Das christliches Menschenbild und Frau Merkel

Wenn ich manchmal so lese, was die Leute in meiner Timeline auf Twitter schreibe, bewegt sich mein Kopf schnell in Richtung Schreibtisch. Heute war es mal wieder so weit.

Laut dem Tagesspiegel hat Frau Merkel doch tatsächlich gesagt, dass Fehl am Platz sei, wer sich nicht am christlichen Menschenbild orientiere. Und Spiegel Online schrieb folgendes Seehofer-Zitat: „Wir als Union treten für die deutsche Leitkultur und gegen Multikulti ein – Multikulti ist tot.“

Gut zu wissen, dass die Union jetzt komplett nach rechts abrutscht und das Schwarz zu Braun wird. Frau Merkel tritt schließlich mit ihrem Satz gegen eine Menge Gruppen an. Juden, Muslime, Konfuzianisten, Hinduisten, Buddhisten etc. Aber das ist mehr als offensichtlich. Aber mir soll es ja um die Menschen in meiner Timeline gehen, die mich aufgeregt haben. Zwei Tweets möchte ich herausgreifen.

Sixtus

Merkel will mich ausweisen? „Wer sich nicht am christlichen Menschenbild orientiere, sei fehl am Platz“

Max Winde

Dann schmeiß much raus, Merkel! „Wer sich nicht am christlichen Menschenbild orientiere, sei fehl am Platz“ (sic!)

Leute, ich muss euch enttäuschen. Ich habe eure Biographien nicht gelesen aber vermutlich orientiert ihr euch alle am christlichen Menschenbild. Das Grundgesetz baut auch auf dem christlichen Menschenbild auf. Wenn man nicht außerhalb Europas, der USA, Südamerika oder einer anderen Region aufgewachsen ist, in der das Christentum die dominierende Institution der Moral über Jahrhunderte war, orientiert man sich in der Regel am christlichen Menschenbild. Das ist ein Meme.

Selbst der strengste Atheist, der in einer der oben genannten Regionen aufgewachsen ist, wird sich am christlichen Menschenbild orientieren. Nur weil man der Meinung ist, dass es keinen Gott gibt, heißt das noch nicht, dass man nicht die gleichen Werte hat und damit auch das gleiche Menschenbild.

Das schlimme an Frau Merkels Satz ist, dass sie ausschließt, dass Menschen, die in einer nicht-christlichen Region/Umgebung aufgewachsen sind, nicht hierher gehören und damit anscheinend auch gegen mehrere Artikel des Grundgesetzes ist (Art.2 (2), Art. 3(3), Art. 4(1) fallen mir spontan ein). Vielleicht sollte der Verfassungsschutz langsam aber sicher nicht nur die Linke überwachen, sondern auch CDU/CSU.

Der Ansatz ist falsch: Es sollte nicht heißen, „schmeiß mich raus“, sondern „dann schmeißen wir sie raus.“

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Mein Mac OS X-Setup

Alle Texte in Sachen Rechnerkram und iPhone habe ich auf mein neues Blog Rechnerkram umgezogen. Diesen Artikel findet man dort unter folgendem Link:

Mein Mac OS X-Setup auf Rechnerkram

 

Mich interessiert immer, welche Software von anderen benutzt wird. Dadurch lernt man neue Software und auch neue Workflows kennen, die evtl. schneller bzw. angenehmer als die eigenen sind. Daher dachte ich mir, dass ich einmal über mein Setup schreibe.

Ich werde einfach mal mein Dock von oben nach unten durchgehen, dann einige Programme, die ich nur ab und zu benutze, dann die Menulets und zum Schluss zusätzliche PreferencePanes.

Als Systemsprache verwende ich Englisch. Erst habe ich Deutsch benutzt aber mir ging es auf die Nerven, dass ich regelmäßig Anwendungen hatte, die nicht lokalisiert waren. Da benutze ich lieber das gesamte System auf Englisch, als dass ich den Sprachmischmasch habe.

Als File-Manager benutze ich den  mitgebrachten Finder ohne Plug-Ins. Allerdings habe ich ein paar Shiny Droplets in der Menüleiste (XCode und TextMate), sowie cd to… um per Klick in den aktuellen Ordner per Terminal zu wechseln.

Mail.app habe ich vor einiger Zeit durch Postbox ersetzt und verwende es in der aktuellen Beta. Ohne weitere Plug-Ins habe ich eine Spaltenansicht, kann Mails per Tastatur durch die Gegend schieben, Threading, dass sich nicht nur auf den aktuellen Ordner bezieht und mehr. Gegenüber Thunderbird ist es weitaus besser ins System integriert. Leider schwächelt die Applescript-Unterstützung noch ein wenig und bei einigen Anwendungen wird bei dem „Send per E-Mail“-Befehl, grundsätzlich Mail.app geöffnet und der eingestellte Standard-Mail-Client ignoriert. Wenn ich Mail.app benutze, dann nur mit MailActOn um Regeln per Shortcut anzuwenden und mit Letterbox für die Spaltenansicht.

Mein Browser der Wahl ist Chrome. Ich finde ihn hübscher (aufgrund der Tabs-on-Top und der nur temporär eingeblendeten Statusleiste) und schneller. Und die kombinierte URL/Google Suchbar hat keine Alternative in anderen Browsern. Außerdem kann ich relativ einfach die Extensions synchronisieren. Bei einem Browser sollte man wohl immer noch die Extensions erwähnen, die installiert sind. Da ich 1Password-Benutzer bin (später hierzu mehr) habe ich natürlich die 1Password-Extension installiert. Dann kommt AdBlock und der BrowserButton for AdBlock um es aus- und wieder einschalten zu können. In die selbe Reihe gesellt sich FlashBlock. Das Netz ist einfach ruhiger damit. Da ich einige Bookmarklets verwende, möchte ich diese einfach per Tastatur anwählen können. Mit der Extension Bookmarks Bar Keyboard Shortcuts ist dies möglich. Leider nur per ctrl+Zahl und nicht per cmd+Zahl wie im Safari. Für eine schönere Aufbereitung von Google Reader benutze ich Feedly. Hat so ein bisschen was von Flipboard für den Browser. Gibt’s allerdings schon wesentlich länger. Da ich aktiver Instapaper-Benutzer bin, habe ich noch die Instapaper Article Tools und Instapaper Greystyled installiert. Sie machen Instapaper schöner und besser bedienbar. Ein Session Manager darf auch nicht fehlen um Tab-Anordnungen zu speichern. Und als letztes kommt xmarks. Damit halte ich meine Browser in Sync, auch den Safari. Da ich nicht immer den Chrome benutzen kann und die Bookmarks auf dem iPhone nur über den Safari synchronisieren brauche ich mehr als den eingebauten Sync von Chrome und xmarks löst dieses Problem. Und als letztes kommt noch iReader. Eine Extension, welche die Reader-Funktionalität im Chrome nachrüstet.

Jetzt zu den Bookmarklets. Auf Platz 1 steht Readability. Macht Seiten lesbarer, schmeißt in der Regel Werbung und Kommentare raus. An zweiter Stelle das Bookmarklet von Instapaper um Artikel im Netz später lesen zu können. Entweder auf der Instapaper-Webseite, dem iPhone oder einem eBook-Reader. Dann noch ein URL-Shortener-Bookmarklet (is.gd!), Send to Delibar, hierzu aber später, ein Bookmarklet um auf meinen Instapaper-Account zuzugreifen und als letztes der Subscribe…-Button von Google Reader.

Weiter geht’s mit den Anwendungen. iCal habe ich vor einiger Zeit mit BusyCal ersetzt. Für Kalender in der Cloud benutze ich GoogleReader und da ist BusyCal für die Verwaltung und Synchronisation um einiges besser geeignet als iCal. Dazu kommt, dass es gefühlt auch noch mächtiger ist und sich besser bedienen lässt.

Mein FeedReader ist NetNewsWire. Er bindet sich schön ins System ein und lässt sich sehr gut mit der Tastatur bedienen. Aber so ganz zufrieden bin ich mit NNW nicht wirklich. Ich kann nicht genau sagen woran es liegt. Er wirkt ein wenig altbacken. Ab und zu benutz ich Google Reader und warte sehr gespannt auf Reeder/Mac und Caffeinated. Andere Feed-Reader habe ich getestet aber NNW stellt sich immer wieder als der Beste heraus.

Für meine To-Dos verwende ich Things. Es tut alles was ich will, der Preis war erträglich, ist fix und synchronisiert schnell über WLAN mit der passenden iPhone-Anwendung. Ich hoffe inständigst auf einen Over-the-Air-Sync (also über’s Internet) aber so lange es den nicht gibt, synchronisiere ich Things auf meinem Deskop-Rechner und Laptop per Dropbox.

Dann kommt JEdict. Da ich häufig Zugriff auf ein Japanisch-Wörterbuch benötige und das edict und das wadoku die besten freien Wörterbücher sind, ist dies der edict-Client meiner Wahl. Leider wird das JMDict-Format nicht wirklich gut unterstützt aber eine wirklich gut benutzbare Alternative habe ich noch nicht gefunden. Aber durch seine Shortcuts, eine sehr gute Kanji-Suche und die Überwachung der Zwischenablage, finde ich damit am schnellsten die Übersetzungen, die ich benötige.

Für Musik benutze ich immer noch iTunes. Es gibt zwar „leichtere“ Alternativen aber am Ende muss ich iTunes ja doch aufmachen um mein iPhone zu synchronisieren.

Mein Twitter-Client ist Hibari. Tut im großen und ganzen was er soll, ist eine native App, die schick designt ist (bis auf die Icons in der Icon-Leiste) und unterstützt die Features, die mir wichtig sind bei Twitter.

Texteditoren benutze ich zwei. An sich benötige ich sie nur für LaTeX und nur selten für weiteres. TextMate ist mein Editor der Wahl wenn ich alleine arbeiten. Er ist supermächtig und durch ctrl+cmd+t (einfach mal darin ausprobieren) sehr schnell zu bedienen, wenn man mal Shortcuts nicht weiß. Und die LaTeX- und BibTeX-Unterstützung ist großartig. Wenn ich allerdings mit anderen zusammenarbeite um z.B. einen Text in LaTeX zu korrigieren, während jemand anderes noch darin schreibt, benutze ich SubEthaEdit. Ein großartiger Texteditor für gemeinsames arbeiten.

Meine Literatur verwalte ich mit BibDesk. Das beste Programm, was mir in jeglichem Betriebssystem über den Weg gelaufen ist um Literatur mit Bib-Dateien für BibTeX zu verwalten. Es funktioniert einfach. Meine Bib-Files und die gesammelten Paper synchronisiere ich dann über Dropbox.

Da ich reger Benutzer von simplenote bin, habe ich auch hierfür einen Desktop-Client. Die schönste Alternative, die mir bis jetzt über den Weg gelaufen ist, ist JustNotes. Sieht gut aus, tut was es soll.

Zum Editieren von Blog-Einträgen habe ich lange das Blogging-Bundle von TextMate benutzt. Inzwischen bin ich auf MarsEdit umgeschwenkt. Ich kann damit einfach etwas schneller arbeiten. Vor allen Dingen wenn es um so Dinge geht, wie Kategorien auswählen oder die Veröffentlichungszeit für einen Blog-Post zu setzen. Und darin zu schreiben macht Spaß. Die Vorschau, deren Template man so gestalten kann, dass man direkt sieht wie es im eigenen Blog aussehen wird ist auch ein großartiges Feature.

Um mir Videos anzusehen benutze ich den VLC. Damit geht es einfach am schmerzfreiesten und das Spulen per Shortcut klappt einfach weitaus besser als in Quicktime meiner Meinung nach.

Dann kommt Launchbar. Ein superschneller Launcher, der bei mir auf ctrl+space sitzt (alt+space wechselt Eingabesprachen und cmd+space startet Spotlight). Damit kann ich schnell Anwendungen starten, zu Dateien navigieren, Playlisten in iTunes auswählen, es hat einen vernünftigen Clipboard-Manager integriert und ist einfach eine verdammt mächtige Anwendung, die mein Arbeiten am Rechner beschleunigt. Ich musste mich anfangs an Launcher gewöhnen aber jetzt verfluche ich jedes System auf dem nicht Launchbar o.ä. installiert ist.

Um meine VPN-Verbindungen, zu verwalten benutze ich Shimo. Eine schöne Anwendung dafür, die auch Cisco-Profile verwaltet, wenn denn der Cisco-Client installiert ist. Es kann sogar anhand der ausgewählten Netzwerkumgebung bzw. des WLANs mit dem man sich verbindet, sich automatisch mit einem gewünschten VPN verbinden.

Für Instant Messaging benutze ich Adium, da es von Haus aus OTR und eine ganze Reihe an IM-Protokollen unterstützt.

Für die Kommandozeile benutze ich das OS X-eigene Terminal. Den Vorteil von iTerm habe ich nie wirklich verstanden.

Als Flashcard-Anwendung für das Lernen am Rechner benutze ich Anki. Das SRS ist sehr gut umgesetzt, die Desktop-Anwendung ist kostenfrei und sie lässt sich mit der dazugehörigen (nicht kostenfreien) iPhone-Anwendung synchronisieren.

Der Bittorrent-Client meiner Wahl ist Transmission. Ich mag ihn, er funktioniert und ich sehe keinen Grund auf was anderes zu wechseln.

Für die Verwaltung von Passwörtern benutze ich 1Password. Ich war eine zeitlang 1Password-Nutzer, fand es aber dämlich, dass ich unterwegs dann nicht auf meine Passwörter zugreifen konnte und stoppte dann wieder die Nutzung. Seit der iPhone-App hat sich das geändert und ich bin wieder sehr zufriedener Nutzer, der für jeden Webservice ein anderes min. 20-stelliges zufallsgeneriertes Password hat.

Mein PDF-Viewer der Wahl ist die Opensource-Software Skim. Der große Vorteil gegenüber Preview: Man kann Anmerkungen in PDFs machen, welche die PDF nicht verändern. Skim kann diese nämlich in den Meta-Daten der PDF speichern (die auch über Dropbox synchronisiert werden mit der Foren-Beta von Dropbox) oder in einer extra Datei.

Für Screenshots und sehr einfache Bildmanipulation verwende ich Skitch. Seltsames Interface, funktioniert aber einwandfrei

Jetzt zu den Menulets. Als erstes kommt das bereits oben erwähnte xmarks. Safari for xmarks läuft als Menulet und ich brauche es um die Bookmarks aus anderen Browsern nach Safari zu synchronisieren um sie dann auf mein iPhone schieben zu können.

Als nächstes folgt Dropbox mit dem ich alle wichtigen Dateien und Einstellungen von diversen Programme synchronisiere.

Dann Keyboard Maestro (20% Rabatt gibt es über diesen Link; wegen Transparenz: wenn es drei Leute darüber kaufen bekomme ich das nächste Major Update kostenfrei). Ein Tool mit dem ich z.B. systemweit iTunes kontrollieren kann, Textbausteine über Abkürzungen aktivieren kann und mehr. Es hat für mich u.a. CoverSutra, dass ich hauptsächlich für die iTunes-Kontrolle verwendete, und TypeIt4Me ersetzt.

Die nächsten zwei sind Window-Manager: Cinch und SizeUp. Mit Cinch kann ich Fenster an einen Rand schieben und sie werden automatisch auf die passende Größe gesetzt (z.B. exakt die linke oder rechte Hälfte des Bildschirms). SizeUp macht etwas ähnliches, nur über Tastaturkürzel. Außerdem kann ich damit per Tastaturkürzel Anwendungen zwischen Monitoren springen lassen und habe ein paar mehr Einstellungen als bei Cinch (z.B. nur ein Viertel des Displays etc).

Dann kommt Delibar. Ein sehr schöner Client für Delicious bzw. meinen den Web-Bookmarkservice meiner Wahl pinboard.in. Letzterer kann im Gegensetz zu Delicious nämlich auch Bookmarks aus Instapaper, RSS-Feeds, Twitter u.a. automatisch ziehen.

Das nächste Menulet in der Reihe ist PasteBot Sync um schnell die Zwischenablage zwischen iPhone und OS X auszutauschen – Links, Fotos u.ä.

Für das schnelle Sharen von jeglichen Dateitypen benutze ich CloudApp. Datei drauf schieben, Link kopieren, fertig.

In der Menulet-Reihe folgt dann QuickCursor um Text aus jeglichem Textfenster in den Texteditor meiner Wahl zu schieben.

Und als letztes 3rd-Party-Menulet kommt jetzt noch Growl für Notifications und damit ich es auch schnell mal ausschalten kann. Zum Thema Notifications: Ich benutze inzwischen fast gar keine mehr. Mails werden nicht automatisch abgerufen, Unread-Counts sind abgestellt etc. Growl informiert mich nur noch über DMs und Mentions wenn Hibari läuft (was nicht immer der Fall ist), wenn Transmission etwas fertig heruntergeladen hat, ich mich mit einem VPN verbinde bzw. die Verbindung unterbreche (über Shimo) und wenn Adium läuft (selten) über An- und Abmeldungen von Nutzern bzw. Nachrichten die mir geschickt werden, wenn Adium nicht im Vordergrund ist. Die ganzen Notifications lenken sonst viel zu sehr von dem ab, was ich gerade mache und sind in der Regel nicht wirklich wichtig.

Zum Schluss zu den zusätzlichen Preference Panes, die ich aktiv benutze. Wie ich gerade feststelle könnte ich da mal wieder aufräumen. Preference Panes, die sich auf oben erwähnte Anwendungen beziehe, lasse ich außen vor.

Damit der QuickTime-Player auch  mit Videos ordentlich umgehen kann, habe ich Flip4Mac und Perian installiert. Damit gehen dann auch WMV und sonstige Codecs.

Da ich es regelmäßig schaffe meinen Mouse-Cursor nicht mehr wieder zu finden, benutze ich Mouse Locator. Einmal F13 gedrückt und mir wird deutlich angezeigt, wo sich der Mouse Cursor gerade befindet (funktioniert natürlich auch mit anderen Funktionstasten). Und dann kommt eigentlich nur noch die Preference Pane für den XBox360-Controller-Treiber. Der Treiber wird zwar anscheinend nicht mehr gepflegt und läuft nicht ohne weiteres und Snow Leopard aber wenn man ihn selbst kompiliert und per Hand die Binaries durch die Gegend kopiert, funktioniert es anstandslos.

So, das war’s. Ich hoffe, dieser Post gibt Ideen und vielleicht posten auch mal andere was sie täglich benutzen. Demnächst schreibe ich dann mal über meine ersten beiden iPhone-Homescreens 🙂

 

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Eigentlich wollte ich Sarrazin ja ignorieren

Vor ein paar Tagen habe ich zwei Tweets rausgeschickt. Einen davon aber gelöscht, daher beide hier im Zitat:

„Ich wollte Sarrazin ja ignorieren, aber irgendwie hat niemand mitgemacht“

„Gibt’s eigentlich das Buch von Sarrazin als Torrent? Ich würde es gerne lesen aber erst danach entscheiden, ob ich dafür Geld bezahlen will“

Ich habe das Buch von dem guten Mann nicht gelesen und nur über diverse Medienkanäle die Diskussion mitbekommen. Sei es nun Hr2 – Der Tag, Hart aber Fair oder auch diverse Einträge bei Telepolis und anderen Blogs/Nachrichtenseiten. Es heißt, dass Herr Sarrazin eine Diskussion angestoßen hätte. Wobei ich mir die Frage stelle, ob man ihn nicht besser ignoriert hätte. Schließlich wird sich gerade durch die „große Diskussion“, die durch sein Buch entstanden ist sein Buch ordentliche Verkaufszahlen einhandeln. Und jeder der das Buch von Sarrazin kauft finanziert damit seine Meinung.

Aber was ist diese Diskussion? An sich ist es doch nur die seit Jahren schwelende Diskussion, dass ein Teil der Bevölkerung der Meinung ist, dass es zu viele islamische Migranten gibt, die nicht willig seien sich zu integrieren. Sie stören unsere abendländisch-christliche Leitkultur und aufgrund ihres mangelnden Integrationswillens sind sie nicht in der Lage ihren Teil in der Gesellschaft zu leisten. Sarrazin hat da noch ein bisschen Sozialdarwinismus reingemischt, damit die Suppe nicht mehr schwarz, sondern endgültig braun ist. Und was ich verstörend finde ist, dass die Basis einer Sozialdemokratischen Partei in 2000 E-Mails ihrem Vorstand mitteilt, dass Sarrazin nicht sein Parteibuch verlieren soll. Schließlich sagt der gute Mann ja, was wir alle denken.

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p style=“text-align:left;“>Und das Schlimme? Ich glaube wirklich, dass viele so denken. Schon seit Jahren sehe ich einen schwelenden Rassismus in unserer Gesellschaft. Statistisch kann ich das nicht belegen, es sind so die vielen Alltagsunterhaltungen, die man führt. Dabei meine ich jetzt nicht die gezwungene politische Korrektheit, die gleichzeitig vorherrscht. Da halte ich es ehrlich gesagt ein wenig mit Avenue Q: Jeder ist ein bisschen rassistisch (Everybody’s a little bit racist – ab Min. 1:10).

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p style=“text-align:left;“>Das bedeutet aber eher das wir alle unsere Stereotypen mit uns rumtragen. Sei es nun positiv oder negativ. Das ist zwar nicht schön, ist aber so. Es hilft uns unser Leben einfacher zu machen und wenn wir uns das Eingestehen würden, würde es gleichzeitig die Diskussion vereinfachen. Aber es gibt hier auch wieder das Henne-Ei-Problem, wenn nur einer damit anfängt, dann wird er vermutlich gleich als Rassist hingestellt, da er zu offen seine Meinung wiedergibt und nicht politisch korrekt ist. Aber nur wenn wir offen sprechen können, können wir auch wirklich diskutieren.

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p style=“text-align:left;“>Das Problem mit dem schwelenden Rassismus, den ich oben ansprach, nennen wir ihn mal Alltagsrassismus ist, dass er immer wirklich negativ ist. Es ist der Teil des Rassismus, der auch in o.g. Lied als negativ angesprochen wird. Und wodurch wird er beflügelt? Durch eine dauerhaft negative Darstellung des Islam in den Medien. Hagen Rether stellt das in seiner Aufführung gut dar und ich danke ihm dafür. Das Video werden vermutlich genug inzwischen gesehen haben, da es seine Runde über Twitter gemacht hat.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;“>Wie kann es sein, dass nur negatives berichtet wird? Nur weil man einer Glaubensrichtung angehört, ist man nicht gleich Fundamentalist. Und wenn ich mir anhöre, was so mancher christlicher Fundamentalist von sich gibt, bekomme ich es auch mit der Angst. Wir schreiben 2010 und manchmal komme ich mir vor als ob wir 1010 schreiben. Da ist doch tatsächlich die Religionszugehörigkeit selbst bei aufgeklärten Menschen eine Grundlage für den Stereotyp.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;“>Wenn ich mir anhöre, dass Leute Angst haben nach Neukölln zu kommen weil es da ja so gefährlich ist (aufgrund der vielen Ausländer, was aber in der Regel nicht gesagt sondern angenommen wird, dass es gemeinsame Meinung ist) kann ich mir nur jedes Mal an den Kopf packen. Die Leute sollten mal nach Neukölln kommen. Was sehe ich da? Viele hauptsächlich türkische Familien, die liebevoll mit ihren Kindern umgehen. Wer sitzt schon um 9 Uhr mit der Pulle da? In der Regel sind das eindeutig Deutsche. Wer schreit sein Kind an und hat die Hand schon erhoben, bevor er/sie bemerkt, dass er/sie ja in der Öffentlichkeit ist und das wahrscheinlich nicht so gut kommt, wenn man jetzt zuschlägt? Deutsche.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;“>Vor welchen Gegenden habe ich Angst? Eher so Marzahn, Hellersdorf, ggf. der Speckgürtel um Berlin. Und warum? Wegen der größeren Anzahl an Neonazis, denen eigentlich ihr Ziel für ihre Aggression relativ egal ist. Und welche Nationaliät haben Neonazi in der Regel? Na? Richtig, Deutsch.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;“>Bevor also irgendwer anfängt ganze Volksgruppen über einen Kamm zu scheren aufgrund ihrer Nationalität oder Religiösität, sollte er erst einmal in sein eigenes Land schauen. Da gibt es auch genug Vollpfosten. Und selbst die haben eine Geschichte, warum sie zu dem geworden sind, was sie sind. Ich hab jedenfalls noch kein Baby gesehen, das den rechten Arm gehoben hat.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;“>Nur weil es uns wirtschaftlich grade nicht so gut geht, und hey uns geht es immer noch besser als in einem Großteil der Welt heißt es nicht, dass wir die Schuldigen woanders suchen müssen. Die Gründe sind vielfältig aber Zugezogene sind es sicherlich nicht. Ohne die, wären wir nämlich lang nicht da, wo wir heute sind.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;“>Und wenn eine Frau Kopftuch tragen will, soll sie doch. Was wäre los, wenn man auf einmal verbieten würde ein Kruzifix am Hals zu tragen oder Nonnen zu unterrichten? Oh oh oh… Aber schließlich pflegen wir hier die christlich-abendländische Kultur. Unser Wertesystem entstammt dem Christentum aber das berechtigt uns noch lange nicht andere Wertesysteme zu diskriminieren. Unsere Kultur ist ein Gemisch, dass sich über eine sehr lange Zeit entwickelt hat. Und zwar aus einer Zeit, die sogar noch vor den Anfängen des Christentums lag. Unsere Kultur gewinnt nur durch Migranten, verlieren wird sie nichts. Nur weil ihr nicht mit Veränderung klar kommt, heißt das noch lange nicht, dass ihr andere Beleidigen dürft.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;“>Wir leben hier in einer Demokratie und so lange jeder der geltenden Gesetzgebung folgt und nicht gegen die Verfassung handelt, darf er machen was er will. Eine Erinnerung an die Grundrechte aus unserem Grundgesetz:

  • Artikel 2 (1): Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
  • Artikel 3 (3): Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;“>Und wenn mir jemand die arabischen oder türkischen Supermärkte, Gemüsehändler, Friseure u.ä. zeigt, die ihr Angebot auf der entsprechenden Landessprache anbieten finde ich das gut. Warum auch nicht? In Gegenden, in denen viele US-Amerikaner leben gibt es entsprechendes auch in Englisch (und in ihrer Parallelgesellschaft auf den Basen sowieso…). Wenn es die Nachfrage nach so etwas gibt, wird es auch das entsprechende Angebot geben. Ich war zwar noch nicht auf Mallorca aber ich vermute mal ganz stark, dass es da ähnliches mit Deutsch gibt. Ich hab mir sagen lassen, dass sich da genug Deutsche auch nicht integrieren und Spanisch lernen. Sprachen lernen ist nämlich aufwendig und wenn’s auch anders geht. Aber damit wird man nicht unbedingt weit kommen. Will man sich in eine Gesellschaft integrieren und in dem Land zu etwas bringen, wird man nicht daran vorbei kommen und muss die Landessprache lernen. Aber das passiert soweit ich weiß in der Regel auch, dauert halt ein bis zwei Generationen. Nur Integration heißt nicht Assimilation. Warum soll ich meine kulturelle Identität aufgeben, nur weil ich in einem anderen Land lebe? Exakt, dafür gibt es keinen Grund.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;“>Unsere Regierung sollte sich besser darum kümmern, dass den Zugezogenen aus anderen Ländern geholfen wird hier klar zu kommen und dazu gehören nicht nur Integrationskurse, sondern auch ein Bildungssystem, dass hilft Chancengleichheit zu schaffen. Dann wird man vielleicht auch die oben genannten Vollpfosten dezimieren können. Mit Bildung dürfte die Chance niedriger sein in eine extreme Richtung zu schwenken (auch wenn z.B. Sarrazin uns vormacht, was auch mit Bildung passieren kann).

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;“>Das einzige was in dieser Diskussion zählen sollte ist, dass wir Menschen, die in unserer Gesellschaft benachteiligt sind Chancengleichheit zu schaffen. Sei es nun weil sie aus einem niedrigeren sozialen Stand kommen, weil sie die Landessprache nicht gut genug sprechen oder was es da sonst noch gibt.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;“>Und was dann auch noch ganz wichtig ist: Wir sollten uns alle mit dem gebührenden Respekt behandeln. Ich habe mir sagen lassen, dass es da aus der Grundlage der christlich-abendländischen Kultur, die sich Bibel nennt einen ganz wichtigen Satz gibt:

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;“>Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;“>Für mich bedeutet das, dass man andere Menschen so behandeln sollte, wie man selbst behandelt werden will. Und Respektlosigkeit und Beleidigungen zählen da sicher nicht dazu.


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Gute Podcasts sind selten

Gestern schrieb Tim Pritlove auf Twitter, dass er Chaosradio Express-Sendungen auf Halde hat und diese früher veröffentlicht gegen Bestechung. Im IRC kam dann die Idee einer Blogkette auf und Tim rief dazu in seinem Blog auf mit dem Beitrag „CRE: Kettenblogging für Weltfrieden“.

Auch wenn ich der Meinung bin, dass er lieber die Sendungen auf Halde liegen lassen sollte um sie dann im 5- oder 7-Tagesrhythmus zu veröffentlichen, schließe ich mich der Blogkette an. Warum? Weil es ein guter Anlass ist um über Chaosradio Express zu schreiben.

Chaosradio Express ist die Weiterführung von Chaosradio, einer monatlichen Sendung auf Fritz im Rahmen des Blue Moon, die bereits seit fast 15 Jahren läuft. Dort wird über Computer, Technik und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft mit Hörern geredet – anfangs für 3 Stunden, inzwischen nur noch für 2 Stunden. Was mich am Chaosradio schon immer gestört hat, waren die Anrufer. Es ist eine Talk-Sendung und da gehören die Anrufer dazu aber dadurch kommen oftmals die Themen viel zu kurz.

Dankenswerterweise hat sich Tim 2005 aufgemacht um das Chaosradio raus aus dem Fritz-Studio zu bringen. Dafür trifft er sich mit einem oder mehreren Gesprächspartnern, die Ahnung von einer bestimmten Thematik haben und interviewt sie dazu für 1,5h – 3h. Die Themen sind sehr weitreichend. Ich kann mich an Sendungen über Poststrukturalismus, Perry Rhodan, Kaffee, Computerspiele, diverse Programmiersprachen, Compilerbau und was nicht alles erinnern. Inzwischen gibt es über 131 Folgen und ich kann mich an keine erinnern, die nicht hörenswert gewesen wäre. Aber das ist Geschmackssache. Einige Leute hören lieber die technischen Folgen, andere eher die Folgen über nicht ganz so technische Themen. Auf jeden Fall macht sich Tim viel Arbeit mit jeder Folge. Zu jeder gibt es eine ausführliche Linkliste um sich weiter in die Thematik einzulesen bzw. um nochmal etwas nachzulesen falls man den Faden verloren hat und es einem einfach zu hoch ist.

Mal abgesehen von der guten Auswahl der Interviewpartner (bis auf seltene Ausnahmen) und Themen ist CRE einer der wenigen Podcasts, die meinen persönlichen Qualitätsansprüchen genügen. Natürlich gibt es auch eine ganze Reihe Radiosender, die Podcasts veröffentlichen aber das ist Zweitverwertung (empfehlenswert sind hier die Sachen vom Deutschlandradio, hr2 und This American Life). Ich rede hier von Podcasts, die als Podcast gemacht worden sind. Die meisten leiden unter schlechter Audioqualität und machen dadurch keinen Spaß. Im deutschen Sprachraum fallen mir persönlich nur eine handvoll ein mit ähnlicher Qualität (mal abgesehen von Tim Pritloves Podcasts wären da noch die vom Undsoversum). Im angelsächsichen Sprachraum behindern sich die meisten durch Skype-Gesprächspartner und damit sinkt auch bei diesen die Audioqualität.

Hört sich alles nach Beweihräucherung an aber ich kann (leider?) nichts negatives über den Podcast sagen. In der Schule würde ich ne 1+ geben weil einfach alles stimmt und da auch eine Menge Arbeit hinter steckt. Jeder sollte mal einen Blick auf Chaosradio Express werfen, da sich bestimmt min. ein Thema findet was ihn interessiert.

Wer übrigens am ersten Sonntag eines Monats in Berlin sein sollte, kann auch andere Hörer treffen. Seit kurzem gibt es einen regelmäßigen Hörerstammtisch bei dem sich CRE-Hörer treffen um über alles mögliche zu quatschen. Einfach mal im Wiki vorbeischauen.

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