Strichfolgen-Suche

Wer ein bisschen Japanisch kann und sich mit Kanji auseinandergesetzt hat, weiß, dass Kanji eine feste Strichfolge haben. Als Beispiel das Kanji 本 (wird “hon” bzw. “moto” gelesen und bedeutet so viel wie Buch oder Ursprung). Hierfür einfach mal diesem Link folgen. Dort gibt es eine Animation mit der korrekten Strichfolge.

Komplexere Kanji bestehen aus mehreren Teilen, die Radikale genannt werden. Und hier fängt das Problem an, dass mich gestern beschäftigt hat. Es geht um das Kanji 組 (bedeutet soviel wie Gruppe, Klasse, Partei usw.). Der linke Teil nennt sich “ito-hen” und stammt von dem Kanji 糸 (ito, bedeutet Faden). Schaut man sich die Animation von 糸 an, sieht man das der “untere Teil” in der Reihenfolge Mitte, Links, Rechts geschrieben wird. Schaut man sich jedoch die Animation von 組, stellt man fest, dass der untere Teil vom ito-hen Links, Mitte, Rechts geschrieben wird. Schaut man in “Langenscheidt’s Handbuch und Lexikon der japanischen Schrift: Kanji und Kana 1” wird es auch von Links nach Rechts geschrieben. Darüber gestolpert bin ich übrigens weil iKanji Touch (hab ich hier drüber geschrieben Meiner Meinung nach, wird aber auch ito-hen wie 糸 Mitte, Links, Rechts geschrieben) auch dieser “Fehler” existiert.

Es war gar nicht mal so einfach festzustellen welche Reihenfolge denn nun richtig ist. Im Gegensatz zu der Liste über Kanji im täglichen Gebrauch ist die Strichfolge meines Wissens nach nicht staatlich reguliert. Aber sie ist wichtig um Handschriften lesen zu können und damit die eigene Handschrift gelesen werden kann (und damit man nicht von Japanern kritisiert wird 😉 ). Über die Mailingliste der TLUG (Tokyo Linux User Group), zu Fragen über die japanische Sprache (die ML nennt sich “lingo”) habe ich dann schlussendlich Antwort bekommen: Eines der Mitglieder hat seine Tochter, die gerade in der sechsten Klasse in Japan ist, gefragt. Da in Japan in der Grundschule Kanji wichtiger Bestandteil sind und es häufig Tests gibt, ist sie eine hervorragende Referenz. Mitte, Links, Rechts ist richtig. Ihr Kanji-Wörterbuch (für lernende Japaner) bestätigt dies auch und ich hatte total vergessen, dass ich auch noch ein Buch für japanische Grundschüler besitze, das die Strichfolge bestätigt.
Aus Erfahrung wird aber wohl auch die Reihenfolge von Links nach Rechts in Handschriften verwendet (davon hat die Sechstklässlerin aber noch nie was gehört). Also ist wohl beides richtig, nur ist eines richtiger.

Update: Auf Anfrage hin, hab ich mal ein Photo gemacht um das obige zu verdeutlichen.
ito-hen

Rechts sieht man das ito-hen in “Druckschrift”. Daneben in den o.g. Varianten. Links in der Variante “Mitte, links, rechts” und in der Mitte in der Variante “von links nach rechts”. Wie man sehen kann, ist das Erscheinungsbild anders und aus diesem Grund sind die Strichfolgen so wichtig. Schreibt man schnell, ziehen sich die Striche zusammen und nur wenn man die “richtige” Strichfolge nutzt bleibt das Ganze lesbar.

Ich hab die Sache übrigens noch weiter verfolgt. In einer Richtlinie von 1981 zu der Thematik sind beide Varianten als korrekt angegeben und bei einer Umfrage vor va. 35 Jahren haben mehr Japaner angegeben, dass sie die Variante “links nach rechts” benutzen. Anfang 2010 wird es nach 30 Jahren ein Update der Richtlinie geben und man wird sehen ob diese Strichfolge immer noch “richtig” ist.

JET – gelebter Kulturaustausch als Weg in die Forschung

Am 03.10. gibt es in der japanischen Botschaft in Berlin eine Infoveranstaltung zum JET-Programm mit dem Titel “JET – gelebter Kulturaustausch als Weg in die Forschung”.
Eine Anmeldung per E-Mail ist bis zum 28.09. erforderlich. Weitere Infos zur Veranstaltung und was alles in der Anmeldung enthalten sein sollte gibt es hier

Das JET-Programm (The Japan Exchange and Training Programme) ist ein interkulturelles Austauschprogramm mit dem man die Möglichkeit in verschiedenen Positionen in Japan zu arbeiten um den interkulturellen Autausch zu fördern. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite des Jet-Programms (Englisch)

Wer noch keinen Hochschulabschluss (min. Bachelor) hat und trotzdem eine längere Zeit nach Japan will, sollte sich mal das Working Holiday-Programm anschauen. Hier ist die Altersgrenze von max. 30 Jahren zu beachten. Mehr Informationen gibt’s auf der Seite des Außenministeriums (Englisch) bzw. auf der Seite der Botschaft von Japan.

Working Holiday habe ich selber gemacht und es war eine sehr gute Erfahrung. Allerdings war es stellenweise eine sehr harte Zeit weil es nicht so einfach war einen Job zu finden, da ich weder ein Muttersprachler in Englisch oder Französisch war und damit locker einen Sprachlehrerjob hätte finden können oder ausreichend gut Japanisch konnte. Trotz dessen: eine sehr gute Erfahrung.

Japanisch lernen mit dem iPhone bzw. iPod Touch

Das mit dem Japanisch lernen mach ich schon länger, habe mir eine Reihe Bücher gekauft, tausende von Karteikarten geschrieben, mir Computerprogramme und Webseiten angeschaut und bin immer auf der Suche nach dem besten Weg für mich Japanisch und damit auch Kanji zu lernen. Seitdem ich meinen iPod Touch bzw. später ein iPhone besitze muss ich sagen, dass ich selten so viel aber insbesondere so kontinuierlich Japanisch gelernt habe (mal abgesehen von meinem Vorstudium…aber das ist ein anderes Thema). Daher will ich mal ein wenig über die Apps schreiben, die ich so verwende um Japanisch zu lernen.

Bitte beachte auch meinen aktuellen Artikel: Zur Wiedervorlage: Japanisch lernen mit dem iPhone bzw. iPod Touch

Vokabeln:

Lernt man im Unterricht bzw. mit einem Lehrbuch, gibt es in der Regel für die einzelnen Sitzungen bzw. Lektionen Vokabellisten, die man auswendig lernen sollte. Auf dem iPhone gibt es hier zwei empfehlenswerte Anwendungen: iFlash Touch Dies ist der kleine Bruder von iFlash, eine Karteikartenanwendung für Mac OS X. Ihr Vorteil ist, dass man dreiseitige Karteikarten anlegen kann. Also eine für Kanji, Lesung und Übersetzung. Es gibt auch viele Listen zum Herunterladen durch die Desktopanwendung. Die Desktopanwendung kostet $15, die iPhone-App ist kostenlos.

iCards

Diese Anwendung habe ich nur relativ kurz getestet, da man ursprünglich nicht vernünftig Vokabeln hinzufügen konnte. Als einzige mir bekannte Flashcard-App außer iFlash Touch beherrscht auch sie dreiseitige Karteikarten. Inzwischen kann man sich über Google Spreadsheets Vokabellisten zum Importieren bauen. Im Gegensatz zu iFlash Touch benötigt man also keine Desktopanwendung. Kostenpunkt ist 0,79€

Zen Nihongo

Wer sich auf den JLPT vorbereitet und dem Englischen mächtig ist, kann ich Zen Nihongo nur wärmstens ans Herz legen. Vokabellisten für die Level 1 bis 4 liegen vor. Leider nur Japanisch->Englisch (und auch nicht umgekehrt). Dafür gibt es aber Automatismen zum Lernen. Man sieht die Vokabel auf Japanisch (Lesung kann eingeblendet werden), drückt auf die Vokabel und bekommt die englische Antwort. Dann kann man die Vokabel von 0 – 5 einstufen. Wobei 0 bedeutet, dass man die Vokabel überhaupt nicht kann, bei 1 wird sie noch am selben Tag wiederholt, bei 2 am nächsten, bei 3 nach drei Tagen, bei 4 nach vier – 5 Tagen und bei 5 nach einer Woche (wurde sie mehrfach auf 5 wiederholt, wird sie erst nach zwei Wochen wieder angezeigt). Weiß man eine Vokabel nicht, sollte man sie wieder auf Level 0 stellen, zumindest ist das meine Methode. Anfangs gab es ein paar Probleme mit dem Algorithmus, die sind aber jetzt behoben. Seit der letzten Version wird auch direkt auf der Karte angezeigt auf welchem Level man sie als letztes eingestellt hatte. Der Support durch den Autor ist gut und die Intervalle scheinen inzwischen in Ordnung zu sein. Zur Zeit hab ich etwa 1800 Vokabeln im Einsatz mit über 1500 Vokabeln auf Level 5 und immer so um die 30 auf Level 2 und habe täglich zwischen 150 und 200 Vokabeln zu wiederholen. Das geht aber durch die Direktanzeige des Levels relativ fix. Aktuell hat das Programm einen Sonderpreis von 4,99€ – normalerweise kostet es glaub ich 1 – 2€ mehr.

Die App kostet 3,99€.

Update 01.06.2010: Inzwischen habe ich Level 2 nahezu vervollständigt. Es gibt keine neuen Wörter mehr und ich habe permanent seit 2 – 3 Wochen etwa 30 Wörter auf Stufe 3 und 80 auf Stufe 4. Zu wiederholen habe ich damit etwa 230 Vokabeln pro Tag. Durch ein Update ist es möglich geworden die kumulativen Decks abzuschalten. Ich wiederhole also aktuell auf Level 2, gehe dann aus der App raus, schalte die kumulativen Decks ab und wechsel dann zu Level 1. Danach schalte ich die kumulativen Decks wieder an. Ist zwar ein wenig lästig, funktioniert aber.

Update: Mit dem heutigen Update hat Zen Nihongo Beispielsätze dazu bekommen. Zu jeder Vokabel gibt es damit mehrere Beispielsätze (in Japanisch und englischer Übersetzung). Das verbessert die App um einiges und lässt sie damit definitiv aus der Masse herausstechen. Leider gibt es hier ein großer ABER: In der aktuellen Fassung gibt’s zumindest bei mir böse Performance-Einbußen sobald ich die Beispielsätze “aufmache” (man muss sie bei jeder Karte explizit laden) – entweder reagiert die App mehrere Sekunden nicht oder in einem Fall ist sie sogar abgestürzt. Das Problem tritt nur auf wenn ich die Sätze lade und passiert auf nem 3GS. Der Entwickler schrieb mir, dass auf seinem Classic und 3G die Probleme nicht auftreten und er es sich nochmal genauer anschauen würde.

Update 01.06.2010: Das Performance-Problem ist seit einiger Zeit behoben und ein paar Beispielsätze werden immer automatisch geladen, was ich sehr praktisch finde.

iSRS

Große Erwartungen hatte ich an iSRS. Es hat zwar nur zwei Seiten aber ein ordentliches Spaced Repetition System. Die App ermittelt selber anhand dessen, wie man Vokabeln wertet, wie oft sie wiederholt werden. Über das Mnemosyne-Projekt kann man am Desktop Karten für die App erstellen, eine extra Anwendung (iSRS-Sync) synchronisiert die Kartensätze mit der iPhone-App. Leider hatte ich viele Abstürze mit der App, die zu Datenverlusten führten (State der Karte bzw. selbst eingegebene Karten in der App gingen verloren). Daher kann ich von iSRS nur abraten. Wer trotzdem Interesse hat, kann sich die Light-Version runterladen, die aber unter anderem keine Unterstützung für den Full-Screen-Modus hat. Evtl. sind die Probleme gelöst, aber nachdem der Entwickler zwei Updates veröffentlicht hat, die die Probleme lösen sollten und dies aber nicht taten, wollte ich nicht mehr mit der App weiterarbeiten.

Kostenpunkt: 3,99€

Katakana und Hiragana

Hier kann ich mich leider nicht zu äußern, da ich die schon länger Lesen und Schreiben kann. Die zwei folgenden Kanji-Anwendungen haben jedoch auch eine Kana-Pendant und sind sicherlich ähnlich gut (wenn nicht sogar besser, da Kana weitaus weniger Umfang haben): iKana Touch – 3,99€ Kana LS Touch – 2,99€

 

Kanji

Für Kanji verwende ich aktuell zwei Apps, die ich im folgenden kurz vorstellen will mit ihren Vor- und Nachteilen. Beide umfassen aktuell an die 2000 Kanji.

Update 01.06.2010: Für Kanji benutze ich aktuell nur noch iKanji Touch.

iKanji Touch iKanji Touch ist toll designt und hat einen tollen Modus zum automatisierten Lernen. Es gibt eine Unterteilung der Kanji in 6 Klassenstufen, die einem um die 1000 Kanji näher bringen oder in den Stufen des JLPT. Natürlich kann man auch eine eigene Kanji-Liste erstellen. Meine Empfehlung ist hierbei folgende: Lernt man mit einem Buch oder Unterricht, erstellt man eine eigene Liste, die mit der Zeit wächst. Hält man sich in Japan auf, sollte man nach Klassenstufen lernen, da es hierfür tolles Komplementärmaterial für japanische Grundschüler gibt, bereitet man sich auf den JLPT vor, nimmt man natürlich die Unterteilung in den JLPT. Wobei man jedoch beachten muss, dass in Level 2 z.B. nicht die Kanji von Level 3 und 4 enthalten sind, diese müssen also extra gelernt werden. Also einfach “hochlernen”. Innerhalb der Einteilungen sind die Kanji nochmal in 20er-Packs unterteilt. Mein Lieblingsmodus ist nun “Teach me these KanjI”. Hierbei wird einem ein Kanji mit Lesungen und Übersetzungen gezeigt, danach die Strichfolge. In einem Multiple-Choice-Test wird dann erst die Bedeutung, dann die Lesung, dann die Strichfolge abgefragt. Wie auch bei Zen Nihongo wird in Lernstufen eingeteilt, aber die Anwendung macht das von alleine. Bei einem Fehler geht’s sofort wieder zurück auf Level 0. Die Intervalle (selber Tag, ein Tag, drei Tage, eine Woche, ein Monat) sind sehr angenehm. Zusätzlich gibt es noch Tests für Komposita (Wörter, die aus mehreren Kanji zusammengesetzt sind) und einzelne Tests für Lesungen etc aber diese benutze ich nicht. Was sind nun die Schwachpunkte der App? Der erste Punkt ist, dass die App ausschließlich auf Englisch verfügbar ist. Der zweite ist der Strichfolgentest. Zum einen sind weniger als 1000 Strichfolgen enthalten, was sich beim Lernen für den JLPT Level 2 relativ schnell bemerkbar macht (jedoch nicht für Anfänger und nicht ganz so weit Fortgeschrittene), zum anderen gibt es immer mal wieder Fehler.

Update 01.06.2010: Seit ein paar Wochen gibt es mit dem aktuellen Update Strichfolgen für alle JLPT Level 2-Kanji und einige JLPT Level 1-Kanji.

Inzwischen sind jedoch ein großer Teil der Fehler behoben und meldet man sie im Forum des Entwicklers wird bei den unregelmäßigen Updates auch Fehlerbehebung in der Datenbank gemacht. Es kann jedoch stellenweise ziemlich nerven. Ein anderes Problem am Strichfolgentest ist, dass das Kanji gezeigt wird und man es nachzeichnet. Ein Fehler und man hat das Kanji falsch gemacht. Was mich stört ist, dass das Kanji gezeigt wird und man keine leere Fläche bekommt.

Update 01.06.2010: Schon seit längerem wurde der Test verbessert. Man bekommt zwar immer noch keine leere Fläche, dafür wird einem aber angezeigt ob die App den Ansatzpunkt richtig erkannt hat. Das reduziert Fehler, lädt aber auch zum Schummeln ein.

Da ist das folgende Kanji LS Touch besser. Außerdem gibt es bei allen Tests das Problem, dass eine falsche Berührung das ganze Kanji auf Falsch setzen und damit wieder auf Level 0 zurück. Die Erkennung von unabsichtlichen Berührungen ist zwar besser geworden, ich würde mir jedoch eine “Abgabe-Bestätigung” und Korrekturmöglichkeit wünschen. Leider sieht es nicht so aus als ob das kommen würde. Auf der Webseite gibt’s auch Videos zur App. Die App kostet 6,99€

Kanji LS Touch Kanji LS Touch hat einen großen Vorteil gegenüber iKanji Touch: Alle Bedeutungen sind auch auf Deutsch vorhanden und das tolle ist, dass man die Sprache OS-unabhängig einstellen kann (OS auf Englisch, App auf Deutsch). Die App hat auch weitaus mehr Strichfolgen, wieviele weiß ich leider nicht (alle vermute ich mal) genau. Der Strichfolgentest ist auch besser. Man bekommt eine schwarze Fläche, zeichnet das Kanji rein, klickt auf das Fertig-Icon und dann wird einem gezeigt in welcher Reihenfolge man die Striche gesetzt hat und wie es richtig wäre. Dazu gibt es einen Übungsmodus um das Schreiben zu lernen und eine ganze Reihe Testmodi. Leider gibt es keine Automatismen zum Lernen, darum ist es bei mir nur eine Komplementär-App zu iKanji Touch. Will ich ein Kanji unterwegs üben oder lerne ich Kanji aus irgendwelchen Unterrichtsmaterialien verwende ich lieber Kanji LS Touch. Für das reine Einpauken um Kanji-Wissen aufzubauen nehme ich iKanji Touch. Als letzter Kritikpunkt ist anzumerken, dass das Design meiner Meinung nach stark zu wünschen übrig lässt. Für viele denke ich jedoch, ist Kanji LS Touch – insbesondere wenn man es zusätzlich zum Unterricht einsetzen will – die bessere Wahl. Da es einem ermöglicht das Schreiben zu üben und die Bedeutungen auch auf Deutsch vorhanden sind. Der Entwickler hat auch Videos von der App auf seiner Webseite. Der Preis beträgt 9,99€

Ich freu mich über Kommentare und wenn es Fragen zu den vorgestellten Apps gibt, fragt 🙂

P.s.: Eine Webseite, die definitiv einen Blick wert ist, ist smart.fm, allerdings lernt man auch hier Japanisch über Englisch und der Zugriff mit dem iPhone ist “dank” Flash nicht möglich. Eine iPhone-App ist wohl in Vorbereitung. Eine iPhone-App gibt es inzwischen auch. Ich hatte sie kurz installiert, war nicht sonderlich begeistert und habe sie seitdem nicht mehr benutzt. Daher kann ich hier auch kein Urteil drüber abgeben.

Fast Food: Reduzierte Mengen und Preise fördern anscheinend Verkäufe

Grade bei Japan Probe gefunden: Mos Burger (Seite auf japanisch) und Matsuya (Seite auf japanisch) haben Portionen reduziert und damit auch gleich die Preise. Führte wohl zu 30% Anstieg bei den Verkäufen.
Wer übrigens nach Japan fährt, sollte auf jeden Fall einmal die Reisburger bei Mos Burger probieren. Die sind wirklich gut.
Aber ich denke, dass auch hiesige Ketten das machen sollten. Mir persönlich sind diese Menüs und Kram immer viel zu groß und so komische Gutscheine vergrößern die Menüs immer nur anstatt sie billiger zu machen. Na ja, vielleicht ist das auch ganz gut, ess ich weniger Fast Food 😉

Big Money – Über den Finanzmarkt und wie man eine Bank zerstört

Wieder eine Drama-Empfehlung: Big Money. Ein junger Kerl, der nach seinem Studienabschluss in Literatur keinen wirklichen Erfolg im Leben hat, gerät an einen legendären Börsenmakler und lernt von ihm alles was es über die Börse zu lernen gibt. Die erste Hälfte der Serie gibt daher einen Einblick in die Börsenmaklerei und wie das alles funktioniert. Die zweite Hälfte der Serie zeigt wie man eine Bank zerstört.
Unterhaltsam und war irgendwie fesselnd. Das Drama gibt’s englisch untertitelt bei Mysoju und umfasst 12 Folgen.

Kinderarmut

In Deutschland kommt immer mal wieder die Diskussion über Kinderarmut auf und das dagegen etwas getan werden muss. Seitdem ich mich mit Japan beschäftige, habe ich allerdings noch nie etwas über Kinderarmut in Japan gehört. Es wird zwar viel über die überalternde Gesellschaft gesprochen und dass die Geburtsraten immer weiter sinken1, aber man hört wenig über Kinderarmut.

Ein guter Grund sich das Thema mal genauer anzusehen. Leider muss ich sagen, dass man im Netz wenig dazu findet und auf totem Baum sieht es anscheinend ähnlich aus. Aber genug des Vorgeplänkels, kommen wir zum Thema.

Die Kinderarmutsrate ist im OECD-Vergleich in Japan relativ hoch. Sie liegt laut einer OECD-Studie von 2006 bei 14,3%. Im Vergleich dazu ist der OECD-Durchschnitt 12%, in Deutschland ist sie knapp über 10%.
49% der Kinder, die in Armut leben, leben in Familien mit min. zwei Erwerbstätigen, 49% in Haushalten mit nur einem Erwerbstätigen und gerade mal 2% in Haushalten ohne Erwerbstätigen.
Bei den Single-Müttern haben 83% einen Job aber die Hälfte davon sind in einem nicht-regulären Arbeitsverhältnis angestellt. In nicht-regulären Arbeitsverhältnissen, also Zeitarbeit, Teilzeitjobs und ähnliches sind “überaschenderweise” die Löhne niedriger als bei regulären Angestelltenverhältnissen.
Gerade einmal 70% erhalten Zuschüsse für die Kinderpflege und 58% der Single-Mütter leben in relativer Armut.
Dazu kommt noch folgendes: Die 20% in Japan mit dem geringsten Einkommen zahlen 7,4% der gesamten Steuern (OECD-Durchschnitt 4%), erhalten aber nur 1,3% der Transfers (OECD-Durchschnitt 4%). Japan ist das einzige Land in dem nach Steuern und Transfers die Kinderarmut konsistent höher ist als vor Steuern und Transfers!

Ōishi2 hat 2007 untersucht welche Folgen Kinderarmut hat und Oshio et al. 3 hat dieses Jahr darauf aufbauend weitere empirische Untersuchungen durchgeführt. Die Ergebnisse sind nicht weiter überraschend: Kinder, die in armen Familien aufgewachsen sind erlangen eher geringe akademische Abschlüsse, die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass sie selbst wieder unter die Armutsgrenze fallen, fühlen sich weniger glücklich und sind weniger gesund.

Da wie schon oben beschrieben nur ein sehr geringer Teil der an Armut leidenden Kindern in Haushalten leben ohne Erwerbstätige/n, hilft es noch nicht einmal etwas, dass Japan die Anzahl der Arbeitsplätze erhöht um etwas Kinderarmut zu tun. Bei der relativ geringen Arbeitslosenquote, die gerade auf Rekordniveau von 5,4% ist, eh ein Unterfangen, was vermutlich ein geringes Gewicht hat. Die einzigen Möglichkeiten die Japan wohl hat, ist direkt gegen die Kinderarmut über Transfers o.ä. vorzugehen. Bei meiner Suche danach habe ich jedoch nichts gefunden. Laut einem Arbeitspapier der OECD von 2003 will Japan die Kinderarmut bis 2015 um 50% reduzieren. Leider konnte ich keine Daten finden inwiefern es Fortschritte gab. In den 90ern war sie wohl höher als in den 2000ern, da die 90er aber auch die verlorene Dekade war, finde ich dies nicht weiter verwunderlich.

Ich muss sagen, dass ich die Thematik relativ erschreckend finde und es als ein wenig befremdlich empfinde, dass darüber so wenig gesprochen wird. Über 14% finde ich doch als relativ hohen Anteil an Kinderarmut in einem modernen Industrieland und darüberhinaus der Fakt, dass die Armut größer ist nach Steuern und Transfers finde ich fast schon erschreckend.
Kein schönes Thema aber die Realität.



1 Aktuell sind wir übrigens bei einer Geburtenrate von 1,26; eine Geburtenrate wird benötigt um die Größe der Bevölkerung stabil zu halten.

2 Ōishi, Akiko (2007): Kodomo no hinkon no dōko to sono kiketsu (Trends and Consequences of Child Poverty). The Quarterly of Social Security Research 43(1), S. 54-64.

3 Oshio, Takashi; Sano, Shinpei & Kobayashi, Miki (2009): Child poverty as a determinant of life outcomes: Evidence from nationwide surveys in Japan. Working Paper des Kōbe University Economics Department Nr. 0911

Change – Ein Drama über neue japanische Politik

Der Wahlkampf hat in Japan angefangen und es stellt sich die Frage ob die Koaltion aus LDP und kōmeitō dieses Jahr abgewählt wird und die DPJ an die Macht kommt.

In dem Drama Change geht es jedoch nicht um diesen Wahlkampf. Ein junger Lehrer, der nie etwas mit der Politik zu tun haben wollte, wird durch eine Verkettung diverser Ereignisse vom politischen Niemand zum Premierminister. Gedacht war von einem älteren Politiker ihn als Puppe einzusetzen und dann durch den jungen Politiker selbst zu regieren. Die Puppe verselbstständigt sich jedoch und so wird eine völlig neue bürgerorientierte Politik gemacht.

Ein interessanter Blick auf die Politik Japans und die Parteien lassen sich auch sehr schön erkennen. Unterhaltsam ist die Serie darüber hinaus.

Das Drama ist vom letzten Jahr, hat zehn Folgen à 60 Minuten und ist englisch untertitelt vollständig bei Mysoju zu sehen.

Gute Podcasts sind selten

Gestern schrieb Tim Pritlove auf Twitter, dass er Chaosradio Express-Sendungen auf Halde hat und diese früher veröffentlicht gegen Bestechung. Im IRC kam dann die Idee einer Blogkette auf und Tim rief dazu in seinem Blog auf mit dem Beitrag “CRE: Kettenblogging für Weltfrieden”.

Auch wenn ich der Meinung bin, dass er lieber die Sendungen auf Halde liegen lassen sollte um sie dann im 5- oder 7-Tagesrhythmus zu veröffentlichen, schließe ich mich der Blogkette an. Warum? Weil es ein guter Anlass ist um über Chaosradio Express zu schreiben.

Chaosradio Express ist die Weiterführung von Chaosradio, einer monatlichen Sendung auf Fritz im Rahmen des Blue Moon, die bereits seit fast 15 Jahren läuft. Dort wird über Computer, Technik und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft mit Hörern geredet – anfangs für 3 Stunden, inzwischen nur noch für 2 Stunden. Was mich am Chaosradio schon immer gestört hat, waren die Anrufer. Es ist eine Talk-Sendung und da gehören die Anrufer dazu aber dadurch kommen oftmals die Themen viel zu kurz.

Dankenswerterweise hat sich Tim 2005 aufgemacht um das Chaosradio raus aus dem Fritz-Studio zu bringen. Dafür trifft er sich mit einem oder mehreren Gesprächspartnern, die Ahnung von einer bestimmten Thematik haben und interviewt sie dazu für 1,5h – 3h. Die Themen sind sehr weitreichend. Ich kann mich an Sendungen über Poststrukturalismus, Perry Rhodan, Kaffee, Computerspiele, diverse Programmiersprachen, Compilerbau und was nicht alles erinnern. Inzwischen gibt es über 131 Folgen und ich kann mich an keine erinnern, die nicht hörenswert gewesen wäre. Aber das ist Geschmackssache. Einige Leute hören lieber die technischen Folgen, andere eher die Folgen über nicht ganz so technische Themen. Auf jeden Fall macht sich Tim viel Arbeit mit jeder Folge. Zu jeder gibt es eine ausführliche Linkliste um sich weiter in die Thematik einzulesen bzw. um nochmal etwas nachzulesen falls man den Faden verloren hat und es einem einfach zu hoch ist.

Mal abgesehen von der guten Auswahl der Interviewpartner (bis auf seltene Ausnahmen) und Themen ist CRE einer der wenigen Podcasts, die meinen persönlichen Qualitätsansprüchen genügen. Natürlich gibt es auch eine ganze Reihe Radiosender, die Podcasts veröffentlichen aber das ist Zweitverwertung (empfehlenswert sind hier die Sachen vom Deutschlandradio, hr2 und This American Life). Ich rede hier von Podcasts, die als Podcast gemacht worden sind. Die meisten leiden unter schlechter Audioqualität und machen dadurch keinen Spaß. Im deutschen Sprachraum fallen mir persönlich nur eine handvoll ein mit ähnlicher Qualität (mal abgesehen von Tim Pritloves Podcasts wären da noch die vom Undsoversum). Im angelsächsichen Sprachraum behindern sich die meisten durch Skype-Gesprächspartner und damit sinkt auch bei diesen die Audioqualität.

Hört sich alles nach Beweihräucherung an aber ich kann (leider?) nichts negatives über den Podcast sagen. In der Schule würde ich ne 1+ geben weil einfach alles stimmt und da auch eine Menge Arbeit hinter steckt. Jeder sollte mal einen Blick auf Chaosradio Express werfen, da sich bestimmt min. ein Thema findet was ihn interessiert.

Wer übrigens am ersten Sonntag eines Monats in Berlin sein sollte, kann auch andere Hörer treffen. Seit kurzem gibt es einen regelmäßigen Hörerstammtisch bei dem sich CRE-Hörer treffen um über alles mögliche zu quatschen. Einfach mal im Wiki vorbeischauen.

Letzter Eintrag in der Kette: Podcasts: CRE

Nächster Eintrag in der Kette: Was man nicht alles für den nächsten CRE Podcast tut

Racism or Capitalism?

Interesting anecdote in a Time’s article about “Japan, After The Bubble”:

Japan was exotic, and it could also be insular and xenophobic. When foreigners stayed out past midnight, after the subways in Tokyo closed, they risked being unable to get a cab home. I was once out carousing into the morning hours with a couple of friends from Japan’s Ministry of Finance — the élite among Japan’s powerful bureaucrats — when we tried to flag a taxi. I told my friends no driver would stop unless I hid in the shadow of a nearby building. “No, that’s not true,” one of them protested. I hid, and within seconds a cab pulled up for my Japanese companions. I jumped into the backseat, much to the dismay of the cabbie. My buddy expressed shock. “What a racist country we are,” he muttered. I laughed. This wasn’t racism, it was capitalism. Cab drivers assumed a foreigner wasn’t going very far, whereas the average salaryman lived some distance from the center of town, guaranteeing a big fare. Like everything during the bubble, it was all about the money.