Was studiert man eigentlich in der Japanologie?

Gerade habe ich angefangen mir die zweite Ausgabe von Studienwahl.tv anzusehen. Es geht in der Ausgabe um Sprachwissenschaften. Unter anderem wird hier Sinologie, Japanologie und Koreanistik erwähnt. Sprache ist meiner Erfahrung nach, in allen drei Fächern nur ein Werkzeug um z.B. Fachliteratur oder auch Zeitungstexte in der entsprechenden Sprache lesen zu können. Je nach Universität sind auch Literatur und Kultur keine Schwerpunkte.

Daher dachte ich mir, dass es vielleicht ganz gut ist mal zu schildern wie die Japanologie an der FU Berlin aussieht. Ich kann aus erster Hand nur vom auslaufenden Magisterstudiengang berichten, habe aber auch reichlich Informationen über den Bachelorstudiengang Ostasienstudien/Japanwissenschaften und dem Masterstudiengang Japanologie. Aus Erzählungen von Freunden, sind die Bachelorstudiengänge der Korea- und Chinastudien inhaltlich ähnlich. Der Bezug liegt natürlich auf dem entsprechendem Land.

Beginnen werde ich mit dem Magisterstudiengang Japanologie. Bei einem Magisterstudiengang hat man entweder zwei Hauptfächer oder ein Hauptfach und zwei Nebenfächer. Ich selbst studiere Japanologie im ersten Hauptfach.

Am Anfang stand ein einjähriger Intensivsprachkurs Japanisch. Wir hatten an drei Tagen je vier Stunden Unterricht. Erwartet wurde, dass man zu Hause nochmal das Doppelte Zeitpensum dafür aufwendet. Wöchentlich gab es Tests für chinesische Schriftzeichen, die nicht in die Endnote zählten und alle drei Wochen einen Test der in die Endnote miteinberechnet wurde. Die Durchfallquote war relativ niedrig. Dies lag aber auch an der hohen Abbruchquote. Bis Weihnachten hatten etwa 50% das Studium beendet.

Hatte man die Hürde des Vorstudiensprachkurses genommen, stand das Grundstudium an. Das Grundstudium hatte eine Vielzahl unterschiedlicher Kurse. In zwei Geschichtskursen hat man einen Abriss über die gesamte japanische Geschichte bekommen. In zwei Landeskundekursen wurde das Alltagsleben aber auch z.B. Geographie behandelt. Dann konnte man aus drei Bereichen zwei auswählen, in denen man je einen Einführungskurs und ein Proseminar machte. Diese Bereiche sind Kultur, Gesellschaft und Politik und Wirtschaft. Kultur ist bei uns sehr literaturwissenschaftlich. Die zwei gewählten Bereiche führt man im Hauptstudium weiter.
Ich habe in allen drei Bereichen Einführungskurse und Proseminare besucht. Der Einführungskurs Kultur behandelte Semiotik (Gebrauch von Zeichen) als auch Literatur. Der Wirtschaftseinführungskurs behandelte japanisches Management (z.B. Total Quality Management) und auch Aufbau japanischer Firmen. Der Einführungskurs Politik war ein Abriss moderner politischer Geschichte und Grundlagen zu den Theorien, die es zur Funktionsweise der japanischen Politik gibt.
Die Kulturproseminare waren zum Einen ein Proseminar über japanische Science Fiction-Literatur, zum anderen eins über Manga. Beides hat mir viel gebracht, vor allem weil mir dies auch eine Grundlage zum Verständnis der entsprechenden Literatur gegeben hat. Eine Anmerkung noch: Manga aus wissenschaftlicher Sicht auseinander zu nehmen macht lange nicht so viel Spaß, wie man denkt. Das Wirtschaftsproseminar behandelte klein- und mittelständische Unternehmen. Das Politikproseminar behandelte japanische Außenpolitik.
Zu diesen Kursen kommen dann noch zwei Kurse in japanischer Grammatik sowie sieben weiterführende Sprachkurse. Da ist dann von Übersetzung, Konversation, Hörverständnis usw. alles mögliche dabei.
Als letzte Pflichtübung im Grundstudium gilt es dann noch einen Schein in Übersetzungspraxis 1 abzulegen. Das bedeutet insgesamt soviel zu übersetzen, dass das Ergebnis 20 Seiten Deutsch umfasst. Viele übersetzen Zeitungsartikel, ich hatte aus einem Übersetzungskurs ein Buch weiter übersetzt.

Die dreißig Minuten lange Zwischenprüfung umfasst eine Japanischprüfung. Man bekommt eine Woche vor der Prüfung einen japanischen Text, der ein bis zwei Din A4-Seiten umfasst. Diesen muss man flüssig lesen und übersetzen können. Die Grammatik muss auch erklärt werden. Außerdem gibt man vor der Prüfung eine Bücherliste ab, die drei Bereiche umfasst, wobei man zu zwei Bereichen drei Bücher list und zu einem Bereich vier Bücher. Im meinem Fall waren die Bereiche Gesellschaft, Wirtschaft und Außenpolitik.

Im Hauptstudium geht es dann weiter. Die Sprachausbildung umfasst vier Sprachkurse, die vom Niveau her natürlich höher sind als die des Grundstudiums. Dazu kommt ein Sprachkurs in vormodernem Japanisch welcher insbesondere für die sozialwissenschaftlich Interessierten wichtig ist. Fachtexte in diesem Bereich nutzen öfters grammatikalische Formen des vormodernen Japanisch.
Weiterhin gilt es drei Leistungsscheine in Hauptseminaren abzulegen. Wobei hier wieder die Bereiche aus dem Grundstudium zum Tragen kommen. In einem der dort gewählten Bereiche legt man zwei Leistungsscheine ab, in dem anderen einen Leistungsschein. Ein Leistungsschein bedeutet das Seminar zu besuchen, dort ein Referat zu halten, eine 20-seitige Hausarbeit mit 20% japanischen Quellen zu schreiben und die dazugehörige Übung zu besuchen. In der Übung werden zur Thematik passende japanischsprachige Quellen gelesen und der Inhalte diskutiert. In der Regel läuft es aber leider auch nur auf einen Übersetzungskurs hinaus.
Zusätzlich gilt es sechs Semesterwochenstunden, also drei Kurse zu besuchen, die Japanbezug haben aber keine Sprachkurse sind.
Hauptseminare, die ich beispielsweise besucht habe handelten von der japanischen Außenpolitik, dem Sozialstaat, die Beziehung zwischen der Politik und den Älteren, den Arbeitsmarkt usw. Im kulturwissenschaftlichen Bereich sind es oftmals literaturwissenschaftliche Seminare, die sich jeweils mit einem Autor intensiv auseinandersetzen.
Zur Vorbereitung auf die Magisterarbeit gibt es noch ein Kolloquium.
Als letztes steht auch hier eine Übersetzungspraxis an. Das Ergebnis umfasst diesmal aber 80 Din A4-Seiten.
Dann kommen Magisterprüfung- und Arbeit, wobei ich diese noch nicht abgelegt habe. Diesmal gilt es auch drei Bereiche anzugeben, die diesmal aber enger eingegrenzt sein können. Die Bücherliste umfasst 15 Bücher zu jedem der Bereiche. In einem Bereich legt man eine schriftliche Prüfung ab. Zu dieser bekommt man einen japanischen Text, der zwei oder mehr Seiten umfasst. Als Hilfsmittel sind nur Papierwörterbücher zugelassen. Hat man jahrelang nur mit elektronischen gearbeitet ist das eine Herausforderung für sich aber schon im Vor- bzw. Grundstudium hat man gelernt mit Papierwörterbüchern umzugehen. Diesen Text gilt es auf Deutsch zusammen zu fassen und dann Fragen zur Thematik zu beantworten. Wahlweise kann die Prüfung auch auf Englisch oder Japanisch abgelegt werden. In der mündlichen Prüfung werden auf Deutsch die anderen beiden Bereiche abgeprüft.
Die Magisterarbeit will natürlich auch geschrieben werden.

Der Bachelorstudiengang sieht anders aus. Ein Vorstudium gibt es hier nicht. Weder in den Japan- noch in den China- oder Koreastudien. Die Sprachausbildung ist Teil des Studiums und verfolgt einen bis zum Schluss. Die Landeskundekurse sind umfassender als im Magisterstudium und umfassen auch Geschichte. Es gibt auch hier Einführungskurse und Proseminare, später Hauptseminare mit Übungen wobei es aber nur noch die Bereiche Sozialwissenschaften (Politik, Wirtschaft, Gesellschaft) und Kulturwissenschaften (in der Regel Literatur) gibt. In der allgemeinen Ostasienkunde befasst man sich dann mit den zwei anderen Ländern in Hinblick auf Geschichte, Kultur, Politik und Wirtschaft. Zu diesen Kursen kommen dann noch ein affiner Bereich hinzu, der frei zusammenstellbar ist. Desweiteren gibt es dann noch Kurse zur Allgemeinen Berufsvorbereitung (ABV), die alles mögliche umfassen. Vom Umgang mit MS Office oder auch Linux, über Sprachkurse bis hin zu Genderkursen.
Abgeschlossen wird der Bachelor mit einer etwa 30 Seiten umfassenden Bachelorarbeit.

Der Masterstudiengang Japanologie baut auf dem BA-Studiengang Ostasienwissenschaften/Japanstudien auf. Hier gilt es wieder Sprachkurse abzulegen, die darauf vorbereiten sollen, die Masterarbeit auf Japanisch verteidigen zu können. Im ersten Semester macht man desweiteren Methodikkurse. Ab dem zweiten Semester gilt es dann wieder Hauptseminare abzulegen. Man muss sowohl im sozial- als auch im kulturwissenschaftlichen Bereich Hauptseminare machen. Wobei man im Schwerpunktbereich zwei besucht, im anderen eins. Außerdem gilt es außerhalb der Japanologie weitere Kurse zu besuchen, die einem weitere Grundlagen für die Masterarbeit geben sollen. Abgeschlossen wird mit der Masterarbeit und einer Verteidigung der selbigen.

An anderen Universitäten sieht der Studiengang natürlich anders aus und jede Universität legt andere Schwerpunkte. Es gilt also vorher sich mal genauer den entsprechenden Studiengang anzusehen.

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