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Menschenrechte my ass

Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

- Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 3

Jeder, der einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, hat das Recht, als unschuldig zu gelten, solange seine Schuld nicht in einem öffentlichen Verfahren, in dem er alle für seine Verteidigung notwendigen Garantien gehabt hat, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist.

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 11 (1)

 

Die USA haben einen Menschen ohne Gerichtsverfahren umgebracht und die Welt applaudiert. Der UNO-Sicherheitsrat begrüßt den Tod Osama Bin-Laden. Frau Bundeskanzlerin Angelika Merkel begrüßt auch den Tod.

Osama Bin-Laden ist tot, umgebracht durch eine gezielte Militäraktion der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte ist Friedensnobelpreisträger. Ich habe keine Meinung zu Osama Bin-Laden. Er soll der Anführer einer weltweit handelnden terroristischen Organisation sein. Wenn dies wirklich der Fall gewesen ist, dann hätten die USA ihn festnehmen sollen und ihm einen Gerichtsprozess gewähren müssen. In welchem Land und vor welchem Gericht, dafür habe ich ehrlich gesagt zu wenig Ahnung von internationalem Recht. Sie hätten ihn ggf. vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag aufgrund von Verbrechen gegen die Menschlichkeit anklagen können.

Der selbsterklärte Vorreiter der Demokratie möchte in anderen Ländern Demokratie einführen. Wenn mich nicht alles täuscht ist ein Teil einer Demokratie das faire Gerichtsverfahren. Egal wer der Angeschuldigte ist,  egal was er oder sie getan hat. Und es kann nicht sein, dass die Welt applaudiert, wenn dies einem Menschen verweigert wird. 64 Jahre Menschenrechte my ass. Mir war bewusst, dass viele Staaten, auch demokratische, regelmäßig gegen die Menschenrechte verstoßen. Aber dass sie jetzt alle applaudieren und es auch gefeiert wird.

Da wird mir ehrlich gesagt schlecht.

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Rückkehr des Expertentums

Was ist ein Experte in meinen Augen?  Ein Experte ist jemand, der sich mit einem Thema intensiv auseinandergesetzt hat und aufgrund seines Wissens neue Informationen zum Thema bewerten und in bestehende Zusammenhänge einordnen kann. In der Regel dauert es Jahre um diesen Status zu erlangen.

Gunter Dueck fragte auf der Re:Publica: “Wissen Sie im Beruf mehr als ein ‘frisch gesurfter’?” Ich denke, dass diese Frage falsch gestellt ist. Sie sollte eher lauten “Was unterscheidet Sie durch ihre Erfahrung und Ausbildung von einem ‘frisch gesurftem’?” Nicht so knackig, aber meiner Meinung nach näher an der Wahrheit.

Ich erinnere mich auch noch an einen Tweet, in dem sinngemäß stand:

"Interessant, wie die Atomkraftexperten in meiner Timeline zu Luftwaffengenerälen umgeschult wurden".

Ein frisch gesurfter, also zwei Stunden googlen laut Gunter Dueck mag ein bisschen Faktenwissen angesammelt haben, aber nicht viel. Ein Patient, der zum Arzt geht und das Internet nach seiner Krankheit gesucht hat, hat sich auch hier ein wenig Faktenwissen und Erfahrungsberichte anderer angelesen.

Ihm fehlen aber Fähigkeiten um mit dem Faktenwissen etwas anzufangen. Ich kann als Nicht-Jurist Gesetze lesen, aber ich kann sie nicht lesen und interpretieren wie ein Jurist. Ich kann mir Texte zu Krankheiten anlesen, aber ich weiß als Nicht-Mediziner nicht unbedingt, ob ich Symptome richtig interpretiere.

Wir googlen und lesen die Wikipedia. Oftmals höre ich, dass in der Wikipedia viel Mist steht und doch wird sie von vielen als Referenz genommen (das selbe gilt für Suchergebnisse bei Google). Und das obwohl sie nicht bewerten können, ob das Wissen in der Wikipedia korrekt ist. Immer wieder hört man, dass man auch die Diskussionsseiten lesen und nicht alles für bare Münze nehmen soll, was in der Wikipedia geschrieben steht. Und doch wird es gemacht und die Diskussionsseiten werden auch nicht gelesen. Vermutlich weil es so komfortabel ist. Die ersten zehn Suchergebnisse bei Google durchgeklickt und schon weiß ich alles über das Thema. Oder etwa doch nicht?

Suchmaschinen machen einen guten Job beim Bewerten ihrer Suchergebnisse, aber genau so gibt es eine Reihe Leute, die gut darin sind ihre Meinung in den Suchergebnissen nach oben zu befördern. Oder Gruppen von Menschen, die einfach lauter sind als andere und schon hat man nur eine Meinung in den ersten zehn Ergebnissen. Und wenn neun A sagen und einer B, dann ist A wohl korrekt, oder nicht?

Und ausgestattet mit diesem Wissen werden dann Blogartikel verfasst, oder gar Berichte in Zeitungen (von Journalisten erwarte ich irgendwie mehr…). Und dieses Wissen wird dann wiederum für bare Münze genommen. Schließlich hat der Mann schon einmal was Gutes zu Computersicherheit geschrieben, da muss er auch Ahnung von Atomkraftwerken, der globalen Wirtschaft und Krisengebieten haben.

Warum?

Weil es einfacher ist zu lesen und es hinzunehmen, anstatt zu hinterfragen und nachzudenken. Man kann nicht alles wissen. Und nur weil jemand Google bedienen kann, ist ihm noch lange nicht möglich, das Gefundene zu bewerten oder in die richtigen Zusammenhänge zu setzen.

Heute früh las ich Better. einen Blogpost von Merlin Mann und möchte folgendes Zitat herausgreifen:

"Politics, celebrity gossip, business headlines, tech punditry, odd news, and user-generated content.

Each, in its own way, contributes to the imperative that we constantly expand our portfolio of shallow but strongly-held opinions about nearly everything. Then we’re supposed to post something about it. Somewhere."

Wir haben alle Meinungen und immer mehr schreiben dazu Blogposts, schreiben auf ihre Facebook-Wall oder twittern darüber. Mit recherchiertem und gestützten Wissen durch eine Google-Suche. Kein Google Scholar (mit Fachtexten), kein Google Books, kein Gang in die Bibliothek. Eine Google-Suche und der obligatorische Griff in die Wikipedia. Ohne die Fähigkeit die recherchierten Texte bewerten zu können. Die bekannten Autoren in einem Feld sind unbekannt, die guten Verlage sind unbekannt, die Denke, die in dem Feld herrscht ist unbekannt. Und doch, sollen wir auf einmal alle Experten sein in Medizin, Wirtschaft, Physik und vielem vielem mehr. Ich glaube nicht.

Ich frage inzwischen Leute ungern, was sie mit ihrer Ausbildung anfangen können. Mich interessiert vielmehr, was die  Fähigkeiten sind, die sie erworben haben. Es gibt eine ganze Reihe Studiengänge, da ist es relativ offensichtlich (vor allen Dingen bei den Ingenieurswissenschaften), bei anderen hoffe ich bis heute eine vernünftige Antwort zu bekommen (ich schiele in eure Richtung liebe Betriebswirte, die keine Controller oder Bilanzierer sind).

Diese Fähigkeiten kann man in der Regel nicht durch zwei Stunden googlen ersetzen, sondern benötigen eine längere Ausbildung und viel Übung. Es ist eben nicht nur Faktenwissen, sondern mehr. In unserer Informationsgesellschaft ist es einfach an Faktenwissen zu gelangen. Uns fehlt aber die Fähigkeit einzuschätzen, ob diese Fakten richtig sind. Manchmal fehlt auch die eine Mindermeinung, die vielleicht erst auf der elften Ergebnisseite untergekommen ist, um das große Ganze zu verstehen.

Daher hoffe ich auf eine Rückkehr des “Expertentums”. Leute, die davon schreiben, wovon sie etwas verstehen. Und nicht Leute, die uns ihre Meinung als endgültige Wahrheit vorsetzen und jede Diskussion unterbinden, da sie recht haben. Schließlich haben sie ja zwei Stunden Google und die Wikipedia bemüht. Natürlich auch ohne zu hinterfragen.

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Es nervt…

Gestern war Karfreitag und was ich vorher noch nicht wusste: es gibt stille Feiertage an denen ein Tanzverbot gilt. Ich hatte noch nie etwas davon gehört und mir war es auch nie bewusst gewesen. War mir auch ehrlich gesagt egal und ich finde es eher ein bisschen lächerlich. Aber nun ja. Es gibt anscheinend Leute, die sich dadurch in ihrer Freiheit eingeschränkt sehen. Aber das war eigentlich nur der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Mir gehen die Atheisten auf Twitter, den Blogs und generell im Netz auf den Sack, die sich so “laut” über die Verankerung des Christentums in unserer Gesellschaft aufregen müssen. Anscheinend leben sie in Gegenden, in denen sie ununterbrochen von Missionaren angesprochen werden und deren Nachbarn ihre Häuser mit faulen Eiern bewerfen, um das Haus des Ungläubigen zu markieren.

Meine Erfahrung in der Richtung: Einmal in der Uni zwecks Bibelkreis angesprochen worden und dreimal standen in den letzten neun Jahren die Zeugen Jehovas vor meiner Tür (die schnell weg waren, als ich den beiden Damen erzählte, dass die Frau für die Verführung und das Böse steht, weil sie den Apfel angenommen und weitergegeben hat). Ansonsten hat mich noch nie ein Christ genervt, dass ich gefälligst häufiger in die Kirche gehen soll und das ich mein Leben nicht fromm genug führe. Es hat mich auch noch nie einer versucht von der Schöpfungslehre zu überzeugen, oder dass Kondome böse sind. Eher sind sie der Meinung, dass der Papst und die Kirche im Generellen ihre Meinung ändern sollte.

So lange die Menschen in Religion, egal welcher Zuflucht finden und es ihnen damit besser geht: Fein. Für mich gelten nur zwei Bedingungen: Sie verbreiten kein schädliches Wissen (Ablehnung von Wissenschaft, Kreationismus etc. und drängen es Kindern auf) und sie stressen mich nicht damit. Sprich: Sie leben es eher wie eine Art Lebensphilosophie, und nicht wie eine missionarische Religion. Ich habe ehrlich gesagt noch nie einen Christen getroffen, der diese Bedingungen erfüllt1. Könnte daran liegen, dass ich in einer Großstadt in einem aufgeklärten Industriestaat lebe.

Was ich allerdings im Netz häufig sehe sind Atheisten, welche die zweite Bedingung erfüllen: Sie stressen mich. Sie versuchen auf Teufel komm raus ihre Weltansicht zu verbreiten und spammen meine Timeline zu (aber der Noise ist immer noch geringer als der Nutzen, als dass ich sie entfolgen würde). Zum Karfreitag haben sie sich wahrscheinlich alle vorgenommen eine Demonstration oder eine andere öffentliche Veranstaltung auszurichten und Abends in nen Club zu gehen um zu tanzen und wurden enttäuscht, dass das nicht ging.

Wenn’s euch so nervt, stellt euch vor die immer leerer werdenden Kirchen und verteilt Flyer. Haltet Vorträge, warum ihr der Meinung seid, dass das Christentum und jedwede andere Religion schlecht ist. Aber posaunt es nicht immer im Netz heraus bei jeder Gelegenheit. Es stresst einfach nur.

Zum Schluss ein kleines Ding aus der Spieltheorie, was ich ganz lustig fand:

Es gibt zwei Zustände: Glauben (und ihn auch Leben) und nicht Glauben. Wenn es keinen Gott (oder entsprechende Entitäten) gibt, dann passiert nach dem Tod nichts. Wenn es ihn doch geben sollte (der Beweis steht bekanntermaßen aus), dann wird der, der den Glauben gelebt haben ewige Glückseligkeit finden. Der Ungläubige jedoch wird (je nachdem, was es da so für Entitäten gibt) für Ewigkeiten im Fegefeuer schmoren. Die Auszahlungen sind eindeutig. Im Schnitt 80 Jahre Party und dann gar nichts oder Ewigkeiten in der Hölle oder 80 Jahre gemäßigt nach Regeln leben und dann gar nichts oder ewige Glückseligkeit.

Und jetzt viel Spaß beim Zerreißen in den Kommentaren. Mich würde ja wirklich interessieren, wo ihr persönlich durch Christen (und Anhänger anderer Religionen) eingeschränkt oder gestört werdet. So sehr, dass es euer Leben wirklich einschränkt.

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  • Natürlich kann ich verstehen, dass man sich drüber aufregt, dass die Entscheidung über die Weiternutzung von Atomtechnologie u.a. mit Mitgliedern der Kirche entschieden wird. Aber hier ist das Problem wohl eher, dass man jetzt die ethische Schiene fährt, als dass man Leute nimmt, welche die Ethik, die viele in Deutschland als ihre auffassen, mit am Besten verstehen sollten. Da haben Ethiker egal welcher Couleur einfach nichts zu suchen. 100.000 Jahre Atommüll und nicht kalkulierbare Risiken sind keine Sache der Ethik. Die Sache mit der PID hingegen ist meiner Meinung nach eine ethische Entscheidung, da man hier a) definieren muss ab wann etwas Mensch ist und b) sich überlegen muss in welcher Gesellschaft man lebt. Die gleichen Leute, die gegen Maßnahmen sind, die potentiell der Überwachung dienen könnten und auf andere Bereiche als Terrorismus ausgeweitet werden können, können sich gleichzeitig nicht vorstellen, dass man in der Zukunft die PID dahin entwickelt bekommt, dass es nur noch blonde blauäuige Kinder gibt und alles andere als Mensch zweiter Klasse behandelt wird. Da werden Grundlagen für die Zukunft gelegt und man sollte nicht nur vom heutigen Stand der Technik ausgehen. Ein Durchbruch und der Kram ist auf einmal möglich. 

Die Digitale Gesellschaft

Auf der Re:Publica wurde die Gründung der “Digitalen Gesellschaft” von Markus Beckedahl, bekannt für Netzpolitik.org, publik gemacht. Wenn ich die Organisation richtig verstehe, will sie Lobbyorganisation1 für die “Netzgemeinde” sein. Über den Begriff Netzgemeinde kann man sich streiten. Auch wenn viele Leute sagen, dass es keine gibt, weiß doch eigentlich jeder wer gemeint ist. Die Leute, die weitaus mehr Zeit vor den Displays ihrer Rechner, Smartphones und iPads verbringen als sie schlafen und vermutlich alle an einem Herzinfarkt sterben würden, wenn das Internet für einen Zeitraum von wenigen Tagen vollständig ausfiele. Ich zähle mich dazu und wenn du diese Zeilen hier liest, gehörst du vermutlich auch dazu. Die Mitglieder haben die verschiedensten Hintergründe, politischen Ansichten, aber sie alle nutzen das Internet intensiv und wollen es sich in der Regel nicht beschneiden oder auch nur regulieren lassen2.

Zu dem Thema wurde viel getwittert und die verschiedensten Stimmen haben sich gemeldet zu der Thematik und auf einmal begannen meine Finger zu brennen, denn sie wollten auf eine Tastatur einhacken um diesen Text zu produzieren. In den kommenden Tagen will ich meine Meinung zu vier “Organisationen” darlegen, welche die Netzgemeinde wohl am Stärksten beschäftigen: Die Digitale Gesellschaft (DG), der Chaos Computer Club (CCC), die Piratenpartei (Piraten) und die Spackeria. Heute beginne ich mit der

Digitalen Gesellschaft

Die Gründung der DG wurde meines Wissens nach auf der Re:Publica bekannt gegeben. Ich war nicht dabei, habe bis jetzt nur die Webseite gesehen und einiges über Twitter über sie gelesen. Meines Wissens nach ein eingetragener Verein mit einer absichtlich geringen Mitgliederanzahl, der viele Unterstützer sucht. Sie will eine Interessengruppe für die Netzgemeinde sein. Meines Wissens nach wird die Mitgliederanzahl gering gehalten, um besser Entscheidungen treffen zu können. Eine Sache, die ich sehr begrüße. Mit einer kleinen Gruppe lassen sich einfach viel schneller Dinge in Gang bringen. Meines Wissens nach gibt es auch andere Nichtregierungsorganisationen mit ähnlichem Konzept. Eine kleine Gruppe entscheidet was an Projekten gemacht wird und dann helfen die Unterstützer das Ganze umzusetzen. Wenn 1000 Leute erst auf einer Mitgliederversammlung ihre Meinung zu jedem Projekt abgeben dürfte, würde wohl nichts in Gang gebracht werden. Auch für die Kommunikation mit Politikern u.ä. kann man so besser kontrollieren, wer auf seiner Visitenkarte zu Recht “Digitale Gesellschaft” zu stehen hat und wer damit im Namen der Organisation spricht. Ich hoffe, dass diese Leute auch gut auf ihre Aufgabe vorbereitet sind bzw. werden. Gegebenenfalls auch ein Rhetoriktraining vom Verein gesponsort bekommen.

Was mich wundert ist, dass noch nicht bekannt gegeben wurde, wer eigentlich Mitglied im Verein ist. Die Netzgemeinde ist in der Regel sehr für Transparenz und zumindest die Mitglieder sollten offen dargelegt werden. Ich hoffe jedoch, dass es nicht zu viel Transparenz geben wird, dazu aber später.

Es wundert mich noch viel mehr, dass ihr Twitter-Account erstmal anfing seltsame Tweets auszuspucken. U.a. wäre da einer, dass man Dinge moderieren muss und ein bereits gelöschter3, der das prominente Piratenmitglied und ehemaligen Bundestagsabgeordneten Tauss angreift. Der Sinn einer kleiner Gruppe ist doch gerade, dass man Informationen und Gesagtes, das nach außen dringt kontrollieren kann. Ich hoffe derjenige, der den Tauss-Tweet abgesetzt hat, hat einen deftigen Einlauf bekommen. Meiner Meinung nach sollte ein solcher Account ausschließlich zur Freigabe von Information dienen und das war’s. Nichts organisatorisches und er sollte sich niemals auf eine Diskussion einlassen. 140 Zeichen reichen dafür nicht aus, es wird schnell etwas geschrieben, was man ggf. später bereut und und es sieht unprofessionell aus. Aufgrund Tweets der genannten Art bin ich dem Account auch erstmal entfolgt, aber mal schauen.

Der nächste Kritikpunkt richtet sich an die Gesuche. Es wird alles mögliche gesucht - vom Blogger bis zum Designer. Aber niemand der Recherche betreibt? Sowohl wissenschaftliche, als auch journalistische Recherche sind meiner Meinung nach unabdingbar für eine Lobbyorganisation. Diese Leute suchen nach Material, dass Argumente für die Sache stützt und ausmacht, welche Organisationen, Politiker und ähnliche für die eigene Sache gewonnen werden können und bei wem es eher problematisch wird. Suche nach Zeitungsartikeln, Studien, Interviews, you name it. Natürlich suchen die auch nach Argumenten gegen die eigene Sache. Dieses Material wird aufbereitet und dann an Leute weitergegeben, die es verarbeiten können (Texter, Blogger, Infografiker etc. bzw. die am Schluss damit ihre Diskussionen führen werden). Das Rohmaterial sollte meiner Meinung nach nicht in allen Fällen offen liegen, vor allen Dingen alles was gegen die eigene Sache spricht. Aber auch das wird benötigt, damit die, die am Schluss mit Leuten diskutieren müssen, darauf vorbereitet sind und kontern können. Diese Recherche ist verdammt viel Arbeit und daher wundert es mich, dass da nicht versucht wird zu delegieren. Mit einer einfachen Google-Suche ist es da nicht getan und an Artikel in Fachzeitschriften kommt auch nicht jeder ran. Hier möchte ich auch noch mal auf die Transparenz kommen. Gerade die Gegenargumente sollten irgendwo gelagert werden, wo nicht jeder rankommt. Man brauch es “den anderen” nicht zu einfach machen. Das gesamte Rohmaterial und ggf. bestimmte aufbereitete Sachen sollten nicht gesammelt offen im Netz liegen, wo jeder rankommt. Eine professionelle Lobbyorganisation aus der Industrie wird sich für die gemachte Arbeit bedanken. Btw. das wäre übrigens die einzige Sache an der ich Interesse hätte zu helfen. Aufgabenorientierte Recherche.

Der letzte Kritikpunkt richtet sich an das Praktikantengesuch der DG. Sie suchen eine Praktikanten mit relativ viel technischem Vorwissen und wollen gerade einmal 200€/Monat zahlen. Natürlich gibt es durch die Praktikumspflicht für viele im Bachelor eine Praktikantenschwemme. Aber gerade aus der Ecke hätte ich das nicht erwartet. Es ist besser als nichts und man sucht sicherlich auch die, die auch für lau ein Praktikum gemacht hätten. Aber es hinterlässt einen schalen Beigeschmack. Wer die entsprechenden Fähigkeiten hat, hat hoffentlich einen gut bezahlten Studentenjob, bei dem er mit seinem Chef sprechen kann, dass er ein entsprechendes Praktikumszeugnis bekommt. Man sollte sich nicht unter Wert verkaufen. Und den Anschein hat dieses Angebot.

Im Großen und Ganzen finde ich die Idee einer Lobbyorganisation für die Interessen der Netzgemeinde sehr gut. Umso mehr Gruppen, die etwas machen, umso besser. Zur Zeit kämpft die DG anscheinend sehr öffentlich mit Startschwierigkeiten. Ich hoffe, die Leute lassen sich nicht unterkriegen und professionalieren sich sehr sehr schnell. Wir brauchen jemand der das direkte Gespräch in Berlin und in Brüssel sucht, sowie die Leute, den Willen und die Ressourcen hat.

In Kürze geht es dann weiter mit dem Chaos Computer Club.

 

  • Wer Lobbyorganisation als Begriff nicht mag, kann sich an die Stelle auch Interessengruppe denken. 
  • Die Mitglieder sind meiner Vermutung jedoch im Schnitt zwischen 25 und 35 Jahren alt, haben eher einen technischen Hintergrund mit sehr guter Schulbildung, eine eher linke politische Ansicht, und ziehen die Ratio dem Pathos vor. Wer von außen auf sie schaut, wird eine gewisse elitäre Einstellung nicht verkennen können. 
  • Grade die DG sollte wissen, dass das Netz nicht vergisst und zur Vollständigkeit der Tweet: "Wer soviel für die Glaubwürdigkeit der deutschen Netzpolitik getan hat wie Herr Tauss, den wollen wir übrigens wirklich nicht als Mitglied." - 17.04.11 17:30, Link, der ins Leere führt

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Ein Wort zu Piraterie im Netz

Wann ist der Moment gekommen, an dem sich die Firmen wirklich keine Gedanken mehr um Piraterie von digitalen Medien machen müssen?

Meine Antwort: Wenn es einfacher ist zu kaufen, als es umsonst im Netz zu finden.

Und warum schreibe ich das heute? Ich habe mir vor einiger Zeit den Tron Legacy-Soundtrack als digitalen Download vorbestellt in der Hoffnung ihn dann sofort zu haben, wenn er verfügbar wird. Offizielles Veröffentlichungsdatum für den Soundtrack ist der 7. Dezember. Vorher gab es schon den Song Derezzed für Vorbesteller. Und heute lese ich auf Twitter, dass der Soundtrack auf Spotify veröffentlicht wurde. Er ist aber wohl nicht vollständig. Trotzdem habe ich mal auf der Pirate Bay und Soundcloud vorbeigeschaut. Und siehe da, dort gibt es den Soundtrack mit 22 Songs. So wie es aussieht, ist das der vollständige Soundtrack. Da freut man sich doch als Käufer des Soundtrack. Warum Disney zieht ihr dann die digitale Veröffentlichung nicht vor. Mann ey, also wirklich…

Ähnlich geht es mir mit Filmen. Originalsprachliche Filme über das Internet legal zu beziehen ist nicht einfach und selbst in der Leihversion um einiges teurer, als in der Videothek. Will ich einen Großteil der Filme aber haben, sind sie auf den einschlägigen Seiten schnell und einfach in Originalsprache verfügbar. Notfalls sind sie eine Google-Suche entfernt. Vorteil gegenüber der Videothek: ich muss nicht erst hingehen (ist ein Stück weg) und hoffen, dass sie den Film auch da haben. Vorteil Videoshops im Netz: der Film ist betriebssystemübergreifend für mich in Originalsprache relativ schnell verfügbar.

Bei Musik zum Beispiel ist es hingegen inzwischen soweit, dass ich sie mir im Netz kaufe. Im iTMS und bei Amazon ist die meiste Musik schneller gefunden als über Google meiner Erfahrung nach. Außer bei bestimmten Labels, die es schaffen ihre Sachen nicht in deutsche Onlinestores zu bringen. Mir fällt da Avex aus Japan ein oder so manch amerikanischer Künstler. Da bin ich dann auch versucht Google mit entsprechenden Suchbegriffen zu füttern.

Ein weiteres wunderbares Beispiel ist Eclipse Phase. Ein Pen&Paper-Rollenspiel das unter Creative Commons veröffentlicht wird. Das Spiel wird in größeren Online-RPG-Shops als PDF vertrieben und über die gängigen Online-Shops auch als Hardcover. Wird die PDF veröffentlicht ist sie in der Regel die ersten paar Tage einfacher im Shop zu kaufen, als Online zu finden. Will ich den Kram also sofort, geh ich shoppen und dabei unterstütz ich auch noch nen Projekt bei dem die Macher gleich das ganze Geld bekommen (minus den Abschlag vom Zwischenhändler), weil sie ihren eigenen Verlag gegründet haben. Die kleinen Sachen, wie Abenteuer für $5 findet man selbst nach einigen Tagen nur schwer im Netz. Einige Sachen werden inzwischen direkt von den Autoren auf ihren persönlichen Webseiten zum DL zur Verfügung gestellt. Soweit ich weiß seeden sie sogar die Torrents des Spiels. Aber man findet davon nichts auf eclipsephase.com. Dort findet man nur die Links in die Online-Shops. Es ist einfacher die Veröffentlichungen zu kaufen als sie kostenlos runterzuladen. Und dabei wäre es hier sogar legal.

Bei Apps im AppStore von Apple kaufe ich auch lieber. Ich hab das mal mit der Piraterie von Apps ausprobiert. Ein Krampf. Jailbreak, weitere Software und dann erstmal im Netz die gewünschte App finden. Da kauf ich lieber, vor allen Dingen für den Preis, den der Großteil der Apps kostet. Bei Programmen für OS X geht es mir ähnlich. Bis man den Serial gefunden hat für ne Anwendung im Netz, hat man dreimal die Zeit raus, wenn man die App einfach gekauft hätte.

Bei ebooks ist es gefühlt zur Zeit ähnlich. Wenn ich mir den Kindle-Store von Amazon ansehe, gibt es da eine Menge das ich gerne hätte, aber nicht online finden kann. Dort sind mir allerdings die Preise noch zu hoch. $17 für ein Buch, dass ich schon als Papierbuch besitze ist happig.

Frau Rowling ist wohl übrigens der Meinung, dass Harry Potter nicht als ebook veröffentlicht werden sollte, weil es die Verkäufe der Papierbücher einschränken könnte. WTF?! Zum Einen besitzt wohl jeder, der sich für Harry Potter interessiert inzwischen die Bücher, zum Anderen ist es verdammt einfach die Bücher kostenfrei (aber illegal) im Netz zu finden. Gute Frau Rowling: Wer die Bücher als ebook lesen will, wird sie sich dann auf andere Weise beziehen und Geld wird bei ihnen keins ankommen. Also einfach veröffentlichen und fertig. Sonst kommt am Ende ggf. gar kein Verkauf zustande. Seitdem ich einen Kindle besitze, will ich auch keine Bücher mehr auf Papier lesen. Es ist einfach weitaus angenehmer für mich damit Bücher zu lesen.

Den zweiten Grund meiner Meinung nach, warum Piraterie betrieben wird, habe ich inzwischen zweimal angesprochen. Die digitalen Medien sind noch zu teuer. Filme sind im Verleih teurer als in der Videothek und wenn ich sie kaufen will, sind sie in der Regel teurer als die DVD. Wobei ich jetzt aber nicht weiß, wie es sich mit Full-HD-Material verhält. Bei Büchern ist der Unterschied zwischen digitaler und analoger Variante zu klein meiner Meinung nach. Vor allen Dingen, wenn ich noch den Gebrauchtmarkt mit einbeziehe. Wann kommt der Service eigentlich, dass ich für wenig Geld meine analogen Bücher nach mobi umwandeln kann. Bücher hingeben und die wandeln es mir für wenig Geld um.

Digitale Musik jedoch ist in der Regel billiger als die CD (außer die vom Schnäppchen-Tisch und den Beatles…). Und bei o.g. Eclipse Phase ist die PDF auch viel billiger als das Buch.

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Das christliches Menschenbild und Frau Merkel

Wenn ich manchmal so lese, was die Leute in meiner Timeline auf Twitter schreibe, bewegt sich mein Kopf schnell in Richtung Schreibtisch. Heute war es mal wieder so weit.

Laut dem Tagesspiegel hat Frau Merkel doch tatsächlich gesagt, dass Fehl am Platz sei, wer sich nicht am christlichen Menschenbild orientiere. Und Spiegel Online schrieb folgendes Seehofer-Zitat: “Wir als Union treten für die deutsche Leitkultur und gegen Multikulti ein - Multikulti ist tot.”

Gut zu wissen, dass die Union jetzt komplett nach rechts abrutscht und das Schwarz zu Braun wird. Frau Merkel tritt schließlich mit ihrem Satz gegen eine Menge Gruppen an. Juden, Muslime, Konfuzianisten, Hinduisten, Buddhisten etc. Aber das ist mehr als offensichtlich. Aber mir soll es ja um die Menschen in meiner Timeline gehen, die mich aufgeregt haben. Zwei Tweets möchte ich herausgreifen.

Sixtus

Merkel will mich ausweisen? "Wer sich nicht am christlichen Menschenbild orientiere, sei fehl am Platz"

Max Winde

Dann schmeiß much raus, Merkel! "Wer sich nicht am christlichen Menschenbild orientiere, sei fehl am Platz" (sic!)

Leute, ich muss euch enttäuschen. Ich habe eure Biographien nicht gelesen aber vermutlich orientiert ihr euch alle am christlichen Menschenbild. Das Grundgesetz baut auch auf dem christlichen Menschenbild auf. Wenn man nicht außerhalb Europas, der USA, Südamerika oder einer anderen Region aufgewachsen ist, in der das Christentum die dominierende Institution der Moral über Jahrhunderte war, orientiert man sich in der Regel am christlichen Menschenbild. Das ist ein Meme.

Selbst der strengste Atheist, der in einer der oben genannten Regionen aufgewachsen ist, wird sich am christlichen Menschenbild orientieren. Nur weil man der Meinung ist, dass es keinen Gott gibt, heißt das noch nicht, dass man nicht die gleichen Werte hat und damit auch das gleiche Menschenbild.

Das schlimme an Frau Merkels Satz ist, dass sie ausschließt, dass Menschen, die in einer nicht-christlichen Region/Umgebung aufgewachsen sind, nicht hierher gehören und damit anscheinend auch gegen mehrere Artikel des Grundgesetzes ist (Art.2 (2), Art. 3(3), Art. 4(1) fallen mir spontan ein). Vielleicht sollte der Verfassungsschutz langsam aber sicher nicht nur die Linke überwachen, sondern auch CDU/CSU.

Der Ansatz ist falsch: Es sollte nicht heißen, “schmeiß mich raus”, sondern “dann schmeißen wir sie raus.”

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Eigentlich wollte ich Sarrazin ja ignorieren

Vor ein paar Tagen habe ich zwei Tweets rausgeschickt. Einen davon aber gelöscht, daher beide hier im Zitat:

“Ich wollte Sarrazin ja ignorieren, aber irgendwie hat niemand mitgemacht”

“Gibt’s eigentlich das Buch von Sarrazin als Torrent? Ich würde es gerne lesen aber erst danach entscheiden, ob ich dafür Geld bezahlen will”

Ich habe das Buch von dem guten Mann nicht gelesen und nur über diverse Medienkanäle die Diskussion mitbekommen. Sei es nun Hr2 - Der Tag, Hart aber Fair oder auch diverse Einträge bei Telepolis und anderen Blogs/Nachrichtenseiten. Es heißt, dass Herr Sarrazin eine Diskussion angestoßen hätte. Wobei ich mir die Frage stelle, ob man ihn nicht besser ignoriert hätte. Schließlich wird sich gerade durch die “große Diskussion”, die durch sein Buch entstanden ist sein Buch ordentliche Verkaufszahlen einhandeln. Und jeder der das Buch von Sarrazin kauft finanziert damit seine Meinung.

Aber was ist diese Diskussion? An sich ist es doch nur die seit Jahren schwelende Diskussion, dass ein Teil der Bevölkerung der Meinung ist, dass es zu viele islamische Migranten gibt, die nicht willig seien sich zu integrieren. Sie stören unsere abendländisch-christliche Leitkultur und aufgrund ihres mangelnden Integrationswillens sind sie nicht in der Lage ihren Teil in der Gesellschaft zu leisten. Sarrazin hat da noch ein bisschen Sozialdarwinismus reingemischt, damit die Suppe nicht mehr schwarz, sondern endgültig braun ist. Und was ich verstörend finde ist, dass die Basis einer Sozialdemokratischen Partei in 2000 E-Mails ihrem Vorstand mitteilt, dass Sarrazin nicht sein Parteibuch verlieren soll. Schließlich sagt der gute Mann ja, was wir alle denken.

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p style=“text-align:left;">Und das Schlimme? Ich glaube wirklich, dass viele so denken. Schon seit Jahren sehe ich einen schwelenden Rassismus in unserer Gesellschaft. Statistisch kann ich das nicht belegen, es sind so die vielen Alltagsunterhaltungen, die man führt. Dabei meine ich jetzt nicht die gezwungene politische Korrektheit, die gleichzeitig vorherrscht. Da halte ich es ehrlich gesagt ein wenig mit Avenue Q: Jeder ist ein bisschen rassistisch (Everybody’s a little bit racist - ab Min. 1:10).

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p style=“text-align:center;">

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=x9CSnlb-ymA&fs=1&hl=en_US]

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p style=“text-align:left;">Das bedeutet aber eher das wir alle unsere Stereotypen mit uns rumtragen. Sei es nun positiv oder negativ. Das ist zwar nicht schön, ist aber so. Es hilft uns unser Leben einfacher zu machen und wenn wir uns das Eingestehen würden, würde es gleichzeitig die Diskussion vereinfachen. Aber es gibt hier auch wieder das Henne-Ei-Problem, wenn nur einer damit anfängt, dann wird er vermutlich gleich als Rassist hingestellt, da er zu offen seine Meinung wiedergibt und nicht politisch korrekt ist. Aber nur wenn wir offen sprechen können, können wir auch wirklich diskutieren.

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p style=“text-align:left;">Das Problem mit dem schwelenden Rassismus, den ich oben ansprach, nennen wir ihn mal Alltagsrassismus ist, dass er immer wirklich negativ ist. Es ist der Teil des Rassismus, der auch in o.g. Lied als negativ angesprochen wird. Und wodurch wird er beflügelt? Durch eine dauerhaft negative Darstellung des Islam in den Medien. Hagen Rether stellt das in seiner Aufführung gut dar und ich danke ihm dafür. Das Video werden vermutlich genug inzwischen gesehen haben, da es seine Runde über Twitter gemacht hat.

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p style=“text-align:center;">

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=QL65dcC_UNM&fs=1&hl=en_US]

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;">Wie kann es sein, dass nur negatives berichtet wird? Nur weil man einer Glaubensrichtung angehört, ist man nicht gleich Fundamentalist. Und wenn ich mir anhöre, was so mancher christlicher Fundamentalist von sich gibt, bekomme ich es auch mit der Angst. Wir schreiben 2010 und manchmal komme ich mir vor als ob wir 1010 schreiben. Da ist doch tatsächlich die Religionszugehörigkeit selbst bei aufgeklärten Menschen eine Grundlage für den Stereotyp.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;">Wenn ich mir anhöre, dass Leute Angst haben nach Neukölln zu kommen weil es da ja so gefährlich ist (aufgrund der vielen Ausländer, was aber in der Regel nicht gesagt sondern angenommen wird, dass es gemeinsame Meinung ist) kann ich mir nur jedes Mal an den Kopf packen. Die Leute sollten mal nach Neukölln kommen. Was sehe ich da? Viele hauptsächlich türkische Familien, die liebevoll mit ihren Kindern umgehen. Wer sitzt schon um 9 Uhr mit der Pulle da? In der Regel sind das eindeutig Deutsche. Wer schreit sein Kind an und hat die Hand schon erhoben, bevor er/sie bemerkt, dass er/sie ja in der Öffentlichkeit ist und das wahrscheinlich nicht so gut kommt, wenn man jetzt zuschlägt? Deutsche.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;">Vor welchen Gegenden habe ich Angst? Eher so Marzahn, Hellersdorf, ggf. der Speckgürtel um Berlin. Und warum? Wegen der größeren Anzahl an Neonazis, denen eigentlich ihr Ziel für ihre Aggression relativ egal ist. Und welche Nationaliät haben Neonazi in der Regel? Na? Richtig, Deutsch.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;">Bevor also irgendwer anfängt ganze Volksgruppen über einen Kamm zu scheren aufgrund ihrer Nationalität oder Religiösität, sollte er erst einmal in sein eigenes Land schauen. Da gibt es auch genug Vollpfosten. Und selbst die haben eine Geschichte, warum sie zu dem geworden sind, was sie sind. Ich hab jedenfalls noch kein Baby gesehen, das den rechten Arm gehoben hat.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;">Nur weil es uns wirtschaftlich grade nicht so gut geht, und hey uns geht es immer noch besser als in einem Großteil der Welt heißt es nicht, dass wir die Schuldigen woanders suchen müssen. Die Gründe sind vielfältig aber Zugezogene sind es sicherlich nicht. Ohne die, wären wir nämlich lang nicht da, wo wir heute sind.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;">Und wenn eine Frau Kopftuch tragen will, soll sie doch. Was wäre los, wenn man auf einmal verbieten würde ein Kruzifix am Hals zu tragen oder Nonnen zu unterrichten? Oh oh oh… Aber schließlich pflegen wir hier die christlich-abendländische Kultur. Unser Wertesystem entstammt dem Christentum aber das berechtigt uns noch lange nicht andere Wertesysteme zu diskriminieren. Unsere Kultur ist ein Gemisch, dass sich über eine sehr lange Zeit entwickelt hat. Und zwar aus einer Zeit, die sogar noch vor den Anfängen des Christentums lag. Unsere Kultur gewinnt nur durch Migranten, verlieren wird sie nichts. Nur weil ihr nicht mit Veränderung klar kommt, heißt das noch lange nicht, dass ihr andere Beleidigen dürft.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;">Wir leben hier in einer Demokratie und so lange jeder der geltenden Gesetzgebung folgt und nicht gegen die Verfassung handelt, darf er machen was er will. Eine Erinnerung an die Grundrechte aus unserem Grundgesetz:

  • Artikel 2 (1): Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
  • Artikel 3 (3): Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;">Und wenn mir jemand die arabischen oder türkischen Supermärkte, Gemüsehändler, Friseure u.ä. zeigt, die ihr Angebot auf der entsprechenden Landessprache anbieten finde ich das gut. Warum auch nicht? In Gegenden, in denen viele US-Amerikaner leben gibt es entsprechendes auch in Englisch (und in ihrer Parallelgesellschaft auf den Basen sowieso…). Wenn es die Nachfrage nach so etwas gibt, wird es auch das entsprechende Angebot geben. Ich war zwar noch nicht auf Mallorca aber ich vermute mal ganz stark, dass es da ähnliches mit Deutsch gibt. Ich hab mir sagen lassen, dass sich da genug Deutsche auch nicht integrieren und Spanisch lernen. Sprachen lernen ist nämlich aufwendig und wenn’s auch anders geht. Aber damit wird man nicht unbedingt weit kommen. Will man sich in eine Gesellschaft integrieren und in dem Land zu etwas bringen, wird man nicht daran vorbei kommen und muss die Landessprache lernen. Aber das passiert soweit ich weiß in der Regel auch, dauert halt ein bis zwei Generationen. Nur Integration heißt nicht Assimilation. Warum soll ich meine kulturelle Identität aufgeben, nur weil ich in einem anderen Land lebe? Exakt, dafür gibt es keinen Grund.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;">Unsere Regierung sollte sich besser darum kümmern, dass den Zugezogenen aus anderen Ländern geholfen wird hier klar zu kommen und dazu gehören nicht nur Integrationskurse, sondern auch ein Bildungssystem, dass hilft Chancengleichheit zu schaffen. Dann wird man vielleicht auch die oben genannten Vollpfosten dezimieren können. Mit Bildung dürfte die Chance niedriger sein in eine extreme Richtung zu schwenken (auch wenn z.B. Sarrazin uns vormacht, was auch mit Bildung passieren kann).

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;">Das einzige was in dieser Diskussion zählen sollte ist, dass wir Menschen, die in unserer Gesellschaft benachteiligt sind Chancengleichheit zu schaffen. Sei es nun weil sie aus einem niedrigeren sozialen Stand kommen, weil sie die Landessprache nicht gut genug sprechen oder was es da sonst noch gibt.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;">Und was dann auch noch ganz wichtig ist: Wir sollten uns alle mit dem gebührenden Respekt behandeln. Ich habe mir sagen lassen, dass es da aus der Grundlage der christlich-abendländischen Kultur, die sich Bibel nennt einen ganz wichtigen Satz gibt:

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;">Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

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p style=“opacity:1!important;text-align:left;">Für mich bedeutet das, dass man andere Menschen so behandeln sollte, wie man selbst behandelt werden will. Und Respektlosigkeit und Beleidigungen zählen da sicher nicht dazu.

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Gute Podcasts sind selten

Gestern schrieb Tim Pritlove auf Twitter, dass er Chaosradio Express-Sendungen auf Halde hat und diese früher veröffentlicht gegen Bestechung. Im IRC kam dann die Idee einer Blogkette auf und Tim rief dazu in seinem Blog auf mit dem Beitrag “CRE: Kettenblogging für Weltfrieden”.

Auch wenn ich der Meinung bin, dass er lieber die Sendungen auf Halde liegen lassen sollte um sie dann im 5- oder 7-Tagesrhythmus zu veröffentlichen, schließe ich mich der Blogkette an. Warum? Weil es ein guter Anlass ist um über Chaosradio Express zu schreiben.

Chaosradio Express ist die Weiterführung von Chaosradio, einer monatlichen Sendung auf Fritz im Rahmen des Blue Moon, die bereits seit fast 15 Jahren läuft. Dort wird über Computer, Technik und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft mit Hörern geredet - anfangs für 3 Stunden, inzwischen nur noch für 2 Stunden. Was mich am Chaosradio schon immer gestört hat, waren die Anrufer. Es ist eine Talk-Sendung und da gehören die Anrufer dazu aber dadurch kommen oftmals die Themen viel zu kurz.

Dankenswerterweise hat sich Tim 2005 aufgemacht um das Chaosradio raus aus dem Fritz-Studio zu bringen. Dafür trifft er sich mit einem oder mehreren Gesprächspartnern, die Ahnung von einer bestimmten Thematik haben und interviewt sie dazu für 1,5h - 3h. Die Themen sind sehr weitreichend. Ich kann mich an Sendungen über Poststrukturalismus, Perry Rhodan, Kaffee, Computerspiele, diverse Programmiersprachen, Compilerbau und was nicht alles erinnern. Inzwischen gibt es über 131 Folgen und ich kann mich an keine erinnern, die nicht hörenswert gewesen wäre. Aber das ist Geschmackssache. Einige Leute hören lieber die technischen Folgen, andere eher die Folgen über nicht ganz so technische Themen. Auf jeden Fall macht sich Tim viel Arbeit mit jeder Folge. Zu jeder gibt es eine ausführliche Linkliste um sich weiter in die Thematik einzulesen bzw. um nochmal etwas nachzulesen falls man den Faden verloren hat und es einem einfach zu hoch ist.

Mal abgesehen von der guten Auswahl der Interviewpartner (bis auf seltene Ausnahmen) und Themen ist CRE einer der wenigen Podcasts, die meinen persönlichen Qualitätsansprüchen genügen. Natürlich gibt es auch eine ganze Reihe Radiosender, die Podcasts veröffentlichen aber das ist Zweitverwertung (empfehlenswert sind hier die Sachen vom Deutschlandradio, hr2 und This American Life). Ich rede hier von Podcasts, die als Podcast gemacht worden sind. Die meisten leiden unter schlechter Audioqualität und machen dadurch keinen Spaß. Im deutschen Sprachraum fallen mir persönlich nur eine handvoll ein mit ähnlicher Qualität (mal abgesehen von Tim Pritloves Podcasts wären da noch die vom Undsoversum). Im angelsächsichen Sprachraum behindern sich die meisten durch Skype-Gesprächspartner und damit sinkt auch bei diesen die Audioqualität.

Hört sich alles nach Beweihräucherung an aber ich kann (leider?) nichts negatives über den Podcast sagen. In der Schule würde ich ne 1+ geben weil einfach alles stimmt und da auch eine Menge Arbeit hinter steckt. Jeder sollte mal einen Blick auf Chaosradio Express werfen, da sich bestimmt min. ein Thema findet was ihn interessiert.

Wer übrigens am ersten Sonntag eines Monats in Berlin sein sollte, kann auch andere Hörer treffen. Seit kurzem gibt es einen regelmäßigen Hörerstammtisch bei dem sich CRE-Hörer treffen um über alles mögliche zu quatschen. Einfach mal im Wiki vorbeischauen.

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Zum Grundeinkommen

Aufgrund der Petition zum Grundeinkommen und den Sachen, die man so auf Twitter liest und in Blogs muss ich langsam meine Meinung in mehr als 140 Zeichen loswerden auch wenn ich eigentlich für meine morgige Klausur zum Thema “Ökonomische Theorie der Politik” lernen müsste.

Kurz zu meinem Hintergrund - ich studiere Japanologie mit Schwerpunkt Wirtschaft/Politik und Volkswirtschaftslehre im 10. bzw. 9. Semester. Mit am meisten interessiert mich die steigende Ungleichheit in der Welt und in den einzelnen Ländern sowie das Sozialsystem in Deutschland und in Japan.

Der Idee des Grundeinkommens stehe ich per se aufgeschlossen gegenüber. Aber leider fehlt mir bei jedem Konzept bis jetzt eine einleuchtende Erklärung wie das ganze bezahlt werden soll. Bei sagen wir 1000€ Grundeinkommen pro Person in Deutschland sind das 800.000.000.000 Euro pro Jahr. Bei den Banken gibt man größtenteils erstmal nur Garantien. Die Petition spricht übrigens von 1500€ für Erwachsene und 1000€ für Kinder.

Beim Grundeinkommen fließt Geld und zwar eine Menge. Wie das gegenfinanziert werden soll ist mir unklar.

Außerdem frage ich mich wie wohl die Nutzenanalyse im Sinne der Transferleistungen aussieht - insbesondere im Vergleich zu HartzIV. Aber das Selbe Problem hat auch eine von mir bevorzugte “angemessene Existenzsicherung”.

Tim Pritloves Definition von Arbeit in seinem Blogeintrag zum Grundeinkommen, also “Tätigkeit, die ich eigentlich nicht tun möchte” kann ich auch nicht zustimmen. Arbeit bedeutet, dass ich für etwas Geld bekomme - was auch immer das ist: Selbstentfaltung oder Putzen. Das ist eigentlich relativ egal. Ich denke, dass die Hauptsache ist, dass man nicht dem Rest der Gesellschaft auf der Tasche liegt. Ich weiß, das klingt hart und jetzt werden ne Menge sagen, dass ich unsozial bin und vielleicht mal mein Menschenbild ändern sollte aber das ist Unfug.

Sowohl ein Grundeinkommen als auch eine angemessene Existenzsicherung funktionieren nur wenn Leute für etwas über dieses Geld hinaus Geld bekommen und dann an die Gesellschaft, also den Staat, einen Teil zurückzahlen.

Als nächstes sind da zur Zeit schlecht bezahlte Jobs, die keiner machen will. Argument: Wenn wir ein Grundeinkommen werden solche Jobs endlich ordentlich bezahlt weil der Markt das dann regelt. In meinem Kommentar zum obigen Blog-Post habe ich noch den Müllmann gewählt aber die sind afaik sogar recht gut bezahlt. Nehmen wir also die Putzfrau oder den Callcenter-Agent in irgend so nem Sweatshop-Callcenter (hab ich selbst schon gemacht…beides). Das sind Jobs, die man nicht wählt weil man sich darin selbst entfalten kann, sondern weil man Geld braucht.

Der Markt regelt die Löhne von diesen Jobs jetzt schon - sonst wären sie nicht so niedrig. Jede Putze und jeder Callcenter-Agent würde sofort was anderes machen mit einem höherem Lohn wenn es denn ginge (nehme ich zumindest an). Das Problem ist, dass die Leute nicht gut genug qualifiziert sind oftmals und daher keine besseren Jobs bekommen.

Bei einem Grundeinkommen wird nun niemand mehr diese Jobs mehr machen oder die Jobs sterben aus (oder werden verlagert in andere Länder wenn möglich…sind uns die Leute dort egal? Ein Inder kann’s tun, ich hab ja Grundeinkommen…). Da auch niemand bereit ist entsprechend viel zu bezahlen oder die Kosten werden auf die Löhne anderer Jobs umgelagert und diese werden dann schlechter bezahlt…hmm…ich seh schon wie der Diplominformatiker voller Elan die selbe Kohle bekommt wie die Putzfrau. Sie macht ihren Job und bekommt so viel weil sie schlecht qualifiziert ist und nichts anderes bekommt und er macht seinen Job und bekommt so viel weil er sich frei entfalten kann bei dem was er gerne macht und entsprechend qualifiziert ist. Der einzige Anreiz für eine höhere Qualifizierung ist also der Anreiz sich später frei entfalten zu könne. Ich will sehen, dass das passiert und das dabei nicht Abbruchquoten an den Unis nicht hochgehen.

Ach ja, ist das Grundeinkommen zu hoch und die Leute bekommen dadurch einen Lebensstandard der mehr als 50% hoch genug ist, dann haben wir auf einmal weniger als 50%, die mit ihrer Mehrwertschaffung den Rest mitfinanzieren. Auf das du dann genug verdienst, dass nicht alles gleich in Transferzahlungen und Steuern draufgeht.

Ich bin für eine angemessene Existenzsicherung. Die Leute sollen nicht hungern und Obdachlose mag ich auch nicht sehen. Aber jeder soll seinen Teil zur Gesellschaft beitragen. Geht’s einem schlecht, soll die Gesellschaft ihm helfen und er bekommt genug um (evtl. sogar gut) leben zu können. Aber er soll möglichst schnell Sorge dafür tragen, dass er wieder in eine Situation kommt um sich selbst auf den Beinen halten zu können, denn auch andere brauchen Hilfe. Sprich: Bekommst du “Stütze” musst du jeden Job annehmen, der dir angeboten wird. Skandinavien macht das meines Wissens nach so.

Wenn du etwas machst bei dem du dich frei entfalten kannst und die Gesellschaft stützt: Toll. Wenn nicht, musst du halt auch was machen um nicht vom sondern mit dem System zu leben.

Die Grundeinkommler sprechen immer davon, dass die Gesellschaft ja so geld- und arbeitsorientiert ist und dass das Grundeinkommen wieder zu einem Miteiander führt. Aber wie wollen sie verhindern, dass Leute das System ausnützen? Sie schaffen doch gerade die Anreize zum Egoismus und zum weg von der Gesellschaft. Wenn ich genug Geld kriege um gut zu leben und mich dann tun und lassen kann was ich will - warum sollte ich mich bemühen etwas zu tun, dass genug schafft, damit ich der Gesellschaft etwas zurückgeben kann? So viele gute Menschen gibt es glaub ich nicht - oder ich treff einfach in der Masse die falschen.

Zum Abschluss noch einmal: Nein zum Grundeinkommen, ja zur angemessenen Existenzsicherung!