Was studiert man eigentlich in der Japanologie?

Gerade habe ich angefangen mir die zweite Ausgabe von Studienwahl.tv anzusehen. Es geht in der Ausgabe um Sprachwissenschaften. Unter anderem wird hier Sinologie, Japanologie und Koreanistik erwähnt. Sprache ist meiner Erfahrung nach, in allen drei Fächern nur ein Werkzeug um z.B. Fachliteratur oder auch Zeitungstexte in der entsprechenden Sprache lesen zu können. Je nach Universität sind auch Literatur und Kultur keine Schwerpunkte.

Daher dachte ich mir, dass es vielleicht ganz gut ist mal zu schildern wie die Japanologie an der FU Berlin aussieht. Ich kann aus erster Hand nur vom auslaufenden Magisterstudiengang berichten, habe aber auch reichlich Informationen über den Bachelorstudiengang Ostasienstudien/Japanwissenschaften und dem Masterstudiengang Japanologie. Aus Erzählungen von Freunden, sind die Bachelorstudiengänge der Korea- und Chinastudien inhaltlich ähnlich. Der Bezug liegt natürlich auf dem entsprechendem Land.

Beginnen werde ich mit dem Magisterstudiengang Japanologie. Bei einem Magisterstudiengang hat man entweder zwei Hauptfächer oder ein Hauptfach und zwei Nebenfächer. Ich selbst studiere Japanologie im ersten Hauptfach.

Am Anfang stand ein einjähriger Intensivsprachkurs Japanisch. Wir hatten an drei Tagen je vier Stunden Unterricht. Erwartet wurde, dass man zu Hause nochmal das Doppelte Zeitpensum dafür aufwendet. Wöchentlich gab es Tests für chinesische Schriftzeichen, die nicht in die Endnote zählten und alle drei Wochen einen Test der in die Endnote miteinberechnet wurde. Die Durchfallquote war relativ niedrig. Dies lag aber auch an der hohen Abbruchquote. Bis Weihnachten hatten etwa 50% das Studium beendet.

Hatte man die Hürde des Vorstudiensprachkurses genommen, stand das Grundstudium an. Das Grundstudium hatte eine Vielzahl unterschiedlicher Kurse. In zwei Geschichtskursen hat man einen Abriss über die gesamte japanische Geschichte bekommen. In zwei Landeskundekursen wurde das Alltagsleben aber auch z.B. Geographie behandelt. Dann konnte man aus drei Bereichen zwei auswählen, in denen man je einen Einführungskurs und ein Proseminar machte. Diese Bereiche sind Kultur, Gesellschaft und Politik und Wirtschaft. Kultur ist bei uns sehr literaturwissenschaftlich. Die zwei gewählten Bereiche führt man im Hauptstudium weiter.
Ich habe in allen drei Bereichen Einführungskurse und Proseminare besucht. Der Einführungskurs Kultur behandelte Semiotik (Gebrauch von Zeichen) als auch Literatur. Der Wirtschaftseinführungskurs behandelte japanisches Management (z.B. Total Quality Management) und auch Aufbau japanischer Firmen. Der Einführungskurs Politik war ein Abriss moderner politischer Geschichte und Grundlagen zu den Theorien, die es zur Funktionsweise der japanischen Politik gibt.
Die Kulturproseminare waren zum Einen ein Proseminar über japanische Science Fiction-Literatur, zum anderen eins über Manga. Beides hat mir viel gebracht, vor allem weil mir dies auch eine Grundlage zum Verständnis der entsprechenden Literatur gegeben hat. Eine Anmerkung noch: Manga aus wissenschaftlicher Sicht auseinander zu nehmen macht lange nicht so viel Spaß, wie man denkt. Das Wirtschaftsproseminar behandelte klein- und mittelständische Unternehmen. Das Politikproseminar behandelte japanische Außenpolitik.
Zu diesen Kursen kommen dann noch zwei Kurse in japanischer Grammatik sowie sieben weiterführende Sprachkurse. Da ist dann von Übersetzung, Konversation, Hörverständnis usw. alles mögliche dabei.
Als letzte Pflichtübung im Grundstudium gilt es dann noch einen Schein in Übersetzungspraxis 1 abzulegen. Das bedeutet insgesamt soviel zu übersetzen, dass das Ergebnis 20 Seiten Deutsch umfasst. Viele übersetzen Zeitungsartikel, ich hatte aus einem Übersetzungskurs ein Buch weiter übersetzt.

Die dreißig Minuten lange Zwischenprüfung umfasst eine Japanischprüfung. Man bekommt eine Woche vor der Prüfung einen japanischen Text, der ein bis zwei Din A4-Seiten umfasst. Diesen muss man flüssig lesen und übersetzen können. Die Grammatik muss auch erklärt werden. Außerdem gibt man vor der Prüfung eine Bücherliste ab, die drei Bereiche umfasst, wobei man zu zwei Bereichen drei Bücher list und zu einem Bereich vier Bücher. Im meinem Fall waren die Bereiche Gesellschaft, Wirtschaft und Außenpolitik.

Im Hauptstudium geht es dann weiter. Die Sprachausbildung umfasst vier Sprachkurse, die vom Niveau her natürlich höher sind als die des Grundstudiums. Dazu kommt ein Sprachkurs in vormodernem Japanisch welcher insbesondere für die sozialwissenschaftlich Interessierten wichtig ist. Fachtexte in diesem Bereich nutzen öfters grammatikalische Formen des vormodernen Japanisch.
Weiterhin gilt es drei Leistungsscheine in Hauptseminaren abzulegen. Wobei hier wieder die Bereiche aus dem Grundstudium zum Tragen kommen. In einem der dort gewählten Bereiche legt man zwei Leistungsscheine ab, in dem anderen einen Leistungsschein. Ein Leistungsschein bedeutet das Seminar zu besuchen, dort ein Referat zu halten, eine 20-seitige Hausarbeit mit 20% japanischen Quellen zu schreiben und die dazugehörige Übung zu besuchen. In der Übung werden zur Thematik passende japanischsprachige Quellen gelesen und der Inhalte diskutiert. In der Regel läuft es aber leider auch nur auf einen Übersetzungskurs hinaus.
Zusätzlich gilt es sechs Semesterwochenstunden, also drei Kurse zu besuchen, die Japanbezug haben aber keine Sprachkurse sind.
Hauptseminare, die ich beispielsweise besucht habe handelten von der japanischen Außenpolitik, dem Sozialstaat, die Beziehung zwischen der Politik und den Älteren, den Arbeitsmarkt usw. Im kulturwissenschaftlichen Bereich sind es oftmals literaturwissenschaftliche Seminare, die sich jeweils mit einem Autor intensiv auseinandersetzen.
Zur Vorbereitung auf die Magisterarbeit gibt es noch ein Kolloquium.
Als letztes steht auch hier eine Übersetzungspraxis an. Das Ergebnis umfasst diesmal aber 80 Din A4-Seiten.
Dann kommen Magisterprüfung- und Arbeit, wobei ich diese noch nicht abgelegt habe. Diesmal gilt es auch drei Bereiche anzugeben, die diesmal aber enger eingegrenzt sein können. Die Bücherliste umfasst 15 Bücher zu jedem der Bereiche. In einem Bereich legt man eine schriftliche Prüfung ab. Zu dieser bekommt man einen japanischen Text, der zwei oder mehr Seiten umfasst. Als Hilfsmittel sind nur Papierwörterbücher zugelassen. Hat man jahrelang nur mit elektronischen gearbeitet ist das eine Herausforderung für sich aber schon im Vor- bzw. Grundstudium hat man gelernt mit Papierwörterbüchern umzugehen. Diesen Text gilt es auf Deutsch zusammen zu fassen und dann Fragen zur Thematik zu beantworten. Wahlweise kann die Prüfung auch auf Englisch oder Japanisch abgelegt werden. In der mündlichen Prüfung werden auf Deutsch die anderen beiden Bereiche abgeprüft.
Die Magisterarbeit will natürlich auch geschrieben werden.

Der Bachelorstudiengang sieht anders aus. Ein Vorstudium gibt es hier nicht. Weder in den Japan- noch in den China- oder Koreastudien. Die Sprachausbildung ist Teil des Studiums und verfolgt einen bis zum Schluss. Die Landeskundekurse sind umfassender als im Magisterstudium und umfassen auch Geschichte. Es gibt auch hier Einführungskurse und Proseminare, später Hauptseminare mit Übungen wobei es aber nur noch die Bereiche Sozialwissenschaften (Politik, Wirtschaft, Gesellschaft) und Kulturwissenschaften (in der Regel Literatur) gibt. In der allgemeinen Ostasienkunde befasst man sich dann mit den zwei anderen Ländern in Hinblick auf Geschichte, Kultur, Politik und Wirtschaft. Zu diesen Kursen kommen dann noch ein affiner Bereich hinzu, der frei zusammenstellbar ist. Desweiteren gibt es dann noch Kurse zur Allgemeinen Berufsvorbereitung (ABV), die alles mögliche umfassen. Vom Umgang mit MS Office oder auch Linux, über Sprachkurse bis hin zu Genderkursen.
Abgeschlossen wird der Bachelor mit einer etwa 30 Seiten umfassenden Bachelorarbeit.

Der Masterstudiengang Japanologie baut auf dem BA-Studiengang Ostasienwissenschaften/Japanstudien auf. Hier gilt es wieder Sprachkurse abzulegen, die darauf vorbereiten sollen, die Masterarbeit auf Japanisch verteidigen zu können. Im ersten Semester macht man desweiteren Methodikkurse. Ab dem zweiten Semester gilt es dann wieder Hauptseminare abzulegen. Man muss sowohl im sozial- als auch im kulturwissenschaftlichen Bereich Hauptseminare machen. Wobei man im Schwerpunktbereich zwei besucht, im anderen eins. Außerdem gilt es außerhalb der Japanologie weitere Kurse zu besuchen, die einem weitere Grundlagen für die Masterarbeit geben sollen. Abgeschlossen wird mit der Masterarbeit und einer Verteidigung der selbigen.

An anderen Universitäten sieht der Studiengang natürlich anders aus und jede Universität legt andere Schwerpunkte. Es gilt also vorher sich mal genauer den entsprechenden Studiengang anzusehen.

Wer Fragen oder Anmerkungen hat, bitte die Kommentarfunktion nutzen 🙂

Wörterbücher im Netz und auf dem Rechner

Nach einem Artikel über iPhone-Apps zum Japanisch-Lernen und Artikel zu Wörterbüchern auf dem iPhone, gibt’s nun etwas Material zu Wörterbüchern im Netz, für Mac OS X und Linux. Dies hier soll eine Übersicht bieten. Die meisten Anwendungen, die ich hier erwähne nutze ich selber schon ziemlich lange. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

Online

Wadoku.de: Das Wadoku ist wohl das bekannteste japanisch-deutsche Wörterbuch im Netz sein. Selten trifft man auf fehlende Wörter und findet man doch einmal ein Wort das fehlt, kann man es relativ einfach selbst registrieren. Zum Zeitpunkt des Artikels sprechen sie von ca. 250.000 Einträgen.

 

Japanisch-Deutsches Kanji-Lexikon: Das Japanisch-Deutsche Kanji-Lexikon ist, wie der Name sagt ein Wörterbuch um Kanji herauszusuchen. Meines Wissens nach die einzige Möglichkeit im Netz nach deutschen Übersetzungen von Kanji zu suchen.

WWWJdic: Das WWWJdic ist ein Interface für mehrere Online-Wörterbücher. Das Bekannteste dürfte hierbei wohl das edict sein. Ein sehr umfangreiches Wörterbuch das Japanisch-Englisch spricht. Es ist auch ein Interface für das Wadoku, wobei es meines Wissens nach nicht so aktuell ist wie das “richtige” Wadoku sondern immer ein etwas älterer Snapshot. Ein weiteres interessante Wörterbuch im WWWJdic ist das enamdict. Wer sich schon mal mit japanischen Namen auseinandersetzen musste, wird wissen wie schwer es ist Lesungen dafür herauszufinden. Das enamdict ist dann das passende Wörterbuch hierfür. Allerdings muss man warnen, dass man bei Namensübersetzungen von Autoren deren Werke man zitieren will, besser noch einmal Google eingehend befragt, da viele Namen mehrere Lesungen besitzen und man sich nie 100% sicher sein kann, wenn man Autorennamen und Lesung nicht nebeneinander stehen gesehen hat. Das WWWJdic hat außerdem auch eine sehr brauchbare Möglichkeit um Kanji nachzusehen. Als Datengrundlage benutzt es das kanjidic.

ALC: Habt ihr mit sozialwissenschaftlichen Texten (z.B. Texte aus der Politik oder Wirtschaft) zu tun werdet ihr des öfteren an die Grenzen von Wadoku und Edict stoßen. Dann ist ALC, ein erweitertes Interface zum Eijirō euer Freund. Es enthält nicht nur den Content des Eijirōs, sondern auch viele Beispielsätze und daher kommt seine Stärke. Viele Wörter wird man nur in Beispielsätzen und deren Übersetzung finden und kann daran sehen wie bestimmte Wörter benutzt werden. Außerdem hat es im Bereich Wirtschaft und Politik noch einiges mehr an Wörtern als die obigen beiden.

Denshi Jisho: Denshi Jisho ist ein weiteres Interface für edict und kanjidic. Allerdings sieht es um einiges hübscher aus als das WWWJdic. Beim kanjidic bietet es ein schönes Ajax-Interface um sich Kanji zusammen zu klicken. Besonders nützlich ist dies auf dem iPhone, da es hierfür ein angepasstes Interface gibt, das schnell und zuverlässig funktioniert.

Kotobank: Seit einiger Zeit gibt es ein freies Japanisch-Japanisch-Wörterbuch im Netz: Kotobank. Es speist sich aus einer ganzen Reihe Wörterbücher und ist eine wirklich feine Sache. Natürlich ist so etwas nur für fortgeschrittene Lerner.

Popjisyo: Popjisyo möchte ich hier nur für eine Funktion erwähnen: seine Bookmarklets. Ein Bookmarklet ist ein Lesezeichen, das Javascript enthält und dann etwas mit der Seite tut auf die man es anwendet. Nutzt man die Bookmarklets von Popjisyo kann man auf einer japanischen Seite über die Wörter fahren und bekommt Lesungen und Übersetzungen. Es gibt sowohl eins für Deutsch als auch für Englisch. Da es ein Bookmarklet ist funktioniert das Ganze browserunabhängig.

Rikaichan: Der einzige Grund warum ich manchmal zum Firefox greife ist Rikaichan. Dies ist ein FF-Plugin, dass an sich das Selbe macht wie Popjisyo aber schneller und zuverlässiger ist. Darüberhinaus kann man auch mehrere Wörterbücher gleichzeitig verwenden für die Übersetzungen. Damit habe ich das umfangreichere Japanisch-Englisch-Wörterbuch, ein japanisch-deutsches und das enamdic zur Verfügung.

Reading Tutor: Der Reading Tutor ist ein Projekt der Tokyo International University. Er ist nützlich beim Lernen von japanischen Texten. Man wirft einen japanischen Text rein und bekommt diesen mit einer Wörterliste raus. Jede Vokabel, die er erkannt hat, ist dann verlinkt und drückt man auf den Link bekommt man rechts in einem Frame die entsprechende Vokabel angezeigt. Zusätzlich wird diese dann einer Vokabelliste hinzugefügt (bei einem Test während des Schreibens dieses Artikels hat diese Funktion allerdings nicht funktioniert). Der Reading Tutor kann Japanisch-Japanisch, Japanisch-Englisch, Japanisch-Deutsch und mehr. Vor Popjisyo und Rikaichan definitiv noch nützlicher gewesen aber zu Übungszwecken immer noch brauchbar.

 

Mac OS X

JEDict: Es gibt für den Mac sicherlich noch mehr Anwendungen als JEDict aber keine hat sich über die Zeit als so nützlich herausgestellt. JEDict ist Shareware und erlaubt in seiner nicht registrierten Variante nur die Benutzung von edict und kanjidic. Registriert man es jedoch ($25 normal/$15 für Schüler und Studenten) kann auch weitere Wörterbücher im edict-Format nutzen. Auf Jim Breen’s Japanese Page gibt es eine Liste mit weiteren Wörterbüchern. U.a. gibt es auch welche mit Spezialvokabular für Jura, Informatik, Buddhismus und mehr. Das Wadoku gibt es hier im edict-Format. JEDict erlaubt es nun offline über alle installierten Wörterbücher gleichzeitig zu suchen. Zusätzlich hat es auch einen Service um nach Wörtern zu suchen und überwacht die Zwischenablage. Kopiert man also ein Wort, brauch man nach dem Wechsel zu JEDict nur noch Enter zu drücken um danach zu suchen. Außerdem kann man nach Kanji suchen in dem man sie zusammenklickt oder auch per rudimentärer Handschrifteingabe. Neue Wörter kann man über ein Userdict hinzufügen.

Jisho: Jisho von Sugoisoft ist eine Shareware, die $17 kostet. Es benutzt das JMDict und kann daher sowohl Englisch als auch Deutsch. Sein Interface ist sehr simpel und erlaubt nur die einfache Suche nach Wörtern. Schaue ich mir seit Jahren immer mal wieder an aber es ist dem obigen JEDict einfach weit unterlegen, da es weder eine ordentliche Kanji-Suche noch die Verwendung mehrerer Wörterbücher erlaubt.

Live Dictionary: Über Twitter wurde ich auf Live Dictionary aufmerksam gemacht. Es verspricht unter Mac OS X das Selbe zu leisten wie Rikaichan, allerdings für Safari. Aus meinen früheren Erfahrungen war es ganz nützlich, nur hatte ich den Mehrwert gegenüber Popjisyo oder Rikaichan nicht wirklich gesehen, wenn man es nur für Japanisch nutzen will. Vor allem, weil es knapp 18€ kostet und die anderen beiden Lösungen kostenfrei zur Verfügung stehen. Gegenüber den anderen beiden Lösungen bietet es allerdings noch eine größere Anzahl weiterer Sprachen an (z.B. Chinesisch, Schwedisch, Türkisch…). Bei meinem erneuten Test vor ein paar Minuten wollte es leider einfach nicht funktionieren, daher kann ich nichts zum aktuellen Stand der Software sagen. Im Forum der Anwendung gibt es auch einen Eintrag wie man die Anwendung für andere Anwendungen (z.B. Mail) benutzen kann.

 

Linux

GJiten: Für Linux ist mir an sich nur GJiten bekannt. Ein sehr einfacher edict-Client, der aber auch das Arbeiten mit mehreren Wörterbüchern unterstützt. Unter FreeBSD habe ich ihn leider nie zum Laufen gebracht.

Tagaini Jisho: Heute bin ich noch über Tagaini Jisho gestolpert. Dieses ist betriebssystemübergreifend und damit mit Windows, Mac OS X und Linux benutzbar. Es scheint das edict und kanjidic zu benutzen. Es soll nicht nur zum Nachschlagen sondern auch zum Lernen verwendet werden. Man kann hierfür Wörter einer Vokabelliste hinzufügen, die durch das Programm abgefragt wird. Allerdings ist es eine ziemlich hässliche Java-Anwendung.

Wadoku-Notify: Wadoku-Notify wurde mir vom Entwickler per Mail zugetragen. Wadoku-Notify kann man sich laut ihm wie ein systemweites Rikaichan vorstellen. Allerdings greift es auf das Wadoku zu und nicht auf das JMDict. Laufen tut das Ganze aktuell unter Linux, Windows und auf dem Nokia N900. Eine OS X-Version ist wohl in Vorbereitung. Der Sourcecode ist auf github zu finden. Getestet habe ich die Anwendung selbst nicht.

Über Ergänzungen, Kommentare und Fragen freue ich mich wie immer 🙂

Yakuza Moon – Ein anderes Japan

Cover von Yakuza MoonShoko Tendo ist aufgewachsen als Kind eines hochrangigen Mitgliedes der Yakuza und hat auch seinen Fall miterlebt. Gleichzeitig kann man in ihrer Autobiographie “Yakuza Moon: Memoirs of a Gangster’s Daughter” sehr gut sehen, wie sie selber in ein Milieu geraten ist, über das man eher selten liest bzw. dessen Sichtweise man selten findet, wenn man sich mit Japan beschäftigt.
Vom verhätschelten Kind, dass aber auch Gewalt im Familienhaus erfahren musste, zum Mitglied japanischer Jugendgangs, zur drogenabhängigen Hostess, in Beziehungen, die glaub ich niemand als erfahren möchte.
Eins der wenigen Bücher in der letzten Zeit, die ich wirklich verschlungen habe. Stellenweise nicht für zarte Gemüter, da es wirklich gewalttätig zugeht und Tendo ihre eigenen Erfahrungen sehr bildhaft beschreibt. Dazu kommen ein paar sehr schöne Schwarz-Weiß-Fotos aus ihrer Vergangenheit.

Wirklich empfehlenswert. Das Buch hat knapp 200 Seiten und liegt in englischer Übersetzung vor. Bei Amazon kostet es aktuell um die 9€.

Kommentare und Fragen sind wie immer gewünscht.

Yakuza – eigentlich wollte ich nur einen Wikipedia-Artikel korrigieren

Eigentlich wollte ich nur einen Wikipedia-Artikel korrigieren. Aus diversen Gründen lass ich es aber sein. Daher gibt es jetzt hier einen Artikel dazu.

Yakuza ist ein umgangssprachlicher Begriff für die organisierte Kriminalität japanischen Ursprungs. In den Berichten der Polizei wird meiner Erfahrung nach immer von kriminellen Banden (Bōryokudan – 暴力団; wortwörtlich: gewalttätige Organisation) gesprochen. In neueren Veröffentlichungen spricht die Polizei interessanter Weise von “Organisierter Kriminalität” (Soshiki Hanzai – 組織犯罪), wobei ich aber leider noch nicht rausgefunden habe was der Unterschied ist.
In neueren Veröffentlichungen fasst die Polizei in einem Kapitel inländische und ausländische organisierte Kriminalität (Soshiki Hanzai – 組織犯罪) zusammen. Wobei für die inländische organisierte Kriminalität (also die Yakuza) der Begriff Bōryokudan verwendet wird. Wird über ausländische organisierte Kriminalität geschrieben, wird der Begriff Soshiki Hanzai verwendet.4

Der genaue Ursprung des Begriffs ist unbekannt. Der beliebteste Mythos stammt laut Kaplan1 aus dem Hanafuda (花札), ein japanisches Kartenspiel. Aber auch das scheint nicht 100% richtig, da es eher aus einem Spiel namens Oicho-Kabu (おいちょカブ) kommt, das mit Hanafuda-Karten gespielt wird. Das Spiel ähnelt Blackjack und es geht dabei darum möglichst nahe an die 9 heranzukommen. Ist der Betrag der Zahl auf den Karten größer 9, wird also zweistellig wird die erste Stelle abgeschnitten. 0 Punkte gibt es also für die 10, 20 usw. Die Kartenkombination 8-3-9 ergibt 20 Punkte und ist damit wirklich schlecht.2 Gesprochen wird diese Kombination Ya-Ku-Sa auf Japanisch.3
Diese Kombination wurde wohl von den früheren Glücksspielern als Begriff für etwas Nutzloses genommen und irgendwann wurde der Begriff für die Banden benutzt, welche das Glücksspiel organisiert haben. Diese Banden waren die Bakuto, eine der beiden Ursprungsgruppen der modernen Yakuza.
Die andere Ursprungsgruppe waren Tekiya, fahrende Händler, die auf Märkten u.ä. Stände aufstellten und einen eher schlechten Ruf hatten (z.B. wegen geringer Qualität der gehandelten Waren)

Als letztes noch etwas zu Tätowierungen. Der Ursprung liegt wohl darin, dass Tätowierungen ursprünglich als eine Art Brandmal genutzt worden sind. Die Kriminellen wurde ein schwarzer Ring um einen Arm tätowiert.
Laut Kaplan wurde in einem chinesischem Text aus dem dritten Jahrhundert erwähnt, dass in Japan Oberkörper und Gesicht tätowiert worden sind. Mit der Zeit sind diese komplexer geworden und die Motive waren Götter, Volkshelden, Tiere etc. Im späten 17. Jahrhundert sind diese dann populär geworden bei Menschen, die viel mit freiem Oberkörper gearbeitet haben, wie auch u.a. die oben erwähnten Mitglieder der Glücksspielbanden.

Kommentare und Fragen sind wie immer gern gesehen. Evtl. werde ich in Zukunft mehr über kriminelle Organisationen in Japan schreiben.

[1] Kaplan, David E.; Dubro, Alec (2003). Yakuza: Japan’s Criminal Underworld Expanded Edition. University of California Press. Berkeley; Los Angeles.
[2] Die Spielregeln auf Englisch gibt es hier: http://hanafubuki.org/oichokabu.html
[3] Wie es zur Lautverschiebung von Sa zu Za gekommen ist, weiß ich leider nicht.
[4] Weißbuch der National Police Agency von 2008 (Japanisch)

Sasaya – bessere Sushi gibt’s in Berlin nicht

Es gibt viele Möglichkeiten in Berlin Sushi zu essen aber um ehrlich zu sein, ist die Qualität in der Regel ziemlich mies.
Es gibt jedoch einen Laden in der Berlin, da ist es einfach großartig: Sasaya. Zum einen ist der Reis perfekt – ich frage mich jedes Mal wie sie ihren Reis zubereiten. Darüber hinaus haben sie vermutlich den besten Fischlieferanten in Berlin. Er ist sehr gut und von wirklich hoher Qualität. Der Toro (fettester Teil am Thunfisch) zergeht auf der Zunge.
Folgende Zusammenstellung kann ich wirklich empfehlen (für 2 Personen): Großes Sushi Omakase (Empfehlungen des Chefs), einmal Sake Oshi-Sushi (Sake heißt Lachs; Oshi-Sushi ist eine Spezialität aus Westjapan) und falls man dann noch Hunger haben sollte z.B. die Rainbow-Rolls. Dazu grüner Tee und als Nachtisch Eis Maccha-Sauce (Maccha ist grüner Tee). Sehr lecker und kostet insgesamt so um die 50€ und ist für zwei Personen.
Natürlichgeht das Ganze auch viel billiger. Mit obigen ist man wirklich voll und kann sich rausrollen. Man kann da auch für unter 10€ pro Person essen.
Eine Reservierung ist unbedingt erforderlich. Am Besten ein paar Tage, wenn nicht sogar ne Woche oder zwei vorher.
Sasaya
Lychener Str. 50
10437 Berlin
Tel.: 030/44 71 77 21
Öffnungszeiten: Ruhetag: Mittwoch, Do-Di 12-14.30 Uhr, 18-22.30 Uhr

Neue Kanji kommen

In 30 Jahren gab es keine Kanji-Reform aber ab nächsten Herbst wird die Liste der Kanji für den täglichen Gebrauch (常用漢字 – Jōyō-Kanji) reformiert. Die Liste der Veränderungen wurde vorgestern bekannt gegeben.
Bevor ich hier aber ins Detail gehe, ein paar kurze Erläuterungen zum japanischen Schriftsystem. Wer es kennt, kann also die nächsten Absätze überspringen.

Es gibt zwei Silbenschriften à 46 Zeichen, die durch Diakritika noch ein paar Lautverschiebungen abbilden.

Zum einen sind dies Hiragana (平仮名/ひらがな), zum anderen Katakana (片仮名/カタカナ). Heutzutage werden Hiragana in der Regel verwendet um Grammatik abzubilden und um eine ganze Reihe Wörter zu schreiben. Mir wurde einmal erzählt, dass um so öfter ein Wort verwendet wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man nicht mehr das chinesische Schriftzeichen dafür verwendet sondern es in Hiragana schreibt. Allerdings konnte ich dafür bisher keine Quelle finden. Wörter deren chinesische Schriftzeichen man nicht kennt, schreibt man in der Regle auch in Hiragana.
Katakana werden normalerweise verwendet um Lehnwörter z.B. aus dem Englischen zu schreiben (wie バーチャル・リアリティー — Virtual Reality) oder z.B. aus dem Deutschen (バイト – baito; von Arbeit und bedeutet soviel wie Nebenjob).
Dann gibt es noch Kanji (漢字), Schriftzeichen, die aus dem Chinesischen stammen. Davon gibt es viele 😉
In der Grundschule lernt man die Kyōiku-Kanji (教育漢字). Das sind 1006 Zeichen, die über die sechs Jahre Grundschule beigebracht werden. Darüber hinaus gibt es die Jōyō-Kanji (常用漢字). Das sind seit ’81 1945 Zeichen, die vorherige Liste von 1946 hatte nur 1850 Zeichen. Diese Kanji, sind die Zeichen für den täglichen Gebrauch und werden in der Mittelschule und Oberschule beigebracht. Die sollte jeder (Japaner) kennen. Es gibt dann noch mal etwas über 100 Zeichen, die zusätzlich legal in Namen verwendet werden dürfen.
Soviel zur Kurzeinführung.

Nächstes Jahr im Oktober wird es eine reformierte Liste an Jōyō-Kanji geben. Vorgestern wurden die Neuerungen veröffentlicht und das ist eine ziemlich große Nachricht, da es schließlich vor 30 Jahren die letzte Veränderung gab an dieser Liste. Allerdings kann sich die Liste der Veränderungen noch ändern. Die endgültige Liste wird zwischen Februar und April 2010 die endgültige veröffentlicht.
Hier nun aber eine Zusammenfassung der Änderungen.
Fünf Zeichen werden aus der Liste entfernt.
勺 (shaku, ein Hohl- bzw. Flächenmaß – 18ml bzw. 0,033qm)
銑 (SEN, Roheisen)
脹 (CHOU, Schwellung)
錘 (tsumu, Spindel)
匁 (monme, eine Gewichtseinheit – ca. 3,75g)

Es gibt eine Liste von 191 Kanji, die hinzugefügt werden sollen und seit einem Jahr nicht verändert worden sind. Zu dieser Liste sollten noch neun weitere hinzugefügt werden, wovon es aber nur 5 geschafft haben. Damit vergrößert sich die Liste der Jōyō-Kanji auf 2136.
Einige der neuen Kanji auf der Liste sind Zeichen, bei denen ich mich zumindest immer gewundert habe, warum sie nicht zu den Jōyō-Kanji gehören, da man ihnen andauernd begegnet wie z.B. 誰 (dare – wer) oder 俺 (ore – ich; eins der vielen Wörter, die “ich” bedeuten aber nur von Männern unter bestimmten Bedingungen verwendet werden kann), andere neue Kanji sind welche, die in Namen von Präfekturen sind.
Eine komplette Liste mit englischer Übersetzung gibt es bei KanjiClinic.com. Ausführlichere Erläuterungen auf Englisch gibt es bei der Japan Times (Englisch). Die Asahi hat auch einen ganz interessanten Artikel (Japanisch).

Fragen und Kommentare sind wie immer gern gesehen.

Wörterbücher für das iPhone

Ein kurzer Artikel zu den zwei Wörterbücher, die ich für das iPhone benutze. Ich habe mehrere durchprobiert aber die beiden halten sich schon seit langem auf meinem iPhone. Allerdings muss ich sagen, dass ich sie nur benutze um mal schnell ne Vokabel unterwegs nachzuschlagen. Wenn ich z.B. richtig Übersetzungsarbeit leisten muss, im Internet was Japanisches lese oder Fachtexte auf Japanisch lese, benutze ich andere Mittel aber das soll nicht Bestandteil des Artikels sein, sondern sich mit Wörterbüchern auf dem iPhone auseinandersetzen.

Kotoba: Kotoba ist ein kostenloses multilinguales Wörterbuch, dass auch nach Deutsch übersetzt. Als Grundlage nutzt es das JMDict. Im AppStore sagen sie zwar, dass sie auf das EDICT aufsetzen, da es jedoch multilingual ist, denke ich, dass es das JMDict nutzt. Das ist aber ehrlich gesagt für den Endnutzer einer Wörterbuchanwendung kein großer Unterschied. Die Anwendung hat keine Möglichkeit Kanji nachzuschlagen. Die Anwendung ist wie beschrieben kostenlos im AppStore erhältlich.

Update 29.10.09: Die Anwendung hat heute ein Update erfahren. Die größte Neuerung ist wohl, dass es jetzt Beispielsätze aus dem Tanaka-Corpus (Englisch) und dem Tatoeba-Project gibt. Verbkonjugationen können jetzt auch nachgeschlagen werden. Warum die Anwendung bei jedem Start nach meiner Standort fragt ist mir allerdings nicht klar aber da werde ich beim Entwickler nachfragen und hier ein Update geben. Update 29.10.2009: Inzwischen hat mir der Entwickler geantwortet. So wie es aussieht telefoniert die Anwendung “nach Hause” um anonymisierte Nutzungsstatistiken abzuliefern. U.a. will er auch ermitteln wo die Anwendung so genutzt wird. Mehr dazu auf der Seite des Entwicklers. Ich werde mich dann wohl mal wieder nach Alternativen umsehen. Persönlich habe ich kein Problem damit Nutzungsstatistiken an Entwickler weiterzugeben, so lange ich danach gefragt werde, ob ich damit einverstanden bin.

Kotoba ist übrigens Donationware. Also kostenlos im Appstore erhältlich und der Entwickler bittet um Spenden auf seiner Webseite.

Japanese: Diese Anwendung ist weitaus umfangreicher. Die Anzahl der Einträge ist gefühlt qualitativ besser, es wird aufgeführt welche Kanji in einem Wort sind und was deren Bedeutung ist, es gibt ggf. auch Alternativen für ein Wort, man kann an Wörterbucheinträge Notizen hinzufügen und mit Hilfe mehrerer Methoden Kanji nachschlagen (jedoch keine Handschrifteingabe). Leider sind hier die Übersetzungen alle auf Englisch. Der Preis ist mit 15,99€ auch relativ happig aber ein ordentliches Papierwörterbuch kostet mehr (vor allen Dingen, da man hier ja mehrere benötigt). Hier ist der Link zum AppStore.

Jisho Touch: Die einzige Alternative im AppStore, die auch Deutsch-Japanisch/Japanisch-Deutsch beherrscht scheint Jisho Touch zu sein. Es basiert auf dem JMDict und hat einen englischen, französischen, deutschen und russischen Datensatz. Die App hat eine simple Suche, die ausreichend schnell funktioniert und man kann Lesezeichen für Wörter setzen, die man öfter nachschlägt. Die Ausgabe der Ergebnisse ist meines Erachtens nicht wirklich übersichtlich gelungen. Meiner Meinung nach unterliegt Jisho in jedem Punkt Kotoba. Darüberhinaus kostet es 7,99€ im AppStore.

Ein Tipp zum Schluss: Legt euch trotz unzähliger Angebote im Netz u.ä. ein Kanji-Nachschlagewerk in Papierform zu. Ein gutes Papierwörterbuch ist mir aktuell nicht bekannt aber Kanji-Nachschlagewerke sind wirklich empfehlenswert, der Lerneffekt beim Nachschlagen ist größer. Und wer zufällig an der FU Berlin Japanologie studiert, der weiß, dass zumindest dort in den Prüfungen jegliche Form elektronischer Wörterbücher in Prüfungen verboten sind. Und da sollte man vorher mit geübt haben. Ein elektronisches Wörterbuch aus Japan ist übrigens meist nicht so empfehlenswert. Die haben nämlich das Problem, dass sie für Japaner gemacht sind und nicht für Ausländer und daher nicht so einfach zu bedienen sind und auch hier die besten Einträge im Japanisch-Japanisch-Wörterbuch zu finden sind.
Mehr hierzu aber in einem Folgeartikel.

Kotobank: Im japanischen AppStore gibt es eine iPhone-Anwendung für Kotobank. Ein japanisch-japanisch Wörterbuch, das offline funktioniert und ziemlich fix in der Suche ist. Eingebaut ist das ポケットプログレッシブ国語辞典. Über die Qualität des Buchs konnte ich leider erst einmal nichts herausfinden.

Es lassen sich weitere Wörterbücher über In-App Purchases nachladen. Die Preise werden mir in Euro angezeigt, aber ich hatte erstmal nicht das Bedürfnis welche nachzukaufen und daher auch gar nicht versucht, es mit meinem deutschen Account zu machen. Vermutlich lassen sie sich aber nur mit einem japanischen iTunes-Account nachkaufen. Ein bisschen googlen und man findet japanische Giftcards online, die man per Paypal (überteuert) kaufen kann. In der Regel geht jemand in Japan für einen dann shoppen und schickt den Code auf der Karte per Mail zu.

Gengou zum Devisen umrechnen

Hier geht’s jetzt nicht um Fremdwährungen, sondern um Jahresdevisen. In Japan gibt es “zwei Zeitrechnungen”: Zum einen nach dem gregorianischen Kalender, zum anderen nach Jahresdevisen (年号 – nengō). Die gibt es seit 645 (大化 – taika, große Veränderung) und werden auch heute noch gebraucht (aktuell sind wir bei 平成 (heisei – Frieden überall)). Die Jahresdevise fängt an mit der Thronbesteigung eines Kaisers und wird dann heutzutage nur noch hochgezählt. Wer ein bisschen geschichtlichen Hintergrund haben will, schaut am Besten mal in die Wikipedia.
Wer jetzt des öfteren mal sich mit japanischen Texten rumschlagen muss, insbesondere mit Texten von der japanischen Regierung oder auch Universitäten wird dort in der Regel die Jahresrechnung nach Jahresdevise finden und nicht nach gregorianischem Kalender und dann beginnt das lästige Umrechnen. Schon ziemlich früh gab es hierfür auf dem iPhone die wundervolle App Gengou, die das für einen übernimmt.
Heute gibt es Gengou Free (kostenlos) welches vier moderne Devisennamen umrechnen kann (ab Meiji – also ab 1868) und Gengou (0,79€), welches auch die historischen Daten umrechnet. Für die meisten wird Gengou Free reichen und es hat auch das schönere Icon 😉
Bei der Uni Tübingen gibt es auch eine Webseite zum Umrechnen.

Kommentare und Anmerkungen sind wie immer gewünscht 🙂

Altersdiskriminierung und Grammatikbücher

Die letzten zwei Wochen habe ich relativ viel an einer Hausarbeit gearbeitet und hatte deswegen keine Zeit was für’s Blog zu schreiben. Es ging um gesetzliche Maßnahmen gegen Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt und wie Japan so im internationalen Vergleich dasteht. Um’s kurz zu machen: ziemlich schlecht. Es gibt nur ein Gesetz, dass aussagt, dass man Bei Stellenausschreibungen und Anwerbung nicht auf Basis des Alters diskriminieren darf und das Pflichtverrentungsalter wurde angehoben. Und bei letzterem haben die Firmen schon in der Vergangenheit gezeigt, welche Methode sie haben um das Ganze zu umgehen. In anderen Ländern sind die entsprechenden Gesetze eher mit nem menschenrechtlichen Ansatz versehen: Diskriminierung ist grundsätzlich schlecht, auch auf Basis des Alters (egal ob jungen oder älteren Menschen gegenüber).
Na ja, mal schauen was es wird. Wer Interesse hat, kann ja nen Kommentar hinterlassen, dann mail ich ihm die Arbeit zu.

yoku_wakaru_bunpouAch ja, und dann gibt’s da noch ne Sache. Ich hab mir vor Jahren ein Buch gekauft mit dem Titel “よくわかる文法” (Grammatik leicht verständlich) und dachte, dass es nicht schlecht wäre ein Buch auf Japanisch zu haben, dass Grammatik erklärt. Damals dachte ich, dass es für Ausländer sei, die in Japan Japanisch lernen. Aber das Buch war mir damals zu schwer und ich dachte, dass es wohl eher für nen höheren Level ist. Heute hab ich das Buch mal wieder rausgekramt und irgendwo am Anfang aufgeschlagen. Und was muss ich da lesen?
“Grammatik ist für Leute, die Japanisch lernen und keine Muttersprachler sind, nicht so einfach. Selbst muttersprachliche Erstklässler haben am Anfang eine großes Grammatikwissen.” Dann kommt ein kleiner Textabschnitt und es wird ein Satz herausgenommen:
“おじさんは、とってもりっぱなかさをもっていました。” (Der Onkel hat einen ganz tollen Regenschirm gehabt).
“Der Kommentar dazu: Der Text hat wenige Kanji (chinesische Schriftzeichen) aber selbst die Grammatik dieses Satz ist schwer. Leute, die Japanisch als Fremdsprache lernen müssen bereits über 50 Stunden Japanisch gelernt haben um die Grammatik dieses Satzes zu verstehen.” (keine wortwörtlichen Übersetzungen und dazu auch noch zusammengefasst)

Da hab ich mich wohl damals beim Buchkauf etwas getäuscht und hätte vielleicht keinen Impulskauf tätigen sollen. Schon auf dem Buchtitel steht, dass das Buch für nen Test ist, für Leute, die Japanisch als Fremdsprache unterrichten wollen. D’oh
Na ja, inzwischen versteh ich das was die so schreiben ganz gut, vielleicht ist ja auch neue Grammatik bei. Und wenn ich Glück hab nehm ich sogar was mit, wenn es mal dazu kommen sollte, dass ich selber Japanischunterricht gebe.

Für Anmerkungen und Fragen bin ich immer offen und freue mich über jeden Kommentar 🙂

Strichfolgen-Suche

Wer ein bisschen Japanisch kann und sich mit Kanji auseinandergesetzt hat, weiß, dass Kanji eine feste Strichfolge haben. Als Beispiel das Kanji 本 (wird “hon” bzw. “moto” gelesen und bedeutet so viel wie Buch oder Ursprung). Hierfür einfach mal diesem Link folgen. Dort gibt es eine Animation mit der korrekten Strichfolge.

Komplexere Kanji bestehen aus mehreren Teilen, die Radikale genannt werden. Und hier fängt das Problem an, dass mich gestern beschäftigt hat. Es geht um das Kanji 組 (bedeutet soviel wie Gruppe, Klasse, Partei usw.). Der linke Teil nennt sich “ito-hen” und stammt von dem Kanji 糸 (ito, bedeutet Faden). Schaut man sich die Animation von 糸 an, sieht man das der “untere Teil” in der Reihenfolge Mitte, Links, Rechts geschrieben wird. Schaut man sich jedoch die Animation von 組, stellt man fest, dass der untere Teil vom ito-hen Links, Mitte, Rechts geschrieben wird. Schaut man in “Langenscheidt’s Handbuch und Lexikon der japanischen Schrift: Kanji und Kana 1” wird es auch von Links nach Rechts geschrieben. Darüber gestolpert bin ich übrigens weil iKanji Touch (hab ich hier drüber geschrieben Meiner Meinung nach, wird aber auch ito-hen wie 糸 Mitte, Links, Rechts geschrieben) auch dieser “Fehler” existiert.

Es war gar nicht mal so einfach festzustellen welche Reihenfolge denn nun richtig ist. Im Gegensatz zu der Liste über Kanji im täglichen Gebrauch ist die Strichfolge meines Wissens nach nicht staatlich reguliert. Aber sie ist wichtig um Handschriften lesen zu können und damit die eigene Handschrift gelesen werden kann (und damit man nicht von Japanern kritisiert wird 😉 ). Über die Mailingliste der TLUG (Tokyo Linux User Group), zu Fragen über die japanische Sprache (die ML nennt sich “lingo”) habe ich dann schlussendlich Antwort bekommen: Eines der Mitglieder hat seine Tochter, die gerade in der sechsten Klasse in Japan ist, gefragt. Da in Japan in der Grundschule Kanji wichtiger Bestandteil sind und es häufig Tests gibt, ist sie eine hervorragende Referenz. Mitte, Links, Rechts ist richtig. Ihr Kanji-Wörterbuch (für lernende Japaner) bestätigt dies auch und ich hatte total vergessen, dass ich auch noch ein Buch für japanische Grundschüler besitze, das die Strichfolge bestätigt.
Aus Erfahrung wird aber wohl auch die Reihenfolge von Links nach Rechts in Handschriften verwendet (davon hat die Sechstklässlerin aber noch nie was gehört). Also ist wohl beides richtig, nur ist eines richtiger.

Update: Auf Anfrage hin, hab ich mal ein Photo gemacht um das obige zu verdeutlichen.
ito-hen

Rechts sieht man das ito-hen in “Druckschrift”. Daneben in den o.g. Varianten. Links in der Variante “Mitte, links, rechts” und in der Mitte in der Variante “von links nach rechts”. Wie man sehen kann, ist das Erscheinungsbild anders und aus diesem Grund sind die Strichfolgen so wichtig. Schreibt man schnell, ziehen sich die Striche zusammen und nur wenn man die “richtige” Strichfolge nutzt bleibt das Ganze lesbar.

Ich hab die Sache übrigens noch weiter verfolgt. In einer Richtlinie von 1981 zu der Thematik sind beide Varianten als korrekt angegeben und bei einer Umfrage vor va. 35 Jahren haben mehr Japaner angegeben, dass sie die Variante “links nach rechts” benutzen. Anfang 2010 wird es nach 30 Jahren ein Update der Richtlinie geben und man wird sehen ob diese Strichfolge immer noch “richtig” ist.