Japanische Pop-Bands mit traditionellen Instrumenten

Heute habe ich durch Zufall die Band 和楽器バンド(Wagakki Bando / Band mit traditionell japanischen Instrumenten) entdeckt und folgendes Video auf Twitter geteilt:

Daraufhin kam von @SerAlliser folgender Tweet

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Kommentar zu WR382 Frau Diener verreist nach Tokio

Holgi hat mit Frau Diener über ihre Reisen im Rahmen ihrer journalistischen Arbeit nach Kyushu und Tokyo geredet. Ich habe dazu einen kürzeren und längeren Kommentar geschrieben:

1) Ehm…Der Shogun (also die Tokugawa-Familie) hatte seinen Sitz in Edo (später Tokyo). Der Kaiser hatte seinen Sitz in Kyoto. Der Umzug der Hauptstadt erfolgte nachdem der Shogun seine Macht verloren hatte. Man wollte zum einen die Ländereien des Shoguns übernehmen und Edo war nun mal die “wirkliche” politische Hauptstadt. Daher wurde der Sitz des Hofs nach Edo verlegt, der Kaiser nahm seinen Platz im Palast des Shoguns (der heutige kaiserliche Palast) ein und die Stadt wurde von Edo in Tokyo (östliche Hauptstadt) umbenannt.

2) Ich hatte ja schon kurze Kommentare vorher abgegeben, jetzt hab ich die Folge komplett durchgehört und habe da ein paar Kommentare und werde chronologisch vorgehen. Kurzer Disclaimer: ich habe vor 10 Jahren für ein halbes Jahr Working Holiday gemacht und in einer japanischen Gastfamilie gelebt und bin Langzeitstudent der Japanologie.
Aber allem voran kurz das Thema Harmonie (ich werde da gegebenenfalls von Wa, dem jap. Begriff schreiben). Ich kauf das nicht mehr. Es ist eine schöne simple Erklärung für komplexe Sachverhalte. Und was wissen wir über schöne simple Erklärungen für komplexe Sachverhalte? In der Regel sind sie Mist.

Thema Aufarbeitung der Kriegsschuld. Ich bin auch lange davon ausgegangen, dass das was mit Scham und über schamvolle Dinge redet man nicht zu tun hat, aber inzwischen würde ich eine andere These haben. Im Gegensatz zu Deutschland lief die “Entnazifizierung” etwas anders ab. Nachdem Japan verloren hatte wollte MacArthur (der General, der die Besatzung leitete) eine Art Schweiz Ostasiens aus Japan machen. Dabei wurden auch die ganzen rechten Kräfte entfernt und linke eingesetzt. Dann gewann Mao den Bürgerkrieg in China und auf einmal gab es eine 180°-Wende. Aus der Schweiz Ostasiens musste ein antikommunistischer Schutzwall werden. Die linken Kräfte wurden wieder entfernt und dafür die rechten von vorher eingesetzt. Die hatten schließlich auch ein Problem mit den Kommunisten. Und die rechtskonservativen waren in Japan immer recht stark und kümmerten sich auch gerade in den “wichtigen” Bereichen um ihre Interessen. Während die Lehrer so eine richtig linke Bastion ist, scheint das nicht der Fall zu sein im Bereich Schulbuchfreigabe und Lehrplänen. Die Lehrpläne behandeln meines Wissens nach im Gegensatz zu Deutschland den 2. WK nur sehr gering. In Deutschland hatte ich das gefühlt ein Dutzend Mal bis zum Abitur. In Japan muss (da bin ich nicht ganz faktenstark ehrlich gesagt) das wohl eher so mal eine Woche vor den Sommerferien sein und fertig. Zu wenig Zeit um das Thema zu behandeln. Dazu kommt das die Lehrbücher das alles wohl recht gekürzt wiedergeben. Außer es kommt mal wieder zu einer Schulbuchkontroverse weil eine sehr rechte Gruppierung ihr Lehrbuch genehmigt bekommen hat und darin Geschichtsrevision betrieben wird. Das Lehrbuch wird zwar dann nur an einer Schule o.ä. eingesetzt, gibt aber trotzdem immer wieder Knatsch mit den Nachbarn. Kein Wunder: überlegt mal ein Verein nahe der NPD würde ein Geschichtsbuch für den Unterricht in der Sekundarstufe 1 zugelassen bekommen.

Zum Nagasaki-Atombombenmuseum und keine Aufarbeitung der Kriegsschuld hatte mich interessiert wer wohl dahintersteht und deswegen griff ich mal zu Google. Ich fand nur ein Nagasaki Friedensmuseum was genau eben jenes zu sein scheint und das hat wohl eine extra Ecke zum Thema Untaten Japans im 2. WK. Ich war nie da, aber ist es evtl. ein Teil gewesen, der nicht wirklich auf Englisch umgesetzt wurde? Anekdotische Evidenz: Heute bin ich im Verkehr- und Technikmuseum gewesen: im Bereich Züge gab es auf Englisch eine Tafel an der ich fast vorbeigelaufen wäre zum Thema die Bahn und der 2. WK. Auf Deutsch gab es da eine Reihe zum Thema Judenvernichtung und deutsche Reichsbahn. Die Fotos waren aber nicht sehr aussagekräftig wenn man nicht wusste was da stand. Nur so als Idee.

Fukushima, Gesicht verlieren, Harmonie: da hat eher niemand was gesagt weil TEPCO (Tokyo Electric Power Co) ein Verbrecherverein ist und vermutlich auch entsprechende Politiker zu tief drin hängen. Das Blog japansubculture.com von u.a. Jake Adelstein, ein US-Amerikaner, der lange in Japan lebte und für den japanischen Teil der größten Tageszeitung lange gearbeitet hat und Autor von Tokyo Vice, hat da ne Menge drüber geschrieben.

Das mit den nicht “nein” sagen können ist einfach Kultursache. Da steigt man irgendwann hinter.

Tokyo ist nicht in der Mitte Japans sondern ziemlich im Osten von Honshu. Durch die Mitte von Honshu läuft ne fette Gebirgskette (die auch der Grund für den wenigen Schnee in Tokyo ist; dafür gibt’s in Westjapan massig Schnee).

Onsen ist nicht das “Bad”, sondern es sind heiße Quellen. Das mit dem vorher abduschen ist eigentlich ganz angenehm. Dafür wird das Wasser halt nicht zugechlort.
Der Yukata ist ein lockerer Sommerkimono, ist halt traditionelle Freizeitkleidung. Wird auch gerne bei Feuerwerken im Sommer getragen.

Kein Koffein: Grüner Tee hat doch Koffein. Und es gibt ja auch noch warmen Dosenkaffee? Man kann halt nicht erwarten, dass es überall den gleichen Kram wie zu Hause gibt 😉

Japanisches Frühstück ist toll. Natto ist aber einfach nur widerlich. Ich hab’s nur mal in nem Maki (Sushi) probiert, weil dafür mein Gegenüber versprach Milchreis zu probieren. Damit kann man Japaner jagen.

Japanische Badezimmer sind ein wenig anders. Ich hab nur ein paar Wohnungen gesehen und nie ein Hotelzimmer. Bei den Wohnungen mit Platz gab es eine große Nasszelle. Das war ein komplett gekachelter Raum, der auch eine Duschbrause hatte und da hat man sich abgeduscht. Daneben gab’s einen extra Raum mit dem Ofuro (der Badewanne). Dadrin war immer sehr warmes Wasser, dass auch von der kompletten Familie genutzt wurde. Nichts ist toller als nach nem Arbeitstag sich vor dem Bett zu duschen und dann nochmal ins Ofuro zu steigen. Leider konnte ich nie meine Gewohnheit ablegen morgens duschen zu müssen. Daher duschte ich dann zweimal am Tag… In Wohnungen mit wenig Platz, die dann auch nur für eine Person gedacht waren gab es nur eine Wanne. Dadrin hat man geduscht und dann sich das Wasser für das Ofuro eingelassen. Ist vermutlich in Hotels ähnlich.

Eine Fahrt mit dem Shinkansen ist in der Regel sogar teurer als ein Inlandsflug. Ist aber geiler.

Toiletten: nie nen Plumpsklo gesehen in Japan? Die waren sehr gewöhnungsbedürftig und ich hab auch ranzige Toiletten gesehen. Bei meiner Gastfamilie gab’s nen beheizten Klositz. Die berühmten High Tech-Toiletten hab ich nur selten gesehen. Aber ich hatte auch nicht wirklich Geld und bin deswegen nie irgendwohin gegangen wo es sowas gab. Selbst in der Kneipe/Restaurant in dem ich arbeitete gab’s das nicht.

Schuhwechsel an jedem Restaurant? Das hab ich exakt einmal gesehen und das war übelst teuer und hätte ich mir nie alleine leisten können. War übrigens ein Tofu-Restaurant und auch wenn ich kein großer Tofu-Fan bin, das war großartig und ich habe mich in Yuba verliebt (so ne Art Tofu-Haut). Die hab ich aber nie außerhalb Japans gefunden 🙁

Die Sache mit der Musik bei den Toiletten. Es gehört sich nicht, dass man bei Frauen den Pinkelstrahl zu hören bekommt. Daher haben sie immer die Spülung betätigt, wenn sie auf Klo waren. Zwecks Wassersparens wurde dann erst die Imitation des Wasserspülgeräuschs und später die Musik eingeführt. Bei Männern ist das übrigens egal.

Japan ist ne Insel und es gab nie Einflüsse. Ja, nein, stimm ich auch ungern zu. Ja, Japan ist nen Inselstaat der lange isoliert war und man kann sicherlich irgendwie Eigenheiten darauf zurückführen, insbesondere die Xenophobie. Aber auch die ist das größte Problem an der Sache. Einflüsse gab es immer, selbst in der Phase des Komplettabschlusses wurden Dinge aus China und Korea aufgenommen. Später in der Meiji-Zeit, der Industrialisierung durch die Europäer und nach dem zweiten Weltkrieg gab es eine massiver Amerikanisierung. Und diese Einflüsse spiegeln sich überall wieder: in der Architektur, den Religionen, der Mode, Sprache usw usw usw.

Ja, an kawaii kann man eingehen. Oder man gewöhnt sich dran und macht es irgendwann in Maßen selber mit 😉

Tokyo ist seit Ewigkeiten mehrsprachlich was Beschilderung angeht. Aber man muss nur ein wenig rausfahren und schon ändert sich das. Und die verbalen Englischkenntnisse in Japan sind eher gering. Liegt übrigens daran, dass man in Japan Englisch in der Schule durch’s Übersetzen beibringt und wir es durch Konversation lernen.

Es gibt Tagestickets? Seit wann das denn? Ich hatte von meinem Job nen Monatsticket und das galt exakt für die Strecke auf der ich gefahren bin. Ansonstne zieht man halt ein Ticket und zahlt für exakt die Strecke. Und Öffis waren echt teuer. Außer man ist vielleicht im Ring geblieben. Aber da fährt man ja auch kaum Stationen und berechnet wird immer von der günstigsten Strecke.

Blade Runner: Tokyo war in den 80ern wie man sich die Stadt der Zukunft vorgestellt hat. Da war Japan ja auch echt groß und weit voraus (außer bei den Computern, aber das ist eine andere Geschichte). Einmal nachts auf die Hauptstraße von Shinjuku und man findet sich in den Dark Wave- und Cyberpunkromanen der 80er und Anfang der 90er wieder.

Okonomiyaki ist nicht Omelett, sondern Pfannkuchen in den Kohl eingebacken wird. Da kommt dann noch Kram drauf, je nach Region ein Spiegelei, Okonomiyakisauce und japanische Majo und es schmeckt. Vielleicht muss ich dich mal zum Essen einladen, wenn wir zu Hause Okonomiyaki machen 😉
Das ist übrigens ein Essen was man bei Feuerwerken oder anderen Veranstaltungen mit Fressbuden isst oder z.B. in der Kneipe wenn man mit seinen Freunden/Kollegen was trinken geht. Oder man macht es halt zu Hause. Die Seite sieht ganz gut aus in Sachen Okonomiyaki: http://okonomiyakiworld.com/best-okonomiyaki-recipe.html. Im Vinh Loi (http://www.vinhloi.de/store/) bekommst du in Berlin auch die Zutaten.

Was isst der Japaner generell: Fisch und Reis natürlich. Die Fischtheken sind dort wie hier die Wurst/Fleischtheken und das Fleischangebot ist dort, wie hier das Fischangebot (in Berlin). So als grober Vergleich. Man kommt in der Regel mit sechs “Gewürzen” aus: Sojasauce, Mirin (süßer Kochreiswein), Sake und Zucker. Dazu kommt noch helles und dunkles Miso, eine Bohnenpaste. Je nach Verhältnis gibt es andere Saucen. Das ganze dann auf Reis mit Fisch/Fleisch (eher Geflügel als Rind und Schwein) und Gemüse. Dazu kommen Nabemono im Winter, das sind eine Art Eintopf, die man am Tisch kocht. Dann gibt es noch japanische Curry, mein Lieblingsessen, Nudelsuppe und auch Junk Food wie McDonald’s. Es gibt natürlich noch viel mehr und sehr schöne regionale Küchen.

Sushi ist übrigens eigentlich Fast Food, inzwischen halt nur veredelt. Aber es begann sein Leben als Fast Food.

Wenn du mal den guten Thunfisch haben willst, gehst du zu einem guten Sushiladen, in Berlin empfehle ich das Sasaya oder auch inzwischen wieder das Isshin und bestellst Toro. Maguro ist der Standard, Toro ist der geile Kram – ist aber auch teurer.

Tokyo und Zentralismus: Tokyo ist das Zentrum seit der Tokugawa-Zeit, also seit Anfang des 17. Jh. Und Tokugawa Ieyasu, der Macht habende Shogun ab 1603, hatte mit seinen Maßnahmen die Daimyo (Kriegsherren) zu kontrollieren auch massiv dafür gesorgt, dass alle Wege nach Tokyo führen.

Wie oben erwähnt gibt es viele regionale Küchen. Das rohe Pferdefleisch könnte eine regionale Spezialität sein. Äppelwein bekommst du ja auch nicht wirklich gut in Berlin (so als Beispiel).

Die Sache mit ab 40 hat der gemeine Salariman keinen Bock mehr nach Hause zu gehen: na ja, man geht halt erst nach dem Chef in der Regel. Und dann geht man vielleicht noch was trinken mit den Kollegen. Freitags ist das sowieso die Regel, dass man mit den Kollegen und dem direkten Vorgesetztem was trinken geht. Unter Alkoholeinfluss (auch wenn der gar nicht so stark ist) darf man dann auch mal seinen Chef ankacken und niemand nimmt es einem übel. Finde ich eigentlich ne gute Sache. Aber so krass ist das heute auch alles nicht mehr. Vom neuen japanischen Mann der sich mehr um die Familie kümmert, Urlaub haben will und eine bessere Work-Life-Balance anstrebt, reden wir bestimmt schon seit 10 – 15 Jahren, eher länger.

Pachinko ist Volksbelustigung. Ich versteh es auch nicht. Aber ich habe sogar Familien gesehen, wo das ein Familienausflug am Wochenende waren. Die Eltern sind zum Pachinko gegangen und die Kinder in das Game Center (Arcade, Videospielhalle) nebenan. Ich persönlich kannte niemanden der wirklich Pachinko spielen gegangen ist. Eine Bekannte hat’s mir mal gezeigt, aber das war es auch.

Pro-Nordkoreahaltung von Koreanern in Japan: aaaalso. Die Koreaner, die heute in Japan leben stammen in der Regel von den Zwangsarbeitern ab, die nach Japan zur Zeit der Besetzung Koreas geschifft wurden und nach dem zweiten Weltkrieg nicht zurückgekehrt sind. Wie wir wissen war der Süden mit den USA und damit auch mit Japan verbündet und der Norden mit der anderen Seite. Als sich dann die Teilung herauskristallisiert hatte, konnten die Koreaner in Japan wählen, ob sie Nord- oder Südkoreaner werden. Da sie aber gegen Japan waren, trotz dessen dass sie dageblieben waren, waren sie auch gegen Südkorea und damit für Nordkorea. Außerdem haben sie da ggf. auch Verwandtschaft. Die Einnahmen aus dem Pachinko gehen dann auch nicht unbedingt direkt an das nordkoreanische Regime, sondern schon an Verwandtschaft in Nordkorea. Bei dem Geldversand wird dann natürlich auch was eingestrichen. Ich habe so ne Zahl vom 2/3 des nordkoreanischen BIPs kommt von Nordkoreanern in Japan (und zu großen Teilen aus Pachinkohallen kommt von Nordkoreanern in Japan (und zu großen Teilen aus Pachinkohallen)). Ich weiß jetzt aber nicht genau, ob die Zahl so exakt ist. Zum Leben der Koreaner in Japan und den Schikanen denen sie so ausgesetzt sind, empfehle ich wärmstens den Film Go (http://www.imdb.com/title/tt0299937/?ref_=fn_al_tt_2). Großartiger Film.

Wie teuer ist Tokyo: Vor 10 Jahren hieß es, dass man als Tourist 25-30€/Tag + Hotel rechnen sollte.

Japan State Secret Law im Blue Moon

Am 02.01.2014 hab ich bei Marcus Richter aka Monoxyd im Blue Moon mit freier Themenwahl angerufen und über das neue Gesetz zu Staatsgeheimnissen in Japan gesprochen.

Den Blue Moon gibt es hier zum Download. Ich bin gleich der erste Anrufer.

Jahresrückblick 2013

Hm, Jahresrückblicke. Ich hab ja das große Problem, dass ich teilweise wirklich ein Problem damit habe, was wann geschah und gerne Dinge zeitlich durcheinander werfe. Da denkt man sich, dass das alles ganz kurz zurück liegt und dann ist schon viel länger her und andere Dinge fühlen sich so weit weg an und dann ist das gerade erst ein paar Monate her.

TL;DR:

Ergo: alles nicht so schön.

NSA

Versuche ich trotzdem mal meine Gedanken zum Jahr 2013 in Worte zu fassen. Das große Thema war wohl die Sache mit der NSA, die immer noch weiterläuft. Aktueller Stand in meinem Kopf ist, dass sie alles und jeden abhören können, erstmal mitschneiden, wie der GMail-Bot scannen und evtl. mehr Interesse an der eigenen Person äußern. Wer dieses und jenes kommuniziert hat, begeht auch häufiger einen Anschlag. Und die „westliche“ Geheimdienstgemeinde teilt sich ihr Wissen auch.

Was bedeutet das für mich? Wenn ich kommuniziere, kann ich davon ausgehen, dass zumindest die USA, wenn nicht auch andere Nachrichtendienste inkl. deutscher zumindest erstmal abgreifen. Hat sich dadurch meine Kommunikation geändert? Nicht wirklich. Ich hab’s versucht mit SSL-Everywhere, aber das funktioniert nicht im Safari und auch nicht unter iOS. PGP-Signaturen sehe ich immer noch selten und Jabber nutz ich eh wenig, wobei dann häufiger mal mit OTR. Mein Dropbox-Nutzungsverhalten hat sich auch nicht geändert und ich nutze weiterhin OS X. Also nein. Keine Änderung.

Es gibt nur ein allgemeines Gefühl von Ohnmacht und wenn mich jemand zur Thematik fragt und was sie oder er machen soll, antworte ich: Verschlüsselung ist grundsätzlich gut. Damit kann man zumindest den Hacker aus Kleinkleckersdorf in der Regel abhalten. Wenn du Angst vor einem Nachrichtendienst hast, hast du noch ganz andere Probleme und du würdest vermutlich nicht mit dieser Frage zu mir kommen. Gegen einen Nachrichtendienst kann man sich als einzelne Person nur begrenzt verteidigen. Und digitales Leben wird dann sehr kompliziert.

Linux

Im Zuge der ganzen Sache, habe ich mir aber wieder mehr Gedanken über Linux gemacht. Als Tante 30 Tage mit OS X gelebt hat (Podcast-Feed), habe ich versucht mit Linux für einen begrenzten Zeitraum zu leben und habe darüber gepodcastet (Folgen 8-11). In meinem Job habe ich auch einen Linuxversuch gestartet. Beide Versuche sind gescheitert. Am Laptop lag es daran, dass ich von einem USB-Stick lebte. Der erste war zu klein und zu langsam, der zweite war viel zu langsam. Im Job war Linux in der VM und Windows das Host-OS. Am Ende hängt man dann doch wieder hauptsächlich im Host-OS rum.

Am Ende muss ich aber sagen, dass das Leben mit Linux ginge. So viel zu vermissen gäbe es auch nicht. OS X ist schicker, aber wenn mir mein MacBook Air irreparabel kaputt gehen würde und ich nicht mal ansatzweise eine Finanzierungsmöglichkeit sehen würde für ein neues Gerät, könnte ich zu Linux wechseln ohne allzu großes Gejammer. In meinem Job könnte ich vermutlich auch zu Linux wechseln und die Fachanwendungen einfach in ner VM laufen lassen.

Das einzige was ich vermutlich so richtig vermissen würde, wäre OmniFocus, OpenEmu und BibDesk.

Außerdem hatte ich für nen Monat oder zwei eine Kommandozeilenphase. Da habe ich mich mit tmux, mutt, ttytter und Texapp auseinandergesetzt. Und alles funktionierte erstaunlich gut. Da war die Haupterkenntnis am Schluss, dass auch ein Leben mit Linux wirlich gut ginge. Aber nur in der Shell leben geht leider für mich nicht so ohne weiteres. Obwohl mit einem extra Gerät für PDFs das vermutlich schon wieder ginge. Aus früheren Zeiten weiß ich, dass ich auf einem recht schwachbrüstigem Gerät (ein Toshiba Libretto L1) auch Videos auf’m Framebuffer schauen konnte. Was wiederum heißt, dass ich auch mit sehr kleinem Geldbeutel notfalls arbeiten könnte und mir mal wieder bewusst gemacht hat, was für ein Luxus eigentlich so ein MacBook Air ist. Ab und zu schau ich schon mit ein wenig Neid auf Thinkpads. Die sind einfach so viel besser zu warten.

Apple

Allgemein hat sich eh mein Verhältnis zu Apple mal wieder verschlechtert. Mein MacBook Air von Oktober 2008 hat sich mit einem RAM-Fehler verabschiedet. Und so konnte ich einen Laptop, den ich normalerweise für 15€ hätte reparieren können in die Tonne treten. Oder in meinem Fall sogar noch auf ebay verscherbeln. Ein sehr unschönes Gefühl, wenn sich ein 1000+€-Gerät so verabschiedet. Ich drücke beide Daumen, dass mein aktuelles MacBook Air lange hält. Und dann stand der Kauf von neuen iPhones an. Das alte 3GS hat eine kaputte Scheibe und vibriert ohne Ende wenn der Mute-Schalter gedrückt ist. Mal abgesehen davon, dass nur noch iOS6 funktioniert. Und wenn man sich mal bewusst wird, wieviel so ein neues iPhone kostet, überlegt man sich das doch dreimal, ob iOS das wirklich wert ist und ob man es braucht, vor allem wenn der Monat häufiger doch noch ein paar Tage hat, wenn das Geld all ist. Aber zum Glück arbeite ich jetzt Vollzeit. Damit wird zumindest das 3GS ein 5S und das 4S bleibt noch ein Jahr in Betrieb. Aber ein schaler Geschmack bleibt. Vor allem, wenn man sich die Preise von nem Nexus ansieht, was in einer ähnlichen Klasse spielt. Aber da hat man dann keine Software für und hängt an Google.

Das war es in Sachen Technik denke ich.

Bundestagswahl

Was gab es noch? In Sachen Politik gab es die Wahl zum Bundestag. Meiner Meinung nach sehr enttäuschend. Auch wenn die Piraten sich selbst zerlegt haben, hatte ich doch gehofft, dass sie gerade so die 5% reißen. Dass die AfD fast 5% erreicht hat, ist erschreckend. Aber sie haben sich vermutlich gut verkauft und von Gesprächen, scheinen viele nicht die rechten Untertöne gehört zu haben. Die FDP ist raus, das ist gut. Aber die kommen vermutlich wieder. Schwarz-Rot ist nicht unerwartet. Eine alleinige Regierung durch die CDU hätte ich besser gefunden. Dann hätten sie keine Ausreden mehr gehabt. Schwarz-Grün wäre ganz schön gewesen, damit viele der Grün-Wähler endlich mal mitbekommen, wie konservativ die Grünen und auch sie selber sind. Und Rot-Rot-Grün wäre grandios gewesen, aber nun ja. Mit der Linken will ja niemand. Tja, wenn alles gut läuft, passiert vier Jahre nichts. Wenn alles schlecht läuft, haben wir am Schluss Vorratsdatenspeicherung mit entsprechender Verfassungsänderung, keinerlei Netzneutralität und weitere arge Einschnitte im Sozialwesen. Die Reihenfolge sagt nichts über die Wichtigkeit dieser drei Dinge aus.

Japan

Zum Thema Japan fällt mir nur ein, dass wir eine relativ rechte Regierung haben, die für mehr Militär ist und ein Gesetz eingeführt hat, dass Whistleblower bis zu zehn Jahre in den Knast bringen kann und Journalisten, die entsprechendes Verhalten motivieren bis zu fünf. Vermutet wird, dass es zur Vertuschung von Skandalen eingesetzt werden wird. Außerdem findet der aktuelle Premier die Geschichtsschreibung nicht so pralle und will da vermutlich Änderungen in den Büchern vornehmen lassen. Den Yasukuni-Schrein besucht er auch. Wen wundert’s.

China hat dazu eine Luftverteidigungszone über dem Ostchinesischem Meer ausgerufen aufgrund der Senkaku/Diaoyu-Inseln. Ist jetzt nicht so gut.

Und dann gibt’s da noch die Abenomics. Ein Versuch der Regierung zusammen mit der japanischen Zentralbank (ab hier BoJ) die Nachfrageseite der Wirtschaft anzukurbeln. Zurzeit sieht es meines Wissens nach ganz gut für die Wirtschaft aus, dafür hat die Sparrate gelitten. Aber das ist ja auch kein Wunder, wenn die Nachfrageseite angekurbelt wird. Nächstes Jahr werden wir sehen, wie gut die Abenomics wirklich funktionieren. Ich bin gespannt. Auch im Rahmen der Auswirkungen auf die Bevölkerung.

Nordkorea

In Nordkorea wurde der Onkel Jang Song-Thaek von Kim Jong-Un zum Putschist erklärt und relativ fix exekutiert. Er war die Nummer Zwei im Staat und wenn ich es richtig verstanden habe, ein wichtiger Kontaktpunkt zu China. Seine Verbündeten erleiden das gleiche Schicksal, so wie es aussieht. Aber die Auswirkungen sind nicht so drastisch wie man erwartet. Also nicht ganz so viele Tote. Die Lage könnte sich trotzdem destabilisieren und wenn die Verbindung zu China schlechter wird ist das auch kein gutes Zeichen. Außerdem hat Amnesty International berichtet, dass ausgehend von aktuellen Satellitenbildern Lager für politische Gefangene vergrößert werden. Also alles in allem sieht es nach einer Verschlechterung der Lage in Nordkorea aus.

Mehr Themen fallen mir spontan nicht ein, aber sicher ist noch mehr passiert 2013. Aber an sich kein schönes Jahr in allen Bereichen, die mich interessieren. Vielleicht wird 2014 besser.

Ein wenig Japan im Blue Moon

Ich hab gestern beim Wochenrückblicks-Blue Moon von Holgi angerufen und ein wenig über meine zu schreibende Magisterarbeit, Japan und meinen dortigen Aufenthalt erzählt.
Wen’s interessiert: hier lang, so lang es noch nicht depubliziert ist (ich vermute mal, dass das passieren wird). Die Shownotes finden sich hier.

Some comments about Japan and the latest Newz of the World

In the latest Newz of the World Bicyclemark and Tim Pritlove talked about Japan and that people are having less sex because of an article in the Washington Post.
Being me I had to comment about some of the things they said. For completeness I am posting my comment which is awaiting moderation at this moment here as well. I am grateful for any comment which shows problems in my statements since this is some stuff I didn’t look into in some time but have to for my final examinations (in 6 – 9 months).

My comment:

Even though applied social sciences is not my specialities in regards to Japan but more the political and economical side, I have to comment on some of the statements made about Japan 😉

1) Japan is crowded and it is not bad if the population gets reduced.
The problem is that with a decreasing population your work force decreases. Since the pension system is a pay-as-you-go-system you have a real problem in financing the pensions. Especially with the baby boomers leaving the work force soon. The increase in total factor productivity is just not high enough to finance these pensions when the labor force continues to decrease. Yes it is crowded (120 million people in a country with the size of Germany but inhabitable is only a third of it). But at least the pension system just can’t afford it (and I am still wondering what happens to China in regards to that). There are discussions to invite more immigrants to counter the demographic change or to find a way that women get faster back into the labor force again (or do not leave it in the first place).

2) For sex they are going usually into love hotels because you are living usually in one room and the walls are thin.
a) Young people tend to go to love hotels because walls are thin and well you don’t want that your parents could hear you. In addition it is still not really socially acceptable that a boy and a girl are together at home in one room. A boy meeting a girl alone already means that they usually have to have a date.
Or you have parents who want to have some time together, people with affairs, prostitution (even though that one is kinda forbidden) etc. Love hotels have themed rooms which you won’t get in a normal hotel.
b) People do not always live together in one room. Normal apartments have several rooms and a lot of people even have a house with two levels. The rooms are usually smaller but that is balanced out with practical furniture (closets in the wall, the futon which you can put away into the closet when you are not sleeping etc. – but beds are becoming more popular)
Anecdote: When I lived in Japan I didn’t know a lot of people with only one room – and they usually lived alone, didn’t have a lot of money or lived in very very expensive areas. Oh wait, the same accounts for people in Germany with one-room-apartments. In my case I lived with a Japanese family (mother, daughter, grandmother, another foreigner and me). The grandmother, the other foreigner and me had all our own rooms. The mother and the daughter slept in the living/dining room. Since we all used futon, you didn’t see on the day anything that the living/dining room was used for sleeping. Rooms were all small but not uncomfortable. And don’t forget that you can always go up in terms of height of buildings even in countries with a lot of earthquakes.

3) Maid bars are aimed at business men.
Ehm, no. Usually they are aimed at Otakus, nerds. Yes, there are otakus who are also business men, but the target group are more or less nerds.
Targeted at business men are hostess clubs. There you pay a lot of money to talk with a pretty looking woman which lets you feel that you are the king (and they usually do not serve to foreigners…I knew someone who was a waiter in such a club, so I got some anecdotal evidence about that). But foreigners usually wouldn’t probably also do not pay for that service. You pay around $100 per hour to talk with a woman plus drinks etc. Only in the cheap clubs you might have a chance to go with a woman to a love hotel after the club is closed if you pay extra (don’t forget prostitution is forbidden in Japan…but there are also loop holes).

4) You never get an apartment with room mates
Yes and no. It is not as common as here but it is getting more common. I even knew someone who lived with a roommate together in a one-room-apartment.
But there are guest houses in bigger cities which essentially work like living in an apartment with roommates. Everyone has his/her own room. There are usually shared bath rooms and maybe shared kitchens.

5) You live at home or alone
Problem 1) Having an own apartment is really expensive. You pay 3 months of rent as kind of a gift to the land lord and there is an additional 3 months deposit. Thus you do not leave home if it is not necessary (my favorite phenomenon in that regard are the parasite singles). Btw. this is different with guest houses. There is the “gift” not involved and the deposit is far lower.
Problem 2) As a couple you do not live together before you didn’t marry because it is socially not acceptable. So again a problem there with leaving home (oh and getting children; btw. abortions are in Japan afaik more “popular” as in the US or in Europe. Iirc one reason is that there is no Christian background to condemn it and Shinto and Buddhism both don’t really condemn it iirc. But this is something from far deep in the back of my head I wouldn’t swear on.)

In addition besides of students or people who studied (or expats) I actually did not yet learn so many people to know here as well who share an apartment. Even with students it seems to decrease in Germany and people seem to tend to live longer at home since the change to a Bachelor/Master-system here. And the Japanese I learned to know here who are doing working holidays
are often sharing an apartment with others 😉

5) There was something in the podcast also about women and the labor force in Japan but I just can’t find it right now.
Women usually are expected to leave the labor force when they are getting children. It is even getting so far that when people are marrying that the company will try to convince the woman to leave the company because she has now to take care of the household and has to get babies. Women who do not want that do not marry and it is hard for women to marry after 30. In the past there was this great metaphor for the christmas cake (which you eat on christmas which is there more like a party with friends and new years eve is the family thing) which gets bad after the 25th of December. Meaning that women have problems finding a men when they are than 25. Nowadays you talk about the New Years cake (which gets bad after the 31st).
In addition things like kindergardens have usually chronically bad opening times for people who work. And since flexible time programs are usually not existent (and which would solve also this overcrowded train-problem in the rush hour), you just can’t combine work/career and children. Thus you see an M-curve in the labor participation rate by age. Which brings me back to the problem with the demographic problem. Women usually return to the labor force after their children grew up only as part-timers. Henceforth they can’t bring in a full wage into the social system.

But I think that is enough before I get lost in my trail of thoughts. I hope that clarified some things about Japan. And I really have to read up again on some of the stuff before I go into my final examinations :/

Tanzverbot in Japan für kleine Clubs und nach Mitternacht

Tanzverbot in Japan für kleine Clubs und nach Mitternacht

Das wusste ich auch noch nicht: In Japan ist es verboten in Clubs zu tanzen, die eine Fläche von weniger als 66m2 haben und auch nach Mitternacht ist das Tanzen verboten.

„It is very difficult for clubs in big cities to find somewhere affordable with a 66-sq.-meter floor allowing them to get the license,“ Isobe said in a recent interview with The Japan Times. „It is also unreasonable to prohibit late-night dancing in a society where many restaurants stay open around the clock.“

Der japanische Premier Noda warnt China / Probleme mit Südkorea

Der japanische Premier Noda warnt China / Probleme mit Südkorea

Die Gewalt ist wohl rückläufig in China, dafür gibt es Anzeichen von wirtschaftlichen Sanktionen seitens Chinas.

„Recent delays in customs and visa issuance are of concern,“ Mr. Noda continued, referring to reports that Japanese companies were now facing a form of economic harassment…

Noda warnt daraufhin China, dass es auch für China dadurch zu Problemen kommen kann.

„I hope for its levelheaded and rational understanding that anything to discourage that is a disservice to itself“

Außerdem scheint mit Südkorea mal wieder das Trostfrauen-Problem, Frauen, die zur Kriegszeit von Japan in die Prostitution gezwungen wurden, hochzukochen.

The South Korean foreign minister is widely expected to raise demands for new „comfort women“ compensation in his U.N. speech.

New York Times über das Senkaku/Diaoyu-Problem

Die New York Times über das Senkaku/Diaoyu-Problem

Die New York Times hat einen sehr schön geschriebenen Artikel über das Senkaku/Diaoyu-Problem geschrieben, der für mich zum Ersten Mal erklärt, was es mit den ganzen Eigentumsrechten auf sich hat. Also wie die Privatbesitzer der Inseln überhaupt in den Besitz der Inseln gekommen sind.

Even before World War II, there were few economic activities on the islands. A small factory on Uotsuri made dried bonito shavings, a favorite Japanese food, and hunters gathered albatross feathers for European fashion boutiques.