Eigentlich wollte ich nur einen Wikipedia-Artikel korrigieren. Aus diversen Gründen lass ich es aber sein. Daher gibt es jetzt hier einen Artikel dazu.
Yakuza ist ein umgangssprachlicher Begriff für die organisierte Kriminalität japanischen Ursprungs. In den Berichten der Polizei wird meiner Erfahrung nach immer von kriminellen Banden (Bōryokudan - 暴力団; wortwörtlich: gewalttätige Organisation) gesprochen. In neueren Veröffentlichungen spricht die Polizei interessanter Weise von “Organisierter Kriminalität” (Soshiki Hanzai - 組織犯罪), wobei ich aber leider noch nicht rausgefunden habe was der Unterschied ist.
In neueren Veröffentlichungen fasst die Polizei in einem Kapitel inländische und ausländische organisierte Kriminalität (Soshiki Hanzai - 組織犯罪) zusammen. Wobei für die inländische organisierte Kriminalität (also die Yakuza) der Begriff Bōryokudan verwendet wird. Wird über ausländische organisierte Kriminalität geschrieben, wird der Begriff Soshiki Hanzai verwendet.4
Der genaue Ursprung des Begriffs ist unbekannt. Der beliebteste Mythos stammt laut Kaplan1 aus dem Hanafuda (花札), ein japanisches Kartenspiel. Aber auch das scheint nicht 100% richtig, da es eher aus einem Spiel namens Oicho-Kabu (おいちょカブ) kommt, das mit Hanafuda-Karten gespielt wird. Das Spiel ähnelt Blackjack und es geht dabei darum möglichst nahe an die 9 heranzukommen. Ist der Betrag der Zahl auf den Karten größer 9, wird also zweistellig wird die erste Stelle abgeschnitten. 0 Punkte gibt es also für die 10, 20 usw. Die Kartenkombination 8-3-9 ergibt 20 Punkte und ist damit wirklich schlecht.2 Gesprochen wird diese Kombination Ya-Ku-Sa auf Japanisch.3 Diese Kombination wurde wohl von den früheren Glücksspielern als Begriff für etwas Nutzloses genommen und irgendwann wurde der Begriff für die Banden benutzt, welche das Glücksspiel organisiert haben. Diese Banden waren die Bakuto, eine der beiden Ursprungsgruppen der modernen Yakuza. Die andere Ursprungsgruppe waren Tekiya, fahrende Händler, die auf Märkten u.ä. Stände aufstellten und einen eher schlechten Ruf hatten (z.B. wegen geringer Qualität der gehandelten Waren)
Als letztes noch etwas zu Tätowierungen. Der Ursprung liegt wohl darin, dass Tätowierungen ursprünglich als eine Art Brandmal genutzt worden sind. Die Kriminellen wurde ein schwarzer Ring um einen Arm tätowiert. Laut Kaplan wurde in einem chinesischem Text aus dem dritten Jahrhundert erwähnt, dass in Japan Oberkörper und Gesicht tätowiert worden sind. Mit der Zeit sind diese komplexer geworden und die Motive waren Götter, Volkshelden, Tiere etc. Im späten 17. Jahrhundert sind diese dann populär geworden bei Menschen, die viel mit freiem Oberkörper gearbeitet haben, wie auch u.a. die oben erwähnten Mitglieder der Glücksspielbanden.
Kommentare und Fragen sind wie immer gern gesehen. Evtl. werde ich in Zukunft mehr über kriminelle Organisationen in Japan schreiben.
[1] Kaplan, David E.; Dubro, Alec (2003). Yakuza: Japan’s Criminal Underworld Expanded Edition. University of California Press. Berkeley; Los Angeles. [2] Die Spielregeln auf Englisch gibt es hier: http://hanafubuki.org/oichokabu.html [3] Wie es zur Lautverschiebung von Sa zu Za gekommen ist, weiß ich leider nicht. [4] Weißbuch der National Police Agency von 2008 (Japanisch)
Ach ja, und dann gibt’s da noch ne Sache. Ich hab mir vor Jahren ein Buch gekauft mit dem Titel “よくわかる文法” (Grammatik leicht verständlich) und dachte, dass es nicht schlecht wäre ein Buch auf Japanisch zu haben, dass Grammatik erklärt. Damals dachte ich, dass es für Ausländer sei, die in Japan Japanisch lernen. Aber das Buch war mir damals zu schwer und ich dachte, dass es wohl eher für nen höheren Level ist. Heute hab ich das Buch mal wieder rausgekramt und irgendwo am Anfang aufgeschlagen. Und was muss ich da lesen?
“Grammatik ist für Leute, die Japanisch lernen und keine Muttersprachler sind, nicht so einfach. Selbst muttersprachliche Erstklässler haben am Anfang eine großes Grammatikwissen.” Dann kommt ein kleiner Textabschnitt und es wird ein Satz herausgenommen:
“おじさんは、とってもりっぱなかさをもっていました。” (Der Onkel hat einen ganz tollen Regenschirm gehabt).
“Der Kommentar dazu: Der Text hat wenige Kanji (chinesische Schriftzeichen) aber selbst die Grammatik dieses Satz ist schwer. Leute, die Japanisch als Fremdsprache lernen müssen bereits über 50 Stunden Japanisch gelernt haben um die Grammatik dieses Satzes zu verstehen.” (keine wortwörtlichen Übersetzungen und dazu auch noch zusammengefasst)