Jugendliche in Japan und China vergessen, wie man schreibt

Gerade in meinem Newsreader gefunden: AFP: Wired youth forget how to write in China and Japan:

 

“Tokyo student Maya Kato, 22, said: ‘I hardly hand-write anymore, which is the main reason why I have forgotten so many characters.

It is frustrating because I always almost remember the character, and lose it at the last minute. I forget if there was an extra line, or where the dot is supposed to go.’

Geht mir ehrlich gesagt ähnlich. Und nachdem ich vor nicht allzu langer Zeit gelesen habe, dass einer der Gründe für die Aufnahme von etwa 200 zusätzlichen chinesischen Schriftzeichen (Kanji) in die Liste der täglich genutzten Kanji sei, dass man sie nicht mehr unbedingt schreiben muss, es aber wichtig sei das man sie lesen kann wundert mich auch nichts mehr. In meiner täglichen Praxis habe ich auch festgestellt, dass das Schreiben nicht so wirklich wichtig ist. Hauptsächlich liest man Japanisch eh. Schriftlich kommuniziere ich ausschließlich per E-Mail und da muss ich die Zeichen auch nur Lesen können. Vor kurzem habe ich eine Postkarte geschrieben aber das war es auch seit Langem, dass ich mal mit der Hand geschrieben habe. Ich finde Kanji toll und würde sie gerne besser schreiben können aber so selten wie man es wirklich braucht…nun ja, zum Glück geht’s auch Japanern so aber das musste ich ehrlich gesagt schon ziemlich früh am Anfang meines Studiums feststellen 😉

 

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Und darum schmeckt japanische Schokolade nicht

Wer schon einmal in Japan war und die “großartigen” Schokoladenprodukte von Meiji und anderen probieren durfte, weiß warum man auf seinen Reisen nach Japan Milka und Ritter Sport für seine Freunde mitbringen sollte.

Schokolade in Japan schmeckt einfach nicht. Nach ein paar Versuchen habe ich von Schokolade japanischer Firmen für immer die Finger gelassen. Heute habe ich endlich herausgefunden, warum japanische Schokolade so schlecht schmeckt.

Aktuell lese ich “Can Japan Compete?” von Michael E. Porter (Harvard-Prof, der u.a. auf internationale Wettbewerbsfähigkeit spezialisiert ist), Hirotaka Takeuchi und Mariko Sakakibara aus dem Jahr 2000. Ein recht interessantes Buch, dass vielen Ideen zum Thema staatlich gestützte Wettbewerbsfähigkeit den Wind aus den Segeln nimmt.

Nun aber zurück zur Schokolade. In diesem Buch steht unter anderem der Grund warum japanische Schokolade von so niedriger Qualität ist: Zum Einen gibt es seit 1974 einen Zoll in Höhe von 35% auf Zucker und Milch. Damit sind wichtige Zutaten von Schokolade unnötig teuer. Dies führte dazu, dass japanische Firmen nach Substituten für Schokolode suchen mussten. Zum anderen gibt es wohl sehr lockere Regulierungen von staatlicher Seite aus, wieviel Kakao und Kakaobutter in Schokolade sein muss, damit sie Schokolade genannt werden kann. Und dies führte laut den Autoren zu einer indirekten Billigung von Produkten niedriger Qualität seitens der Regierung. Rätsel gelöst.

Nihonjinron – die Einzigartigkeit der Japaner

Lange Zeit kein Post, daher muss dem Abhilfe geschaffen werden.

Vor nicht allzu langer Zeit bin ich mit jemandem auf Twitter auf das Thema Nihonjinron gekommen. Da das Ganze nicht so einfach zu erklären ist, habe ich ihm eine längere Mail zum Thema “Was ist das Problem am Nihonjinron, wenn man über Japan und die japanische Gesellschaft spricht” geschrieben. Aber auch für dieses Blog ist der Großteil des Inhaltes der Mail ganz gut geeignet, daher hier eine leicht überarbeitete Fassung 😉

Erst einmal, was ist Nihonjinron? Nihonjinron beschreibt Werke nationalistischen Kulturalismus, die sich mit der “Einzigartigkeit” Japans auseinandersetzen.

Folgende Annahmen sind Grundlage des Diskurses:

  1. Man kann die japanische Gesellschaft ausschließlich mit der Hilfe von Japanern verstehen; eine externe bzw. ausländische Analyse funktioniert nicht
  2. Japaner können als kulturelles und sozial homogenes Gebilde angesehen werden, deren Kern sich über die Zeit nicht ändert
  3. Die Japaner unterscheiden sich radikal von allen anderen bekannten Völkern hinsichtlich Gesellschaft, Kultur und Sprache
  4. Ausländer sind nicht in der Lage die Essenz der japanischen Kultur und Sprache zu verstehen

Im Folgenden werde ich versuchen die Sachen auseinanderzunehmen.

1) Dieser Punkt ist für mich schwer auseinanderzunehmen. Meiner Meinung nach kann man sehr wohl auch mit Hilfe ausländischer Analyse Japan verstehen. Um genau zu sein ist vermutlich die ausländische Analyse sogar wichtiger als die rein japanische Sichtweise. Der wissenschaftlichen Diskurs der sich mit Japan auseinandersetzt umfasst den kultur- bzw. sozialwissenschaftlichen Bereich — Literaturwissenschaften, Anthropologie, Soziologie, Wirtschaftswissenschaft, Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft etc. und betrachtet Japan von außen. Zum Teil werden diese Kenntnisse in Japan wieder angewandt und/oder auch ins Ausland übernommen.

2) Die homogene Gesellschaft ist ein Mythos, der immer wieder aufkommt. Lange Zeit haben sich ein Großteil der Japaner in Umfragen immer der Mittelschicht zugeordnet (in den 80ern bis zu 90%). Das Problem war allerdings, dass die Frage folgende Antworten zuließ: “oben”, “obere Mitte”, “mittlere Mitte”, “untere Mitte”, “unten” und “weiß nicht”. Die meisten haben sich der mittleren Mitte oder der unteren Mitte zugeordnet.

Heutzutage gibt es einen großen Diskurs über die kakusa shakai (格差社会) – die ungleiche Gesellschaft. Inzwischen sind Arbeitsplätze nicht mehr so sicher, die prekären Beschäftigungsverhältnisse nehmen zu (Leih- und Zeitarbeit) und immer mehr Haushalte haben Probleme sich zu versorgen. Und die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Ein empfehlenswerter Roman, der in der Unterschicht spielt ist Natsuo Kirinos “Die Umarmung des Todes” (auf Englisch Out, auf Japanisch アウト).

Aber die “traditionellen Säulen” des japanischen Beschäftigungssystems Lebensanstellung, Seniorität[1] und Unternehmensgewerkschaften[2] galten auch schon immer nur für etwa ein Drittel der Beschäftigten. Diese waren als Stammarbeiter angestellt und auch zwischen Großunternehmen und den Klein- und Mittelunternehmen gab es große Lohnunterschiede.

Dazu kommt, dass es auch in der japanischen Gesellschaft Minderheiten gibt. Zum einen die Koreaner, die zur Zeit der japanischen Besatzung in Korea nach Japan deportiert worden sind. Dann gibt es eine wachsende chinesische Minderheit. Die Nikkeijin, Japaner, welche von Japanern abstammen, die vor mehreren Generationen ausgewandert sind und nun durch ein Gastarbeiterprogramm wieder nach Japan zurückgekommen sind. In der Regel kommen diese aus Brasilien. Die sehr kleine Minderheit an westlichen Ausländern (die Bekanntesten sind wohl Tsurunen Marutei, ein naturalisierter Finne, der Abgeordneter im Oberhaus ist und Arudou Debito, ein naturalisierter Amerikaner, der ein sehr populäres Blog hat). Die Ainu auf Hokkaidō, die nichts mit dem Rest der Japaner zu tun haben. Ob man die Bewohner von Okinawa als Minderheit ansehen kann, denke ich eher nicht. Aber es gibt definitiv kulturelle Unterschiede und Okinawa gehörte lange Zeit nicht zu Japan und hat auch sehr eigene Bräuche etc.

Auch kulturell gibt es innerhalb des Landes große Unterschiede in den Traditionen, die darauf hinweisen, dass es keine homogene Gesellschaft ist.

3) Unterschied in Gesellschaft und Kultur. Hierauf geh ich nur sehr sehr kurz ein: viel wurde aus China und Korea importiert 😉

Einzigartigkeit der Sprache: Die ursprüngliche Sprache auf Okinawa hat sehr große Ähnlichkeiten mit dem Japanischen. Das Koreanische ist eins-zu-eins übersetzbar und hat aus dem was ich weiß nur eine Höflichkeitsstufe mehr (hatte ein Jahr Intensivkurs plus weiterführenden Unterricht; musste es aber aus Zeitgründen leider aufgeben). Die Lexik – sprich ursprünglich-koreanische und ursprünglich-japanische Wörter unterscheiden sich stark. Das Japanische wird teilweise den altaischen Sprachen zugeordnet. Andere Sprachen, die dem japanischen wohl sehr ähnlich sind, sind mongolisch und türkisch. Die Sprache ist also nicht wirklich einzigartig.

4) Au contraire

Nachdem ich jetzt die Argumente auseinandergenommen habe, die Probleme des Nihonjinron und warum man so schnell in seine Falle tappt, wie ich es beschrieben habe.

Ein großes Problem ist, dass viele Theorien von Japanern selbst vertreten werden. Frei nach dem Motto “Japan ist halt anders”. Auch die Einzigartigkeit und die homogene Gesellschaft werden gerne von Medien und Politikern betont und spiegeln sich dadurch auf die Gesellschaft zurück.

Dadurch, dass diese Theorien so häufig im In- und Ausland wieder aufgebracht werden von Leuten, die sich nicht so intensiv mit Japan auseinandersetzen, hält sich der “Mythos Japan”. Es ist oftmals schnell gesagt “ist halt Japan” und genau darin liegt das Problem. Nur weil es Japan ist, heißt es noch nicht, dass es einzigartig ist und bei Diskussionen über Kultur geht es sehr schnell in die Richtung. So nebenbei: eine Frage in meiner mündlichen Zwischenprüfung war “Denken Sie, dass die japanische Gesellschaft homogen ist und begründen Sie bitte ihre Antwort.” Das ist wirklich etwas was vielen “ausgetrieben” werden muss, da man es dauernd liest bei Leuten, die sich nicht wirklich intensiv mit der Literatur zu Japan auseinandergesetzt haben.

Kurz zusammengefasst: Nihonjinron ist eine nationalistisch geprägter Diskurs, dessen Theorien gerne von Japanern übernommen werden. Diese Theorien sind jedoch nicht korrekt. Leider werden diese Theorien außerhalb Japans oftmals angenommen, gerade weil sie von Japanern vertreten werden. Gleichzeitig ist es einfacher zu sagen “ist halt Japan”, anstatt “tiefer zu forschen”.

Kommentare sind wie immer gern gesehen.

[1] Seniorität beschreibt hier den steigenden Lohn mit zunehmender Dauer der Betriebszugehörigkeit (zurück)

[2] In Japan gibt es nicht wie hier Gewerkschaften, die sich über Industrien erstrecken, sondern die Unternehmen haben ihre eigene Gewerkschaft.

Alle drei Säulen haben übrigens noch ganz interessante Hintergründe, Auswirkungen etc. (zurück)


rikaikun – Rikaichan für Google Chrome

Vor nicht allzu langer Zeit bin ich auf Google Chrome umgestiegen. Meiner Meinung nach ein sehr ordentlicher Browser von Google, der u.a. die tolle Eigenschaft hat, dass jeder Tab einen neuen Prozess aufmacht und wenn damit aus irgendeinem Grund eine Seite nicht mehr reagiert oder ein Plug-In abstürzt nur der eine Tab abstürzt und nicht alles. Um genau zu sein auf die Nightly Builds von Chrome namens Chromium, da diese auch unter Mac OS X Extensions unterstützen.
Für Firefox gibt es das großartige Rikaichan, dass ich schon mal in diesem Blog vorgestellt habe.

Jetzt gibt es rikaikun: eine Portierung von Rikaichan nach Google Chrome. Großartig 🙂
Leider unterstützt es aktuell nur das Wörterbuch für Japanisch-Englisch aber zumindest für mich ist das erstmal ausreichend. Hoffentlich werden aber noch weitere Wörterbücher nachgeschoben.
rikaikun kann hier heruntergeladen werden.

Vortrag über das japanische Schriftsystem am 13.01.10

Hier ein wenig Werbung in eigener Sache:

Am 13.01.2010 halte ich in der abgestürzten Raumstation c-Base (Karte) ab 19:00 Uhr einen Vortrag. Das Thema ist das japanische Schriftsystem, das in der Literatur teilweise auch als das komplizierteste der Welt bezeichnet wird.
Es wird einen Blick in die Entwicklung des Schriftsystems geben, sowie die heutige Verwendung. Dazu werde ich erklären wie man Wörterbücher benutzt und wie das mit Computern und Japanisch funktioniert.
Ich bin kein Linguist, sondern werde den Vortrag aus Sicht eines Japanischlernenden halten.

Fragen und Kommentare bitte in der Kommentarfunktion hinterlassen 🙂

Filmempfehlung: Saure Erdbeeren – Japans versteckte Gastarbeiter

Endlich habe ich es mal geschafft mir die Dokumentation “Saure Erdbeeren: Japans versteckte Gastarbeiter” (2008) anzusehen. Wie der Titel schon sagt, handelt der Film von Gastarbeitern in Japan. Diese kommen über Schlupflöcher in der Gesetzgebung in das Land. In der Regel geschieht dies als Nikkei-Jin oder über Trainee-Programme.
Nikkei-Jin sind japanischstämmige Ausländer, die max. in der dritten Generation im Ausland leben. In der Regel sind die Vorfahren nach Südamerika ausgewandert, die meisten nach Brasilien. In den 80er Jahren begann die japanische Regierung Visa auszustellen, damit diese die schweren, dreckigen und gefährlichen Arbeiten in Japan ausführen können. Die Arbeiten also, die Japaner nicht mehr ausführen wollen.
Andere Gastarbeiter werden über Ausbildungsprogramme angeworben. Offiziell sind es Ausbildungsprogramme in den Firmen, inoffiziell sind es sehr sehr billige Arbeiter. Auch hier gilt dasselbe wie schon bei den Nikkeijin beschrieben.
Sehr sehenswerte Dokumentation, die etwa eine Stunde lang ist.
Hier ein paar Links dazu:

Was heißt eigentlich eine “Sprache fließend sprechen”?

Das hat jetzt nur begrenzt Japanbezug aber ich wurde vor kurzem gefragt, ob ich fließend Japanisch spreche und ich verneinte.
Aber dafür müsste man vielleicht erstmal festlegen, was ich eigentlich unter fließend verstehe. Heute habe ich auf Twitter geschrieben, was meiner Meinung nach “fließend” bedeutet:

Die Fähigkeit sich über ein beliebiges Thema tiefgehend zu unterhalten

Wie zu erwarten war, kamen gleich zwei Reaktionen, dass das schon für Muttersprachler einzuhalten schwer ist.

Ich bin kein Linguist oder ähnliches, daher gebe ich hier meine wissenschaftlich völlig unbelegbare Meinung wieder 🙂

Tiefgehend bedeutet für mich, dass ich ohne großartig Wörterbücher konsultieren zu müssen eine Tageszeitung lesen oder Nachrichten sehen kann und mich anschließend über diese Themen zu unterhalten. Auch das Lesen von Prosa oder ähnlichem sollte möglich sein. Der alltägliche Smalltalk bzw. die alltägliche Unterhaltung bzw. das “Gespräch über Gott und die Welt” gehört natürlich auch dazu. Zusätzlich sollte man bei seinen eigenen Interessensgebieten auch größere Teile des Fachvokabulars beherrschen.
Japanischsprechende würde ich übrigens nur dann auf “fließend” einstufen wenn sie den höchsten Level des Japanese Language Proficiency Test bestehen.

Muttersprachler haben hier teilweise, evtl. sogar oftmals auch Defizite (es muss irgendeinen Grund geben warum so viele die BILD lesen anstatt FAZ, SZ u.ä.) aber sie haben dafür andere Kenntnisse, die sie vom Fremdsprachler unterscheiden: ein Sprachgefühl, dass nur schwer zu “erlernen” ist. Es geht mir hier um die Kleinigkeiten bei denen man schnell einen Ausländer festmachen kann. Im Deutschen fällt das z.B. schnell bei der Verwendung von Artikeln auf, im japanischen bei der Verwendung von Partikeln, im Englischen bei Präpositionen. Zumindest ist das bei mir so. Dazu kommen noch so Dinge wie “erlaubte” Fehler: “wegen dir” und “wegen mir” ist vielleicht falsch aber es wird häufig benutzt. Und ich hab noch niemanden getroffen, der die notorischen “meinetwegen”, “deinetwegen”, “korrekt den Genitiv-Benutzer”-Korrigierer leiden kann. Jemand, der Deutsch als Fremdsprache spricht, macht solche Fehler meiner Erfahrung nach eher seltener – dafür aber andere. Dazu kommt natürlich noch die Sache mit dem Akzent u.ä.

Buchempfehlung: Making Sense of Japanese

Japanische Grammatik ist auf den ersten Blick relativ einfach. Ein paar wenige Zeitformen, keine Artikel, keine Geschlechter, kein Plural oder Singular und und und. Besteigt man jedoch den Berg des Japanischen, so stellt man beim Erreichen des Gipfels fest, dass es dahinter noch einen gibt, der höher liegt. Und hat man auch diesen erreicht, so stellt man fest, dass dahinter ein noch höherer liegt. Ein bisschen wie in der Simpsons-Szene als Homer einen hohen Berg besteigen soll und denkt, dass er nicht sonderlich hoch ist und ihm dann der zweite und dritte Gipfel auffällt.

Vor kurzem bin ich über ein Buch gestolpert, dass einem ein wenig zusätzliches Kletterzeug an die Hand gibt um den Berg zu besteigen: “Making Sense of Japanese: What the Textbooks Don’t Tell You” von Jay Rubin. In der Staatsbibliothek Berlin habe ich die Version von 1992 (Sig: 1A553 970) gefunden.

Die Hauptzielgruppe sind Japanisch-Lernende, die gerade dabei sind von Lehrbüchern auf natürliche Texte zu wechseln. Meiner Meinung nach ist das Buch für jeden geeignet, der bereits Keigo (Höflichkeitssprache) intensiver behandelt hat.

Die behandelten Themen sind ausschließlich grammatikalischer Natur. Der Unterschied von は und が, wie funktioniert das nochmal mit あげる, くれる, もらう, Passiv und Passivkausativ und mehr. Sehr interessante Sachen, die man evtl. schon mal gehört hat aber hier nochmal in einer Weise wiederholt werden, dass man ein besseres Verständnis erhält. Rubin schlägt auch vor, dass man sich die Sachen auch nochmal in seinem Lehrbuch anschauen sollte, nachdem das Buch gelesen hat.

Rubin benutzt viele natürliche Beispiele, meist aus Romanen von bekannten Schriftstellern wie Murakami Haruki oder Mishima Yukio. Teilweise auch selbst gewählte. An diesen sieht man dann auch meiner Meinung das Alter des Buches: das Japanisch fühlt sich alt an. Min. 20 Jahre – das war eine Schätzung bevor ich auf das Erscheinungsdatum geschaut hatte. Trotz dessen ist das Buch sehr lesenswert und kann nur jedem empfohlen werden meiner Meinung nach.

Bei Google Books gibt es eine Preview des Buches mit Inhaltsverzeichnis und Introduction (Link)
Das Buch kostet in der Auflage von 2002 bei Amazon aktuell 10,86€ (Link zum Buch).

Google geht ein weiteres Problem an: Japanischeingabe

Vor zwei Wochen hat Google den Google IME für Japanisch veröffentlicht (jap. Google-Blogeintrag). Während ich schon mehrfach auf Twitter davon gelesen hatte, bin ich jetzt erst dazu gekommen ihn mir genauer anzusehen. Ich muss sagen, dass ich begeistert bin.

Was aber ist ein IME? (Jeder der das bereits weiß, kann diesen Teil überspringen)
IME steht für Input Method Editor und ist das Tool, das benutzt wird um Japanisch auf einem Computer einzugeben.
Als Endnutzer sehe ich folgendes:
Man beginnt mit der Eingabe einer Umschrift mit Hilfe von lateinischen Buchstaben (Romaji) und diese wird dann entsprechend der Regeln der Umschrift in Hiragana umgewandelt. Drückt man die Leertaste, wird das Geschriebene kontextabhängig in eine Mischform aus Hiragana, Katakana und Kanji umgewandelt. Danach können noch Korrekturen an der Umwandlung bzw. des Geschriebenen vorgenommen werden.
Im Hintergrund steckt eine Datenbank auf die zugegriffen wird, je nach IME ist diese mal kleiner oder größer. Dasselbe gilt für die Qualität der Heuristik. Bei allen mir bekannten IMEs kann man zusätzlich neue Wörter hinzufügen.

Nun aber zu Googles IME. Entstanden ist der Google IME aus einem der 20%-Projekte bei Google. Mitarbeiter bei Google bekommen 20% ihrer Arbeitszeit freigestellt um an eigenen Projekten zu arbeiten. Die Anfänge des IMEs liegen bei Google’s “Meinten Sie”. Jeder kennt das. Man gibt etwas bei Google ein, vertippt sich vielleicht und startet die Suche. Über den Ergebnissen steht dann oftmals ein “Meinten Sie: Suchbegriff”, welches bei einem Vertipper den korrekt geschriebene Suchbegriff anzeigt. Diese Technologie wurde als Grundlage für Googles IME genommen.

Das Ergebnis ist klasse. Fängt man an zu tippen, so gibt es, wie auch bei anderen IMEs bekannt, Vorschläge, was man tippen will. Jedoch scheinen mir die Vorschläge bei Googles IME besser und vor allen Dingen aktueller zu sein. Selbst relativ neue Wörter wie z.B. オン寝 (On’ne – das Einschlafen während man auf eine Antwort im Chat bzw. auf eine E-Mail wartet) sind enthalten.
Bei der Installation kann man auswählen ob die Anwendung nach Hause telefonieren darf um die Ergebnisse des IMEs zu verbessern.

Aktuell ist der IME verfügbar für Windows (XP SP2, Vista SP1, 7) und Mac OS 10.5+.

Fragen und Anmerkungen sind in den Kommentaren wie immer gern gesehen 🙂

Was studiert man eigentlich in der Japanologie?

Gerade habe ich angefangen mir die zweite Ausgabe von Studienwahl.tv anzusehen. Es geht in der Ausgabe um Sprachwissenschaften. Unter anderem wird hier Sinologie, Japanologie und Koreanistik erwähnt. Sprache ist meiner Erfahrung nach, in allen drei Fächern nur ein Werkzeug um z.B. Fachliteratur oder auch Zeitungstexte in der entsprechenden Sprache lesen zu können. Je nach Universität sind auch Literatur und Kultur keine Schwerpunkte.

Daher dachte ich mir, dass es vielleicht ganz gut ist mal zu schildern wie die Japanologie an der FU Berlin aussieht. Ich kann aus erster Hand nur vom auslaufenden Magisterstudiengang berichten, habe aber auch reichlich Informationen über den Bachelorstudiengang Ostasienstudien/Japanwissenschaften und dem Masterstudiengang Japanologie. Aus Erzählungen von Freunden, sind die Bachelorstudiengänge der Korea- und Chinastudien inhaltlich ähnlich. Der Bezug liegt natürlich auf dem entsprechendem Land.

Beginnen werde ich mit dem Magisterstudiengang Japanologie. Bei einem Magisterstudiengang hat man entweder zwei Hauptfächer oder ein Hauptfach und zwei Nebenfächer. Ich selbst studiere Japanologie im ersten Hauptfach.

Am Anfang stand ein einjähriger Intensivsprachkurs Japanisch. Wir hatten an drei Tagen je vier Stunden Unterricht. Erwartet wurde, dass man zu Hause nochmal das Doppelte Zeitpensum dafür aufwendet. Wöchentlich gab es Tests für chinesische Schriftzeichen, die nicht in die Endnote zählten und alle drei Wochen einen Test der in die Endnote miteinberechnet wurde. Die Durchfallquote war relativ niedrig. Dies lag aber auch an der hohen Abbruchquote. Bis Weihnachten hatten etwa 50% das Studium beendet.

Hatte man die Hürde des Vorstudiensprachkurses genommen, stand das Grundstudium an. Das Grundstudium hatte eine Vielzahl unterschiedlicher Kurse. In zwei Geschichtskursen hat man einen Abriss über die gesamte japanische Geschichte bekommen. In zwei Landeskundekursen wurde das Alltagsleben aber auch z.B. Geographie behandelt. Dann konnte man aus drei Bereichen zwei auswählen, in denen man je einen Einführungskurs und ein Proseminar machte. Diese Bereiche sind Kultur, Gesellschaft und Politik und Wirtschaft. Kultur ist bei uns sehr literaturwissenschaftlich. Die zwei gewählten Bereiche führt man im Hauptstudium weiter.
Ich habe in allen drei Bereichen Einführungskurse und Proseminare besucht. Der Einführungskurs Kultur behandelte Semiotik (Gebrauch von Zeichen) als auch Literatur. Der Wirtschaftseinführungskurs behandelte japanisches Management (z.B. Total Quality Management) und auch Aufbau japanischer Firmen. Der Einführungskurs Politik war ein Abriss moderner politischer Geschichte und Grundlagen zu den Theorien, die es zur Funktionsweise der japanischen Politik gibt.
Die Kulturproseminare waren zum Einen ein Proseminar über japanische Science Fiction-Literatur, zum anderen eins über Manga. Beides hat mir viel gebracht, vor allem weil mir dies auch eine Grundlage zum Verständnis der entsprechenden Literatur gegeben hat. Eine Anmerkung noch: Manga aus wissenschaftlicher Sicht auseinander zu nehmen macht lange nicht so viel Spaß, wie man denkt. Das Wirtschaftsproseminar behandelte klein- und mittelständische Unternehmen. Das Politikproseminar behandelte japanische Außenpolitik.
Zu diesen Kursen kommen dann noch zwei Kurse in japanischer Grammatik sowie sieben weiterführende Sprachkurse. Da ist dann von Übersetzung, Konversation, Hörverständnis usw. alles mögliche dabei.
Als letzte Pflichtübung im Grundstudium gilt es dann noch einen Schein in Übersetzungspraxis 1 abzulegen. Das bedeutet insgesamt soviel zu übersetzen, dass das Ergebnis 20 Seiten Deutsch umfasst. Viele übersetzen Zeitungsartikel, ich hatte aus einem Übersetzungskurs ein Buch weiter übersetzt.

Die dreißig Minuten lange Zwischenprüfung umfasst eine Japanischprüfung. Man bekommt eine Woche vor der Prüfung einen japanischen Text, der ein bis zwei Din A4-Seiten umfasst. Diesen muss man flüssig lesen und übersetzen können. Die Grammatik muss auch erklärt werden. Außerdem gibt man vor der Prüfung eine Bücherliste ab, die drei Bereiche umfasst, wobei man zu zwei Bereichen drei Bücher list und zu einem Bereich vier Bücher. Im meinem Fall waren die Bereiche Gesellschaft, Wirtschaft und Außenpolitik.

Im Hauptstudium geht es dann weiter. Die Sprachausbildung umfasst vier Sprachkurse, die vom Niveau her natürlich höher sind als die des Grundstudiums. Dazu kommt ein Sprachkurs in vormodernem Japanisch welcher insbesondere für die sozialwissenschaftlich Interessierten wichtig ist. Fachtexte in diesem Bereich nutzen öfters grammatikalische Formen des vormodernen Japanisch.
Weiterhin gilt es drei Leistungsscheine in Hauptseminaren abzulegen. Wobei hier wieder die Bereiche aus dem Grundstudium zum Tragen kommen. In einem der dort gewählten Bereiche legt man zwei Leistungsscheine ab, in dem anderen einen Leistungsschein. Ein Leistungsschein bedeutet das Seminar zu besuchen, dort ein Referat zu halten, eine 20-seitige Hausarbeit mit 20% japanischen Quellen zu schreiben und die dazugehörige Übung zu besuchen. In der Übung werden zur Thematik passende japanischsprachige Quellen gelesen und der Inhalte diskutiert. In der Regel läuft es aber leider auch nur auf einen Übersetzungskurs hinaus.
Zusätzlich gilt es sechs Semesterwochenstunden, also drei Kurse zu besuchen, die Japanbezug haben aber keine Sprachkurse sind.
Hauptseminare, die ich beispielsweise besucht habe handelten von der japanischen Außenpolitik, dem Sozialstaat, die Beziehung zwischen der Politik und den Älteren, den Arbeitsmarkt usw. Im kulturwissenschaftlichen Bereich sind es oftmals literaturwissenschaftliche Seminare, die sich jeweils mit einem Autor intensiv auseinandersetzen.
Zur Vorbereitung auf die Magisterarbeit gibt es noch ein Kolloquium.
Als letztes steht auch hier eine Übersetzungspraxis an. Das Ergebnis umfasst diesmal aber 80 Din A4-Seiten.
Dann kommen Magisterprüfung- und Arbeit, wobei ich diese noch nicht abgelegt habe. Diesmal gilt es auch drei Bereiche anzugeben, die diesmal aber enger eingegrenzt sein können. Die Bücherliste umfasst 15 Bücher zu jedem der Bereiche. In einem Bereich legt man eine schriftliche Prüfung ab. Zu dieser bekommt man einen japanischen Text, der zwei oder mehr Seiten umfasst. Als Hilfsmittel sind nur Papierwörterbücher zugelassen. Hat man jahrelang nur mit elektronischen gearbeitet ist das eine Herausforderung für sich aber schon im Vor- bzw. Grundstudium hat man gelernt mit Papierwörterbüchern umzugehen. Diesen Text gilt es auf Deutsch zusammen zu fassen und dann Fragen zur Thematik zu beantworten. Wahlweise kann die Prüfung auch auf Englisch oder Japanisch abgelegt werden. In der mündlichen Prüfung werden auf Deutsch die anderen beiden Bereiche abgeprüft.
Die Magisterarbeit will natürlich auch geschrieben werden.

Der Bachelorstudiengang sieht anders aus. Ein Vorstudium gibt es hier nicht. Weder in den Japan- noch in den China- oder Koreastudien. Die Sprachausbildung ist Teil des Studiums und verfolgt einen bis zum Schluss. Die Landeskundekurse sind umfassender als im Magisterstudium und umfassen auch Geschichte. Es gibt auch hier Einführungskurse und Proseminare, später Hauptseminare mit Übungen wobei es aber nur noch die Bereiche Sozialwissenschaften (Politik, Wirtschaft, Gesellschaft) und Kulturwissenschaften (in der Regel Literatur) gibt. In der allgemeinen Ostasienkunde befasst man sich dann mit den zwei anderen Ländern in Hinblick auf Geschichte, Kultur, Politik und Wirtschaft. Zu diesen Kursen kommen dann noch ein affiner Bereich hinzu, der frei zusammenstellbar ist. Desweiteren gibt es dann noch Kurse zur Allgemeinen Berufsvorbereitung (ABV), die alles mögliche umfassen. Vom Umgang mit MS Office oder auch Linux, über Sprachkurse bis hin zu Genderkursen.
Abgeschlossen wird der Bachelor mit einer etwa 30 Seiten umfassenden Bachelorarbeit.

Der Masterstudiengang Japanologie baut auf dem BA-Studiengang Ostasienwissenschaften/Japanstudien auf. Hier gilt es wieder Sprachkurse abzulegen, die darauf vorbereiten sollen, die Masterarbeit auf Japanisch verteidigen zu können. Im ersten Semester macht man desweiteren Methodikkurse. Ab dem zweiten Semester gilt es dann wieder Hauptseminare abzulegen. Man muss sowohl im sozial- als auch im kulturwissenschaftlichen Bereich Hauptseminare machen. Wobei man im Schwerpunktbereich zwei besucht, im anderen eins. Außerdem gilt es außerhalb der Japanologie weitere Kurse zu besuchen, die einem weitere Grundlagen für die Masterarbeit geben sollen. Abgeschlossen wird mit der Masterarbeit und einer Verteidigung der selbigen.

An anderen Universitäten sieht der Studiengang natürlich anders aus und jede Universität legt andere Schwerpunkte. Es gilt also vorher sich mal genauer den entsprechenden Studiengang anzusehen.

Wer Fragen oder Anmerkungen hat, bitte die Kommentarfunktion nutzen 🙂