Es nervt…

Gestern war Karfreitag und was ich vorher noch nicht wusste: es gibt stille Feiertage an denen ein Tanzverbot gilt. Ich hatte noch nie etwas davon gehört und mir war es auch nie bewusst gewesen. War mir auch ehrlich gesagt egal und ich finde es eher ein bisschen lächerlich. Aber nun ja. Es gibt anscheinend Leute, die sich dadurch in ihrer Freiheit eingeschränkt sehen. Aber das war eigentlich nur der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Mir gehen die Atheisten auf Twitter, den Blogs und generell im Netz auf den Sack, die sich so “laut” über die Verankerung des Christentums in unserer Gesellschaft aufregen müssen. Anscheinend leben sie in Gegenden, in denen sie ununterbrochen von Missionaren angesprochen werden und deren Nachbarn ihre Häuser mit faulen Eiern bewerfen, um das Haus des Ungläubigen zu markieren.

Meine Erfahrung in der Richtung: Einmal in der Uni zwecks Bibelkreis angesprochen worden und dreimal standen in den letzten neun Jahren die Zeugen Jehovas vor meiner Tür (die schnell weg waren, als ich den beiden Damen erzählte, dass die Frau für die Verführung und das Böse steht, weil sie den Apfel angenommen und weitergegeben hat). Ansonsten hat mich noch nie ein Christ genervt, dass ich gefälligst häufiger in die Kirche gehen soll und das ich mein Leben nicht fromm genug führe. Es hat mich auch noch nie einer versucht von der Schöpfungslehre zu überzeugen, oder dass Kondome böse sind. Eher sind sie der Meinung, dass der Papst und die Kirche im Generellen ihre Meinung ändern sollte.

So lange die Menschen in Religion, egal welcher Zuflucht finden und es ihnen damit besser geht: Fein. Für mich gelten nur zwei Bedingungen: Sie verbreiten kein schädliches Wissen (Ablehnung von Wissenschaft, Kreationismus etc. und drängen es Kindern auf) und sie stressen mich nicht damit. Sprich: Sie leben es eher wie eine Art Lebensphilosophie, und nicht wie eine missionarische Religion. Ich habe ehrlich gesagt noch nie einen Christen getroffen, der diese Bedingungen erfüllt1. Könnte daran liegen, dass ich in einer Großstadt in einem aufgeklärten Industriestaat lebe.

Was ich allerdings im Netz häufig sehe sind Atheisten, welche die zweite Bedingung erfüllen: Sie stressen mich. Sie versuchen auf Teufel komm raus ihre Weltansicht zu verbreiten und spammen meine Timeline zu (aber der Noise ist immer noch geringer als der Nutzen, als dass ich sie entfolgen würde). Zum Karfreitag haben sie sich wahrscheinlich alle vorgenommen eine Demonstration oder eine andere öffentliche Veranstaltung auszurichten und Abends in nen Club zu gehen um zu tanzen und wurden enttäuscht, dass das nicht ging.

Wenn’s euch so nervt, stellt euch vor die immer leerer werdenden Kirchen und verteilt Flyer. Haltet Vorträge, warum ihr der Meinung seid, dass das Christentum und jedwede andere Religion schlecht ist. Aber posaunt es nicht immer im Netz heraus bei jeder Gelegenheit. Es stresst einfach nur.

Zum Schluss ein kleines Ding aus der Spieltheorie, was ich ganz lustig fand:

Es gibt zwei Zustände: Glauben (und ihn auch Leben) und nicht Glauben. Wenn es keinen Gott (oder entsprechende Entitäten) gibt, dann passiert nach dem Tod nichts. Wenn es ihn doch geben sollte (der Beweis steht bekanntermaßen aus), dann wird der, der den Glauben gelebt haben ewige Glückseligkeit finden. Der Ungläubige jedoch wird (je nachdem, was es da so für Entitäten gibt) für Ewigkeiten im Fegefeuer schmoren. Die Auszahlungen sind eindeutig. Im Schnitt 80 Jahre Party und dann gar nichts oder Ewigkeiten in der Hölle oder 80 Jahre gemäßigt nach Regeln leben und dann gar nichts oder ewige Glückseligkeit.

Und jetzt viel Spaß beim Zerreißen in den Kommentaren. Mich würde ja wirklich interessieren, wo ihr persönlich durch Christen (und Anhänger anderer Religionen) eingeschränkt oder gestört werdet. So sehr, dass es euer Leben wirklich einschränkt.


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  • Natürlich kann ich verstehen, dass man sich drüber aufregt, dass die Entscheidung über die Weiternutzung von Atomtechnologie u.a. mit Mitgliedern der Kirche entschieden wird. Aber hier ist das Problem wohl eher, dass man jetzt die ethische Schiene fährt, als dass man Leute nimmt, welche die Ethik, die viele in Deutschland als ihre auffassen, mit am Besten verstehen sollten. Da haben Ethiker egal welcher Couleur einfach nichts zu suchen. 100.000 Jahre Atommüll und nicht kalkulierbare Risiken sind keine Sache der Ethik.
    Die Sache mit der PID hingegen ist meiner Meinung nach eine ethische Entscheidung, da man hier a) definieren muss ab wann etwas Mensch ist und b) sich überlegen muss in welcher Gesellschaft man lebt. Die gleichen Leute, die gegen Maßnahmen sind, die potentiell der Überwachung dienen könnten und auf andere Bereiche als Terrorismus ausgeweitet werden können, können sich gleichzeitig nicht vorstellen, dass man in der Zukunft die PID dahin entwickelt bekommt, dass es nur noch blonde blauäuige Kinder gibt und alles andere als Mensch zweiter Klasse behandelt wird. Da werden Grundlagen für die Zukunft gelegt und man sollte nicht nur vom heutigen Stand der Technik ausgehen. Ein Durchbruch und der Kram ist auf einmal möglich.