Zu wenig Schmerz

„The silent majority is outraged!“

@tante

TL;DR: Die Totalüberwachung der NSA und anderer Nachrichtendienste wird als Problem wahrgenommen, aber es tut nicht weh genug.

Heute habe ich mir den Vortrag von Jacob Appelbaum auf dem 30C3 angesehen. Das war schon ziemlich heftig, auch wenn ich Teile davon wusste. Und wie so oft in den letzten Monaten musste ich über die ganze NSA-Sache nachdenken. Was es für mich bedeutet und warum der laute Aufschrei fehlt. Die Medien berichten darüber. Das Thema scheint die Leute zu interessieren, ansonsten wäre es schon längst wieder aus den Medien verschwunden. Schließlich leben sie von Einschaltquoten und Verkaufszahlen.

Ich unterhalte mich auch immer mal wieder mit Menschen über das Thema, die sich nicht in meiner Tech-Filterblase befinden. Die Meinung ist weitgehend: „Es ist schlimm, aber was soll ich schon tun?“ Und wenn das Gespräch lang genug anhält, dass Verschlüsselung angesprochen wird, ist sie entweder zu kompliziert oder die Reaktion ist schlussendlich: „Und mit wem schreib ich dann? Benutzt ja sonst niemand.“

Also die üblichen und bekannten Probleme.

Aber vielleicht ist es auch noch etwas anderes. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass vor ein paar Jahren viele Leute File Sharing betrieben haben, um nicht nur Linux-Distributionen herunterzuladen. Mit der Zeit ist es weniger geworden. Denn die Einschläge kamen näher. Und wenn auf einmal die Abmahnung bei Freunden landete oder gar bei einem selbst, dann war Schluss damit1. So lang das aber nicht passierte, wusste man zwar um die Gefahren, machte aber munter weiter. Ich denke mit der Totalüberwachung durch Nachrichtendienste ist es ähnlich. So lang man die Gefahr nicht zumindest aus zweiter Hand erlebt, ist die Gefahr einfach zu fern, zu abstrakt. Es ist noch nicht mal ein „Ich habe nichts zu verbergen“, als ein „Mir wird schon nichts passieren“. Das Bewusstsein der Datenabgraberei durch Unternehmen und Staaten scheint vorhanden zu sein. „Warum soll ich meine E-Mails verschlüsseln? Ich benutz Google Mail, die lesen doch eh alle meine Mails“, habe ich gerade erst heute zu hören bekommen.2 Ich höre von mehr Leuten, als ich erwartet habe, dass sie z.B. Facebook gar nicht oder sparsam benutzen. Sie wollen eben nicht, dass eine Firma sie plötzlich besser kennt, als sie sich selbst.

Der Schmerz ist einfach nicht groß genug, als dass man dagegen etwas tun möchte. Es gibt auch keine lauten Bürgerrechtsgruppen3, die sich um das Problem kümmern. Ich sehe ja noch nicht einmal aus dem linksextremen Lager Poster oder ähnliches. Und in der Gegend in der ich lebe, rufen sie auf Postern zu diversen Straftaten wegen der Gentrifizierung auf.

Die einzigen, die sich darüber so sehr darüber aufregen, dass sie nach weiteren Informationen zum Thema suchen und vielleicht sogar etwas schreiben, sind du und ich. Ja, du, der diesen Text gerade liest. Sonst hättest du den Weg nicht hierher gefunden. Und was habe ich getan? Ich mache mir seit Monaten Gedanken und schaffe es nicht einmal mich zu überwinden mein Betriebssystem zu etwas zu wechseln, das vermutlich etwas sicherer ist. Geschweige denn den Versuch zu starten mich mit anderen zu organisieren, damit das Thema in den Meatspace getragen wird. Der Schmerz ist einfach nicht groß genug.

“Gebt mit sechs Zeilen von der Hand des ehrlichsten Mannes, so werde ich etwas finden, um ihn an den Galgen zu bringen.“
— Armand Jean du Plessis Richelieu


  1. Und wechselte zu Streaming-Plattformen…

  2. Ja, ich habe dann gleich drauf hingewiesen, dass Google dann nicht mehr die Mails lesen könne. Die Antwort darauf war, dass der Inhalt den Aufwand nicht wert sei und wenn das wirklich jemand bei der NSA liest, hat der Analyst der NSA es nicht anders verdient als an purer Langeweile zu sterben.

  3. Nein, im Netz dazu etwas zu schreiben ist nicht „laut“ sein. Stände in Fußgängerzonen und auf Volksfesten haben ist laut, Flyer verteilen ist laut, Leute auf der Straße aufklären ist laut, Politiker ansprechen, ihnen Briefe und Faxe schreiben ist laut.

Jahresrückblick 2013

Hm, Jahresrückblicke. Ich hab ja das große Problem, dass ich teilweise wirklich ein Problem damit habe, was wann geschah und gerne Dinge zeitlich durcheinander werfe. Da denkt man sich, dass das alles ganz kurz zurück liegt und dann ist schon viel länger her und andere Dinge fühlen sich so weit weg an und dann ist das gerade erst ein paar Monate her.

TL;DR:

Ergo: alles nicht so schön.

NSA

Versuche ich trotzdem mal meine Gedanken zum Jahr 2013 in Worte zu fassen. Das große Thema war wohl die Sache mit der NSA, die immer noch weiterläuft. Aktueller Stand in meinem Kopf ist, dass sie alles und jeden abhören können, erstmal mitschneiden, wie der GMail-Bot scannen und evtl. mehr Interesse an der eigenen Person äußern. Wer dieses und jenes kommuniziert hat, begeht auch häufiger einen Anschlag. Und die „westliche“ Geheimdienstgemeinde teilt sich ihr Wissen auch.

Was bedeutet das für mich? Wenn ich kommuniziere, kann ich davon ausgehen, dass zumindest die USA, wenn nicht auch andere Nachrichtendienste inkl. deutscher zumindest erstmal abgreifen. Hat sich dadurch meine Kommunikation geändert? Nicht wirklich. Ich hab’s versucht mit SSL-Everywhere, aber das funktioniert nicht im Safari und auch nicht unter iOS. PGP-Signaturen sehe ich immer noch selten und Jabber nutz ich eh wenig, wobei dann häufiger mal mit OTR. Mein Dropbox-Nutzungsverhalten hat sich auch nicht geändert und ich nutze weiterhin OS X. Also nein. Keine Änderung.

Es gibt nur ein allgemeines Gefühl von Ohnmacht und wenn mich jemand zur Thematik fragt und was sie oder er machen soll, antworte ich: Verschlüsselung ist grundsätzlich gut. Damit kann man zumindest den Hacker aus Kleinkleckersdorf in der Regel abhalten. Wenn du Angst vor einem Nachrichtendienst hast, hast du noch ganz andere Probleme und du würdest vermutlich nicht mit dieser Frage zu mir kommen. Gegen einen Nachrichtendienst kann man sich als einzelne Person nur begrenzt verteidigen. Und digitales Leben wird dann sehr kompliziert.

Linux

Im Zuge der ganzen Sache, habe ich mir aber wieder mehr Gedanken über Linux gemacht. Als Tante 30 Tage mit OS X gelebt hat (Podcast-Feed), habe ich versucht mit Linux für einen begrenzten Zeitraum zu leben und habe darüber gepodcastet (Folgen 8-11). In meinem Job habe ich auch einen Linuxversuch gestartet. Beide Versuche sind gescheitert. Am Laptop lag es daran, dass ich von einem USB-Stick lebte. Der erste war zu klein und zu langsam, der zweite war viel zu langsam. Im Job war Linux in der VM und Windows das Host-OS. Am Ende hängt man dann doch wieder hauptsächlich im Host-OS rum.

Am Ende muss ich aber sagen, dass das Leben mit Linux ginge. So viel zu vermissen gäbe es auch nicht. OS X ist schicker, aber wenn mir mein MacBook Air irreparabel kaputt gehen würde und ich nicht mal ansatzweise eine Finanzierungsmöglichkeit sehen würde für ein neues Gerät, könnte ich zu Linux wechseln ohne allzu großes Gejammer. In meinem Job könnte ich vermutlich auch zu Linux wechseln und die Fachanwendungen einfach in ner VM laufen lassen.

Das einzige was ich vermutlich so richtig vermissen würde, wäre OmniFocus, OpenEmu und BibDesk.

Außerdem hatte ich für nen Monat oder zwei eine Kommandozeilenphase. Da habe ich mich mit tmux, mutt, ttytter und Texapp auseinandergesetzt. Und alles funktionierte erstaunlich gut. Da war die Haupterkenntnis am Schluss, dass auch ein Leben mit Linux wirlich gut ginge. Aber nur in der Shell leben geht leider für mich nicht so ohne weiteres. Obwohl mit einem extra Gerät für PDFs das vermutlich schon wieder ginge. Aus früheren Zeiten weiß ich, dass ich auf einem recht schwachbrüstigem Gerät (ein Toshiba Libretto L1) auch Videos auf’m Framebuffer schauen konnte. Was wiederum heißt, dass ich auch mit sehr kleinem Geldbeutel notfalls arbeiten könnte und mir mal wieder bewusst gemacht hat, was für ein Luxus eigentlich so ein MacBook Air ist. Ab und zu schau ich schon mit ein wenig Neid auf Thinkpads. Die sind einfach so viel besser zu warten.

Apple

Allgemein hat sich eh mein Verhältnis zu Apple mal wieder verschlechtert. Mein MacBook Air von Oktober 2008 hat sich mit einem RAM-Fehler verabschiedet. Und so konnte ich einen Laptop, den ich normalerweise für 15€ hätte reparieren können in die Tonne treten. Oder in meinem Fall sogar noch auf ebay verscherbeln. Ein sehr unschönes Gefühl, wenn sich ein 1000+€-Gerät so verabschiedet. Ich drücke beide Daumen, dass mein aktuelles MacBook Air lange hält. Und dann stand der Kauf von neuen iPhones an. Das alte 3GS hat eine kaputte Scheibe und vibriert ohne Ende wenn der Mute-Schalter gedrückt ist. Mal abgesehen davon, dass nur noch iOS6 funktioniert. Und wenn man sich mal bewusst wird, wieviel so ein neues iPhone kostet, überlegt man sich das doch dreimal, ob iOS das wirklich wert ist und ob man es braucht, vor allem wenn der Monat häufiger doch noch ein paar Tage hat, wenn das Geld all ist. Aber zum Glück arbeite ich jetzt Vollzeit. Damit wird zumindest das 3GS ein 5S und das 4S bleibt noch ein Jahr in Betrieb. Aber ein schaler Geschmack bleibt. Vor allem, wenn man sich die Preise von nem Nexus ansieht, was in einer ähnlichen Klasse spielt. Aber da hat man dann keine Software für und hängt an Google.

Das war es in Sachen Technik denke ich.

Bundestagswahl

Was gab es noch? In Sachen Politik gab es die Wahl zum Bundestag. Meiner Meinung nach sehr enttäuschend. Auch wenn die Piraten sich selbst zerlegt haben, hatte ich doch gehofft, dass sie gerade so die 5% reißen. Dass die AfD fast 5% erreicht hat, ist erschreckend. Aber sie haben sich vermutlich gut verkauft und von Gesprächen, scheinen viele nicht die rechten Untertöne gehört zu haben. Die FDP ist raus, das ist gut. Aber die kommen vermutlich wieder. Schwarz-Rot ist nicht unerwartet. Eine alleinige Regierung durch die CDU hätte ich besser gefunden. Dann hätten sie keine Ausreden mehr gehabt. Schwarz-Grün wäre ganz schön gewesen, damit viele der Grün-Wähler endlich mal mitbekommen, wie konservativ die Grünen und auch sie selber sind. Und Rot-Rot-Grün wäre grandios gewesen, aber nun ja. Mit der Linken will ja niemand. Tja, wenn alles gut läuft, passiert vier Jahre nichts. Wenn alles schlecht läuft, haben wir am Schluss Vorratsdatenspeicherung mit entsprechender Verfassungsänderung, keinerlei Netzneutralität und weitere arge Einschnitte im Sozialwesen. Die Reihenfolge sagt nichts über die Wichtigkeit dieser drei Dinge aus.

Japan

Zum Thema Japan fällt mir nur ein, dass wir eine relativ rechte Regierung haben, die für mehr Militär ist und ein Gesetz eingeführt hat, dass Whistleblower bis zu zehn Jahre in den Knast bringen kann und Journalisten, die entsprechendes Verhalten motivieren bis zu fünf. Vermutet wird, dass es zur Vertuschung von Skandalen eingesetzt werden wird. Außerdem findet der aktuelle Premier die Geschichtsschreibung nicht so pralle und will da vermutlich Änderungen in den Büchern vornehmen lassen. Den Yasukuni-Schrein besucht er auch. Wen wundert’s.

China hat dazu eine Luftverteidigungszone über dem Ostchinesischem Meer ausgerufen aufgrund der Senkaku/Diaoyu-Inseln. Ist jetzt nicht so gut.

Und dann gibt’s da noch die Abenomics. Ein Versuch der Regierung zusammen mit der japanischen Zentralbank (ab hier BoJ) die Nachfrageseite der Wirtschaft anzukurbeln. Zurzeit sieht es meines Wissens nach ganz gut für die Wirtschaft aus, dafür hat die Sparrate gelitten. Aber das ist ja auch kein Wunder, wenn die Nachfrageseite angekurbelt wird. Nächstes Jahr werden wir sehen, wie gut die Abenomics wirklich funktionieren. Ich bin gespannt. Auch im Rahmen der Auswirkungen auf die Bevölkerung.

Nordkorea

In Nordkorea wurde der Onkel Jang Song-Thaek von Kim Jong-Un zum Putschist erklärt und relativ fix exekutiert. Er war die Nummer Zwei im Staat und wenn ich es richtig verstanden habe, ein wichtiger Kontaktpunkt zu China. Seine Verbündeten erleiden das gleiche Schicksal, so wie es aussieht. Aber die Auswirkungen sind nicht so drastisch wie man erwartet. Also nicht ganz so viele Tote. Die Lage könnte sich trotzdem destabilisieren und wenn die Verbindung zu China schlechter wird ist das auch kein gutes Zeichen. Außerdem hat Amnesty International berichtet, dass ausgehend von aktuellen Satellitenbildern Lager für politische Gefangene vergrößert werden. Also alles in allem sieht es nach einer Verschlechterung der Lage in Nordkorea aus.

Mehr Themen fallen mir spontan nicht ein, aber sicher ist noch mehr passiert 2013. Aber an sich kein schönes Jahr in allen Bereichen, die mich interessieren. Vielleicht wird 2014 besser.

Prism, Tempora und ich

TL;DR: Alles Mist.

Seit ein paar Wochen ist bekannt, dass die Aluhüte™ recht hatten. Die Überwachung durch Staaten findet großflächig statt. Wir wussten, dass wir freiwillig Konzernen unsere Daten übergeben. Teils ist es Wahl, teils entgeht man nur mit Aufwand der Datensammelei von Konzernen. Ich habe keine Illussion, dass Google und Facebook sehr detaillierte Profile von mir haben, auch wenn ich ausgeloggt bin. Und ich möchte nicht wissen1, wer sonst noch so alles detaillierte Profile von mir angelegt hat.

Inzwischen weiß ich, dass vermutlich mehreren Nachrichtendienste Profile von mir erstellen könnten, wenn sie wollten. Die Zielrichtung ist nur eine andere. Statt 31, min. ein Kind, Apple-Fanboy, heißt es halt 31, informiert sich über verschlüsselte Nachrichtenübermittlung, könnte potentiell etwas zu verbergen haben.

Seitdem PRISM, Tempora und wie die Programme auch immer heißen bekannt sind, habe ich keine einzige Mail bekommen mit einer PGP-Signatur oder einem S/Mime-Zertifikat bekommen. Für mich heißt das, dass fest zumindest mit meinen Kommunikationspartnern in der Zeit niemanden gibt, der zumindest alles eingerichtet hat um Mails zu verschlüsseln. Ansonsten könnte er/sie ja signieren und ich wüsste, dass es einen öffentlichen Schlüssel gibt und ich eine verschlüsselte Mail verschicken können. Chats, die mit OTR verschlüsselt waren, hatte ich exakt einen.

Rede ich mit Leuten über die Thematik, sind sie in der Regel erbost darüber. Wobei ich aber sagen muss, dass ich noch nicht wirklich auf die Thematik angesprochen worden bin. Etwas das normalerweise passiert, wenn irgendwas böses mit Computern die Runde macht. Mein Eindruck ist, dass es den meisten weiterhin schnuppe ist, ob mitgelesen wird oder Verbindungsdaten erhoben werden. Welcher Nachteil ergibt sich auch für sie? Was soll schon passieren?

Ich bin mit Cyberpunk groß geworden. Ich habe Enemy of the State gesehen. Ich habe einen Namen, der meines Wissens nach einzigartig auf der Welt ist. Ich schreibe in der Regel mit Klarnamen. Ich bin es gewohnt damit umzugehen, dass alles was ich ins Netz schreibe in der Regel sehr einfach auf mich zurückverfolgt werden kann.

Wenn ich eine Mail schreibe, eine Nachricht per Jabber oder eine private Nachricht auf app.net, fühle ich mich allerdings unbeobachtet. Obwohl ich weiß, dass zumindest Mails durch viele Hände gehen und jeder auf dem Weg mitlesen kann. Bei Jabber und PMs liegen sie auf dem Server und dem Administrator muss ich vertrauen. Denn zumindest der kann in der Regel mitlesen, wenn er denn wollte.

Jetzt kann ich mir allerdings sicher sein, dass es Institutionen gibt, die mitlesen können, wenn sie es denn wollen. Hat sich dadurch mein Kommunikationsverhalten geändert? Nein. Ich hab zwar bei meiner Freundin Threema2 installiert, aber wir benutzen trotzdem Mail, SMS und iMessages. Ich hab meinen GPG-Kram mal wieder reaktivert und könnte an sich verschlüsselte Mails schreiben. Aber mit wem?

Und selbst wenn, im Kopf sitzt es nicht drin, dass da potentiell ein gelangweilter Analyst irgendwo mitliest oder ein Tool über meine Mails geht und mich potentiell als Gefährder3 einstuft, weil ich über irgendein Rollenspiel schreibe. Und dann kommen ja noch die Verbindungsdaten hinzu. Was weiß ich, was die Leute mit denen ich auf app.net kommuniziere evtl. außerhalb des sozialen Netzwerks treiben. Ich denke, dass man in so ein Netz schneller reinfallen kann, als man denkt. Aber es ist nicht im Kopf drin. Es ist einfach zu abstrakt, zu weit weg. Das ist so ein bisschen wie in den Nachrichten das Leid in anderen Ländern zu sehen. Ja, ist schlimm, gleich fängt der Tatort4 an, oder? Und ich denke, so geht es den meisten.

Persönlich würde ich gerne etwas machen und habe auch all die schönen Werkzeuge zur Hand und weiß, dass ich mit BlackVPN und Tor, sowie mit GPG, OTR und was weiß ich nicht, relativ sicher5 kommunizieren könnte. Aber dazu gehören immer zwei und irgendwie ist es auch unbequem. Und wie oben geschrieben, kommt dazu, dass es einfach nicht im Kopf ist.

Und ja, ich habe Dinge zu verbergen. Wer nicht? Und wenn man der Meinung ist, dass man nichts zu verbergen hat, sollte man die Kreativität anderer Menschen nicht unterschätzen, die etwas draus drehen können. Evtl. reicht es ja schon aus sich verwählt zu haben.

Also was tun? Der Aussage „If You Have Something You Don’t Want Anyone To Know, Maybe You Shouldn’t Be Doing It“ von Eric Schmidt folgen? Aber kann man das immer, will man das immer? Haben sie dann nicht gewonnen? Eine angepasste neutralisierte Menschheit, die das macht was Staaten und Konzerne von ihnen erwarten? Eigentlich will ich Freiheit nicht durch gefühlte Sicherheit ersetzen. Mit der ganzen Überwachung bekommen sie auch nur die dummen Übeltäter und wer weiß, ob sie die nicht auch so bekommen hätten. Gleichzeitig steigt die Zahl der False Positives.

Irgendwie ist das alles unschön und eine Lösung habe ich auch nicht. Nachrichtendienste abschaffen wäre sicherlich erstrebenswert. Aber ich denke nicht, dass es eine Lösung wäre. Es wird immer andere geben, die einen haben und den gewonnenen Informationsvorteil nutzen werden. Es ist ein bisschen wie ein Staat, in einer Krisenregion zu sein und keinerlei Militär zu haben. Selbst das laut Verfassung pazifistische Japan hat zum Einen immer unter dem Sicherheitsmantel der USA gelebt und seine Selbstverteidigungsstreitkräfte haben auch eine nicht geringe Größe.

Gleichzeitig kann man Nachrichtendienste auch nur schwer demokratisch kontrollieren. Schließlich sind Geheimnisse ihr Geschäft. Natürlich sollten sie einer parlamentarischen Kontrolle unterliegen und das Parlament besteht schließlich aus gewählten Vertretern des Volks, aber wer überwacht die Wächter? Interessant wäre natürlich, wenn sie voll transparent arbeiten würden und es dadurch keine Geheimnisse mehr gäbe, aber das führt wieder zu ganz anderen Problemen.

Wenn alle verschlüsselten und VPNs und Tor nutzten, würde man es den Überwachern sicherlich ziemlich schwer machen. Aber das ist auch eher unrealistisch. Und wenn man der einzige unter vielen ist, der sich über Verschlüsselung heraushebt, dann ist man auf einmal auch wieder interessant und es wird genauer hingeschaut.

Und gar nicht mehr privat online kommunizieren bringt’s ja auch nicht. In den USA werden jetzt schon die Verbindungsdaten von sämtlichen Briefen seit Jahren erhoben. Damit fiele das auch weg. Und Brieftauben züchten, ist jetzt auch nicht mein Ding. Und die Latenz von dem ganzen analogen Kram ist doch recht hoch.

Tja, irgendwie eine ganz schöne Zwickmühle das alles. Und am Ende steht ein Gefühl der Ohnmacht.


  1. Na ja, eigentlich würde ich es schon gerne wissen. 
  2. Ein vermutlich sicherer Instant Message-Service, der Ende-zu-Ende verschlüsselte Kommunikation erlaubt. 
  3. Ich bin Shadowrun-Spieler, ein Pen&Paper-Rollenspiel, bei dem man einen professionellen Verbrecher im Auftrag von Konzernen spielt. Und die Reaktionen in der S-Bahn, wenn man sich über vergangene Missionen unterhält oder über den Einbruch bei der nächsten Mission spricht und wo man die vollautomatischen Waffen und den Sprengstoff herbekommt, sind eindeutig. 
  4. Nein, ich schaue den Tatort nicht. 
  5. Ich bezweifel, dass es sichere Kommunikation gibt. Evtl. wenn ich mich mit einer anderen Person in einer Höhle treffe und wir uns Nachrichten auf Papier hin- und herschieben und danach den Zettel verbrennen, kann man sich wohl sicher sein, dass niemand mitgelesen hat. Und dann wüsste ein Angreifer immer noch, dass ich mich mit der anderen Person getroffen hätte. 

Tanzverbot in Japan für kleine Clubs und nach Mitternacht

Tanzverbot in Japan für kleine Clubs und nach Mitternacht

Das wusste ich auch noch nicht: In Japan ist es verboten in Clubs zu tanzen, die eine Fläche von weniger als 66m2 haben und auch nach Mitternacht ist das Tanzen verboten.

„It is very difficult for clubs in big cities to find somewhere affordable with a 66-sq.-meter floor allowing them to get the license,“ Isobe said in a recent interview with The Japan Times. „It is also unreasonable to prohibit late-night dancing in a society where many restaurants stay open around the clock.“

Nihonjinron – die Einzigartigkeit der Japaner

Lange Zeit kein Post, daher muss dem Abhilfe geschaffen werden.

Vor nicht allzu langer Zeit bin ich mit jemandem auf Twitter auf das Thema Nihonjinron gekommen. Da das Ganze nicht so einfach zu erklären ist, habe ich ihm eine längere Mail zum Thema „Was ist das Problem am Nihonjinron, wenn man über Japan und die japanische Gesellschaft spricht“ geschrieben. Aber auch für dieses Blog ist der Großteil des Inhaltes der Mail ganz gut geeignet, daher hier eine leicht überarbeitete Fassung 😉

Erst einmal, was ist Nihonjinron? Nihonjinron beschreibt Werke nationalistischen Kulturalismus, die sich mit der „Einzigartigkeit“ Japans auseinandersetzen.

Folgende Annahmen sind Grundlage des Diskurses:

  1. Man kann die japanische Gesellschaft ausschließlich mit der Hilfe von Japanern verstehen; eine externe bzw. ausländische Analyse funktioniert nicht
  2. Japaner können als kulturelles und sozial homogenes Gebilde angesehen werden, deren Kern sich über die Zeit nicht ändert
  3. Die Japaner unterscheiden sich radikal von allen anderen bekannten Völkern hinsichtlich Gesellschaft, Kultur und Sprache
  4. Ausländer sind nicht in der Lage die Essenz der japanischen Kultur und Sprache zu verstehen

Im Folgenden werde ich versuchen die Sachen auseinanderzunehmen.

1) Dieser Punkt ist für mich schwer auseinanderzunehmen. Meiner Meinung nach kann man sehr wohl auch mit Hilfe ausländischer Analyse Japan verstehen. Um genau zu sein ist vermutlich die ausländische Analyse sogar wichtiger als die rein japanische Sichtweise. Der wissenschaftlichen Diskurs der sich mit Japan auseinandersetzt umfasst den kultur- bzw. sozialwissenschaftlichen Bereich — Literaturwissenschaften, Anthropologie, Soziologie, Wirtschaftswissenschaft, Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft etc. und betrachtet Japan von außen. Zum Teil werden diese Kenntnisse in Japan wieder angewandt und/oder auch ins Ausland übernommen.

2) Die homogene Gesellschaft ist ein Mythos, der immer wieder aufkommt. Lange Zeit haben sich ein Großteil der Japaner in Umfragen immer der Mittelschicht zugeordnet (in den 80ern bis zu 90%). Das Problem war allerdings, dass die Frage folgende Antworten zuließ: „oben“, „obere Mitte“, „mittlere Mitte“, „untere Mitte“, „unten“ und „weiß nicht“. Die meisten haben sich der mittleren Mitte oder der unteren Mitte zugeordnet.

Heutzutage gibt es einen großen Diskurs über die kakusa shakai (格差社会) – die ungleiche Gesellschaft. Inzwischen sind Arbeitsplätze nicht mehr so sicher, die prekären Beschäftigungsverhältnisse nehmen zu (Leih- und Zeitarbeit) und immer mehr Haushalte haben Probleme sich zu versorgen. Und die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Ein empfehlenswerter Roman, der in der Unterschicht spielt ist Natsuo Kirinos „Die Umarmung des Todes“ (auf Englisch Out, auf Japanisch アウト).

Aber die „traditionellen Säulen“ des japanischen Beschäftigungssystems Lebensanstellung, Seniorität[1] und Unternehmensgewerkschaften[2] galten auch schon immer nur für etwa ein Drittel der Beschäftigten. Diese waren als Stammarbeiter angestellt und auch zwischen Großunternehmen und den Klein- und Mittelunternehmen gab es große Lohnunterschiede.

Dazu kommt, dass es auch in der japanischen Gesellschaft Minderheiten gibt. Zum einen die Koreaner, die zur Zeit der japanischen Besatzung in Korea nach Japan deportiert worden sind. Dann gibt es eine wachsende chinesische Minderheit. Die Nikkeijin, Japaner, welche von Japanern abstammen, die vor mehreren Generationen ausgewandert sind und nun durch ein Gastarbeiterprogramm wieder nach Japan zurückgekommen sind. In der Regel kommen diese aus Brasilien. Die sehr kleine Minderheit an westlichen Ausländern (die Bekanntesten sind wohl Tsurunen Marutei, ein naturalisierter Finne, der Abgeordneter im Oberhaus ist und Arudou Debito, ein naturalisierter Amerikaner, der ein sehr populäres Blog hat). Die Ainu auf Hokkaidō, die nichts mit dem Rest der Japaner zu tun haben. Ob man die Bewohner von Okinawa als Minderheit ansehen kann, denke ich eher nicht. Aber es gibt definitiv kulturelle Unterschiede und Okinawa gehörte lange Zeit nicht zu Japan und hat auch sehr eigene Bräuche etc.

Auch kulturell gibt es innerhalb des Landes große Unterschiede in den Traditionen, die darauf hinweisen, dass es keine homogene Gesellschaft ist.

3) Unterschied in Gesellschaft und Kultur. Hierauf geh ich nur sehr sehr kurz ein: viel wurde aus China und Korea importiert 😉

Einzigartigkeit der Sprache: Die ursprüngliche Sprache auf Okinawa hat sehr große Ähnlichkeiten mit dem Japanischen. Das Koreanische ist eins-zu-eins übersetzbar und hat aus dem was ich weiß nur eine Höflichkeitsstufe mehr (hatte ein Jahr Intensivkurs plus weiterführenden Unterricht; musste es aber aus Zeitgründen leider aufgeben). Die Lexik – sprich ursprünglich-koreanische und ursprünglich-japanische Wörter unterscheiden sich stark. Das Japanische wird teilweise den altaischen Sprachen zugeordnet. Andere Sprachen, die dem japanischen wohl sehr ähnlich sind, sind mongolisch und türkisch. Die Sprache ist also nicht wirklich einzigartig.

4) Au contraire

Nachdem ich jetzt die Argumente auseinandergenommen habe, die Probleme des Nihonjinron und warum man so schnell in seine Falle tappt, wie ich es beschrieben habe.

Ein großes Problem ist, dass viele Theorien von Japanern selbst vertreten werden. Frei nach dem Motto „Japan ist halt anders“. Auch die Einzigartigkeit und die homogene Gesellschaft werden gerne von Medien und Politikern betont und spiegeln sich dadurch auf die Gesellschaft zurück.

Dadurch, dass diese Theorien so häufig im In- und Ausland wieder aufgebracht werden von Leuten, die sich nicht so intensiv mit Japan auseinandersetzen, hält sich der „Mythos Japan“. Es ist oftmals schnell gesagt „ist halt Japan“ und genau darin liegt das Problem. Nur weil es Japan ist, heißt es noch nicht, dass es einzigartig ist und bei Diskussionen über Kultur geht es sehr schnell in die Richtung. So nebenbei: eine Frage in meiner mündlichen Zwischenprüfung war „Denken Sie, dass die japanische Gesellschaft homogen ist und begründen Sie bitte ihre Antwort.“ Das ist wirklich etwas was vielen „ausgetrieben“ werden muss, da man es dauernd liest bei Leuten, die sich nicht wirklich intensiv mit der Literatur zu Japan auseinandergesetzt haben.

Kurz zusammengefasst: Nihonjinron ist eine nationalistisch geprägter Diskurs, dessen Theorien gerne von Japanern übernommen werden. Diese Theorien sind jedoch nicht korrekt. Leider werden diese Theorien außerhalb Japans oftmals angenommen, gerade weil sie von Japanern vertreten werden. Gleichzeitig ist es einfacher zu sagen „ist halt Japan“, anstatt „tiefer zu forschen“.

Kommentare sind wie immer gern gesehen.

[1] Seniorität beschreibt hier den steigenden Lohn mit zunehmender Dauer der Betriebszugehörigkeit (zurück)

[2] In Japan gibt es nicht wie hier Gewerkschaften, die sich über Industrien erstrecken, sondern die Unternehmen haben ihre eigene Gewerkschaft.

Alle drei Säulen haben übrigens noch ganz interessante Hintergründe, Auswirkungen etc. (zurück)


Yakuza Moon – Ein anderes Japan

Cover von Yakuza MoonShoko Tendo ist aufgewachsen als Kind eines hochrangigen Mitgliedes der Yakuza und hat auch seinen Fall miterlebt. Gleichzeitig kann man in ihrer Autobiographie „Yakuza Moon: Memoirs of a Gangster’s Daughter“ sehr gut sehen, wie sie selber in ein Milieu geraten ist, über das man eher selten liest bzw. dessen Sichtweise man selten findet, wenn man sich mit Japan beschäftigt.
Vom verhätschelten Kind, dass aber auch Gewalt im Familienhaus erfahren musste, zum Mitglied japanischer Jugendgangs, zur drogenabhängigen Hostess, in Beziehungen, die glaub ich niemand als erfahren möchte.
Eins der wenigen Bücher in der letzten Zeit, die ich wirklich verschlungen habe. Stellenweise nicht für zarte Gemüter, da es wirklich gewalttätig zugeht und Tendo ihre eigenen Erfahrungen sehr bildhaft beschreibt. Dazu kommen ein paar sehr schöne Schwarz-Weiß-Fotos aus ihrer Vergangenheit.

Wirklich empfehlenswert. Das Buch hat knapp 200 Seiten und liegt in englischer Übersetzung vor. Bei Amazon kostet es aktuell um die 9€.

Kommentare und Fragen sind wie immer gewünscht.

Yakuza – eigentlich wollte ich nur einen Wikipedia-Artikel korrigieren

Eigentlich wollte ich nur einen Wikipedia-Artikel korrigieren. Aus diversen Gründen lass ich es aber sein. Daher gibt es jetzt hier einen Artikel dazu.

Yakuza ist ein umgangssprachlicher Begriff für die organisierte Kriminalität japanischen Ursprungs. In den Berichten der Polizei wird meiner Erfahrung nach immer von kriminellen Banden (Bōryokudan – 暴力団; wortwörtlich: gewalttätige Organisation) gesprochen. In neueren Veröffentlichungen spricht die Polizei interessanter Weise von „Organisierter Kriminalität“ (Soshiki Hanzai – 組織犯罪), wobei ich aber leider noch nicht rausgefunden habe was der Unterschied ist.
In neueren Veröffentlichungen fasst die Polizei in einem Kapitel inländische und ausländische organisierte Kriminalität (Soshiki Hanzai – 組織犯罪) zusammen. Wobei für die inländische organisierte Kriminalität (also die Yakuza) der Begriff Bōryokudan verwendet wird. Wird über ausländische organisierte Kriminalität geschrieben, wird der Begriff Soshiki Hanzai verwendet.4

Der genaue Ursprung des Begriffs ist unbekannt. Der beliebteste Mythos stammt laut Kaplan1 aus dem Hanafuda (花札), ein japanisches Kartenspiel. Aber auch das scheint nicht 100% richtig, da es eher aus einem Spiel namens Oicho-Kabu (おいちょカブ) kommt, das mit Hanafuda-Karten gespielt wird. Das Spiel ähnelt Blackjack und es geht dabei darum möglichst nahe an die 9 heranzukommen. Ist der Betrag der Zahl auf den Karten größer 9, wird also zweistellig wird die erste Stelle abgeschnitten. 0 Punkte gibt es also für die 10, 20 usw. Die Kartenkombination 8-3-9 ergibt 20 Punkte und ist damit wirklich schlecht.2 Gesprochen wird diese Kombination Ya-Ku-Sa auf Japanisch.3
Diese Kombination wurde wohl von den früheren Glücksspielern als Begriff für etwas Nutzloses genommen und irgendwann wurde der Begriff für die Banden benutzt, welche das Glücksspiel organisiert haben. Diese Banden waren die Bakuto, eine der beiden Ursprungsgruppen der modernen Yakuza.
Die andere Ursprungsgruppe waren Tekiya, fahrende Händler, die auf Märkten u.ä. Stände aufstellten und einen eher schlechten Ruf hatten (z.B. wegen geringer Qualität der gehandelten Waren)

Als letztes noch etwas zu Tätowierungen. Der Ursprung liegt wohl darin, dass Tätowierungen ursprünglich als eine Art Brandmal genutzt worden sind. Die Kriminellen wurde ein schwarzer Ring um einen Arm tätowiert.
Laut Kaplan wurde in einem chinesischem Text aus dem dritten Jahrhundert erwähnt, dass in Japan Oberkörper und Gesicht tätowiert worden sind. Mit der Zeit sind diese komplexer geworden und die Motive waren Götter, Volkshelden, Tiere etc. Im späten 17. Jahrhundert sind diese dann populär geworden bei Menschen, die viel mit freiem Oberkörper gearbeitet haben, wie auch u.a. die oben erwähnten Mitglieder der Glücksspielbanden.

Kommentare und Fragen sind wie immer gern gesehen. Evtl. werde ich in Zukunft mehr über kriminelle Organisationen in Japan schreiben.

[1] Kaplan, David E.; Dubro, Alec (2003). Yakuza: Japan’s Criminal Underworld Expanded Edition. University of California Press. Berkeley; Los Angeles.
[2] Die Spielregeln auf Englisch gibt es hier: http://hanafubuki.org/oichokabu.html
[3] Wie es zur Lautverschiebung von Sa zu Za gekommen ist, weiß ich leider nicht.
[4] Weißbuch der National Police Agency von 2008 (Japanisch)

Altersdiskriminierung und Grammatikbücher

Die letzten zwei Wochen habe ich relativ viel an einer Hausarbeit gearbeitet und hatte deswegen keine Zeit was für’s Blog zu schreiben. Es ging um gesetzliche Maßnahmen gegen Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt und wie Japan so im internationalen Vergleich dasteht. Um’s kurz zu machen: ziemlich schlecht. Es gibt nur ein Gesetz, dass aussagt, dass man Bei Stellenausschreibungen und Anwerbung nicht auf Basis des Alters diskriminieren darf und das Pflichtverrentungsalter wurde angehoben. Und bei letzterem haben die Firmen schon in der Vergangenheit gezeigt, welche Methode sie haben um das Ganze zu umgehen. In anderen Ländern sind die entsprechenden Gesetze eher mit nem menschenrechtlichen Ansatz versehen: Diskriminierung ist grundsätzlich schlecht, auch auf Basis des Alters (egal ob jungen oder älteren Menschen gegenüber).
Na ja, mal schauen was es wird. Wer Interesse hat, kann ja nen Kommentar hinterlassen, dann mail ich ihm die Arbeit zu.

yoku_wakaru_bunpouAch ja, und dann gibt’s da noch ne Sache. Ich hab mir vor Jahren ein Buch gekauft mit dem Titel „よくわかる文法“ (Grammatik leicht verständlich) und dachte, dass es nicht schlecht wäre ein Buch auf Japanisch zu haben, dass Grammatik erklärt. Damals dachte ich, dass es für Ausländer sei, die in Japan Japanisch lernen. Aber das Buch war mir damals zu schwer und ich dachte, dass es wohl eher für nen höheren Level ist. Heute hab ich das Buch mal wieder rausgekramt und irgendwo am Anfang aufgeschlagen. Und was muss ich da lesen?
„Grammatik ist für Leute, die Japanisch lernen und keine Muttersprachler sind, nicht so einfach. Selbst muttersprachliche Erstklässler haben am Anfang eine großes Grammatikwissen.“ Dann kommt ein kleiner Textabschnitt und es wird ein Satz herausgenommen:
„おじさんは、とってもりっぱなかさをもっていました。“ (Der Onkel hat einen ganz tollen Regenschirm gehabt).
„Der Kommentar dazu: Der Text hat wenige Kanji (chinesische Schriftzeichen) aber selbst die Grammatik dieses Satz ist schwer. Leute, die Japanisch als Fremdsprache lernen müssen bereits über 50 Stunden Japanisch gelernt haben um die Grammatik dieses Satzes zu verstehen.“ (keine wortwörtlichen Übersetzungen und dazu auch noch zusammengefasst)

Da hab ich mich wohl damals beim Buchkauf etwas getäuscht und hätte vielleicht keinen Impulskauf tätigen sollen. Schon auf dem Buchtitel steht, dass das Buch für nen Test ist, für Leute, die Japanisch als Fremdsprache unterrichten wollen. D’oh
Na ja, inzwischen versteh ich das was die so schreiben ganz gut, vielleicht ist ja auch neue Grammatik bei. Und wenn ich Glück hab nehm ich sogar was mit, wenn es mal dazu kommen sollte, dass ich selber Japanischunterricht gebe.

Für Anmerkungen und Fragen bin ich immer offen und freue mich über jeden Kommentar 🙂