis panels to be set up in the prime minister’s office and the National Police Agency.

Die „China’s State Oceanic Administration“ sagt dazu:

The ships demonstrated „China’s jurisdiction over the Diaoyu Islands and its affiliated islets and ensure the country’s maritime interests,“ it said.

Antijapanische Proteste auf den Titelseiten von chinesischen Zeitungen

Antijapanische Proteste auf den Titelseiten von chinesischen Zeitungen.

Die Zentralregierung, oder wer die entsprechenden Verantwortlichen sind, „erlauben“ der Öffentlichkeit nun ihrem Ärger Luft zu machen im Rahmen der Inselstreitigkeiten.Übrigens war die öffentliche Meinung in China früher weitaus positiver gegenüber Japan eingestellt. Erst in den 90ern kam es zu einem neuen Nationalismus. Die KP braucht diesen wohl, damit sie sich weiterhin stabil halten kann, wenn die schwindende kommunistische Ideologie die KP nicht mehr legitimiert1.

  1. Gries, Peter Hays (2005): „China’s „New Thinking“ on Japan“. The China Quarterly 184: 831—850.

Und weiter geht es im Konflikt um die Diaoyu/Senkaku-Inseln

Und weiter geht es im Konflikt um die Diaoyu/Senkaku-Inseln.

Langsam wird es unangenehm…

“We’re nearing very dangerous territory in that sense because both countries are activating their patrol activities in the same areas,“ said Yoichiro Sato, director of the Japan-based International Strategic Studies at Ritsumeikan Asia Pacific University. „The possibility of accidental incidents between the two security forces is rising with these recent activities,” he said.

aber…

 Metzl doesn’t foresee a naval conflict between China and Japan.  Most experts agree neither nation is likely to spill blood over a few uninhabited islands.
 
The dispute is evidence of what Metzl calls a new post-American era in the Asia-Pacific region.
 
“China is flexing its muscles to not only pressure other countries, but to test the relationship between some of these countries – particularly Japan and the United States,” said Metzl. 

Mit China wird man sich wohl arrangieren müssen

Mit China wird man sich wohl arrangieren müssen

In Japan gibt es keine großen Sympathien für China. 71% der Japaner in einer Regierungsumfrage haben Antipathien gegenüber China:

According to the October 2011 government opinion poll on diplomacy (available in Japanese only), 71% of the Japanese do not have any “feelings of sympathy” (親近感, shinkinkan) toward China

Was sie wohl nicht wissen, dass Japan ohne China noch schlechte da stände

While more than 70% of the Japanese express dislike for China, many of those 70% may, knowingly or not, work for a company benefiting massively from the economic growth in China. Without that growth, Japan’s economic performance over the last 10–15 years would have been even worse.