Vortrag über das japanische Schriftsystem am 13.01.10

Hier ein wenig Werbung in eigener Sache:

Am 13.01.2010 halte ich in der abgestürzten Raumstation c-Base (Karte) ab 19:00 Uhr einen Vortrag. Das Thema ist das japanische Schriftsystem, das in der Literatur teilweise auch als das komplizierteste der Welt bezeichnet wird.
Es wird einen Blick in die Entwicklung des Schriftsystems geben, sowie die heutige Verwendung. Dazu werde ich erklären wie man Wörterbücher benutzt und wie das mit Computern und Japanisch funktioniert.
Ich bin kein Linguist, sondern werde den Vortrag aus Sicht eines Japanischlernenden halten.

Fragen und Kommentare bitte in der Kommentarfunktion hinterlassen 🙂

Filmempfehlung: Saure Erdbeeren – Japans versteckte Gastarbeiter

Endlich habe ich es mal geschafft mir die Dokumentation “Saure Erdbeeren: Japans versteckte Gastarbeiter” (2008) anzusehen. Wie der Titel schon sagt, handelt der Film von Gastarbeitern in Japan. Diese kommen über Schlupflöcher in der Gesetzgebung in das Land. In der Regel geschieht dies als Nikkei-Jin oder über Trainee-Programme.
Nikkei-Jin sind japanischstämmige Ausländer, die max. in der dritten Generation im Ausland leben. In der Regel sind die Vorfahren nach Südamerika ausgewandert, die meisten nach Brasilien. In den 80er Jahren begann die japanische Regierung Visa auszustellen, damit diese die schweren, dreckigen und gefährlichen Arbeiten in Japan ausführen können. Die Arbeiten also, die Japaner nicht mehr ausführen wollen.
Andere Gastarbeiter werden über Ausbildungsprogramme angeworben. Offiziell sind es Ausbildungsprogramme in den Firmen, inoffiziell sind es sehr sehr billige Arbeiter. Auch hier gilt dasselbe wie schon bei den Nikkeijin beschrieben.
Sehr sehenswerte Dokumentation, die etwa eine Stunde lang ist.
Hier ein paar Links dazu:

Was heißt eigentlich eine “Sprache fließend sprechen”?

Das hat jetzt nur begrenzt Japanbezug aber ich wurde vor kurzem gefragt, ob ich fließend Japanisch spreche und ich verneinte.
Aber dafür müsste man vielleicht erstmal festlegen, was ich eigentlich unter fließend verstehe. Heute habe ich auf Twitter geschrieben, was meiner Meinung nach “fließend” bedeutet:

Die Fähigkeit sich über ein beliebiges Thema tiefgehend zu unterhalten

Wie zu erwarten war, kamen gleich zwei Reaktionen, dass das schon für Muttersprachler einzuhalten schwer ist.

Ich bin kein Linguist oder ähnliches, daher gebe ich hier meine wissenschaftlich völlig unbelegbare Meinung wieder 🙂

Tiefgehend bedeutet für mich, dass ich ohne großartig Wörterbücher konsultieren zu müssen eine Tageszeitung lesen oder Nachrichten sehen kann und mich anschließend über diese Themen zu unterhalten. Auch das Lesen von Prosa oder ähnlichem sollte möglich sein. Der alltägliche Smalltalk bzw. die alltägliche Unterhaltung bzw. das “Gespräch über Gott und die Welt” gehört natürlich auch dazu. Zusätzlich sollte man bei seinen eigenen Interessensgebieten auch größere Teile des Fachvokabulars beherrschen.
Japanischsprechende würde ich übrigens nur dann auf “fließend” einstufen wenn sie den höchsten Level des Japanese Language Proficiency Test bestehen.

Muttersprachler haben hier teilweise, evtl. sogar oftmals auch Defizite (es muss irgendeinen Grund geben warum so viele die BILD lesen anstatt FAZ, SZ u.ä.) aber sie haben dafür andere Kenntnisse, die sie vom Fremdsprachler unterscheiden: ein Sprachgefühl, dass nur schwer zu “erlernen” ist. Es geht mir hier um die Kleinigkeiten bei denen man schnell einen Ausländer festmachen kann. Im Deutschen fällt das z.B. schnell bei der Verwendung von Artikeln auf, im japanischen bei der Verwendung von Partikeln, im Englischen bei Präpositionen. Zumindest ist das bei mir so. Dazu kommen noch so Dinge wie “erlaubte” Fehler: “wegen dir” und “wegen mir” ist vielleicht falsch aber es wird häufig benutzt. Und ich hab noch niemanden getroffen, der die notorischen “meinetwegen”, “deinetwegen”, “korrekt den Genitiv-Benutzer”-Korrigierer leiden kann. Jemand, der Deutsch als Fremdsprache spricht, macht solche Fehler meiner Erfahrung nach eher seltener – dafür aber andere. Dazu kommt natürlich noch die Sache mit dem Akzent u.ä.

Buchempfehlung: Making Sense of Japanese

Japanische Grammatik ist auf den ersten Blick relativ einfach. Ein paar wenige Zeitformen, keine Artikel, keine Geschlechter, kein Plural oder Singular und und und. Besteigt man jedoch den Berg des Japanischen, so stellt man beim Erreichen des Gipfels fest, dass es dahinter noch einen gibt, der höher liegt. Und hat man auch diesen erreicht, so stellt man fest, dass dahinter ein noch höherer liegt. Ein bisschen wie in der Simpsons-Szene als Homer einen hohen Berg besteigen soll und denkt, dass er nicht sonderlich hoch ist und ihm dann der zweite und dritte Gipfel auffällt.

Vor kurzem bin ich über ein Buch gestolpert, dass einem ein wenig zusätzliches Kletterzeug an die Hand gibt um den Berg zu besteigen: “Making Sense of Japanese: What the Textbooks Don’t Tell You” von Jay Rubin. In der Staatsbibliothek Berlin habe ich die Version von 1992 (Sig: 1A553 970) gefunden.

Die Hauptzielgruppe sind Japanisch-Lernende, die gerade dabei sind von Lehrbüchern auf natürliche Texte zu wechseln. Meiner Meinung nach ist das Buch für jeden geeignet, der bereits Keigo (Höflichkeitssprache) intensiver behandelt hat.

Die behandelten Themen sind ausschließlich grammatikalischer Natur. Der Unterschied von は und が, wie funktioniert das nochmal mit あげる, くれる, もらう, Passiv und Passivkausativ und mehr. Sehr interessante Sachen, die man evtl. schon mal gehört hat aber hier nochmal in einer Weise wiederholt werden, dass man ein besseres Verständnis erhält. Rubin schlägt auch vor, dass man sich die Sachen auch nochmal in seinem Lehrbuch anschauen sollte, nachdem das Buch gelesen hat.

Rubin benutzt viele natürliche Beispiele, meist aus Romanen von bekannten Schriftstellern wie Murakami Haruki oder Mishima Yukio. Teilweise auch selbst gewählte. An diesen sieht man dann auch meiner Meinung das Alter des Buches: das Japanisch fühlt sich alt an. Min. 20 Jahre – das war eine Schätzung bevor ich auf das Erscheinungsdatum geschaut hatte. Trotz dessen ist das Buch sehr lesenswert und kann nur jedem empfohlen werden meiner Meinung nach.

Bei Google Books gibt es eine Preview des Buches mit Inhaltsverzeichnis und Introduction (Link)
Das Buch kostet in der Auflage von 2002 bei Amazon aktuell 10,86€ (Link zum Buch).

Google geht ein weiteres Problem an: Japanischeingabe

Vor zwei Wochen hat Google den Google IME für Japanisch veröffentlicht (jap. Google-Blogeintrag). Während ich schon mehrfach auf Twitter davon gelesen hatte, bin ich jetzt erst dazu gekommen ihn mir genauer anzusehen. Ich muss sagen, dass ich begeistert bin.

Was aber ist ein IME? (Jeder der das bereits weiß, kann diesen Teil überspringen)
IME steht für Input Method Editor und ist das Tool, das benutzt wird um Japanisch auf einem Computer einzugeben.
Als Endnutzer sehe ich folgendes:
Man beginnt mit der Eingabe einer Umschrift mit Hilfe von lateinischen Buchstaben (Romaji) und diese wird dann entsprechend der Regeln der Umschrift in Hiragana umgewandelt. Drückt man die Leertaste, wird das Geschriebene kontextabhängig in eine Mischform aus Hiragana, Katakana und Kanji umgewandelt. Danach können noch Korrekturen an der Umwandlung bzw. des Geschriebenen vorgenommen werden.
Im Hintergrund steckt eine Datenbank auf die zugegriffen wird, je nach IME ist diese mal kleiner oder größer. Dasselbe gilt für die Qualität der Heuristik. Bei allen mir bekannten IMEs kann man zusätzlich neue Wörter hinzufügen.

Nun aber zu Googles IME. Entstanden ist der Google IME aus einem der 20%-Projekte bei Google. Mitarbeiter bei Google bekommen 20% ihrer Arbeitszeit freigestellt um an eigenen Projekten zu arbeiten. Die Anfänge des IMEs liegen bei Google’s “Meinten Sie”. Jeder kennt das. Man gibt etwas bei Google ein, vertippt sich vielleicht und startet die Suche. Über den Ergebnissen steht dann oftmals ein “Meinten Sie: Suchbegriff”, welches bei einem Vertipper den korrekt geschriebene Suchbegriff anzeigt. Diese Technologie wurde als Grundlage für Googles IME genommen.

Das Ergebnis ist klasse. Fängt man an zu tippen, so gibt es, wie auch bei anderen IMEs bekannt, Vorschläge, was man tippen will. Jedoch scheinen mir die Vorschläge bei Googles IME besser und vor allen Dingen aktueller zu sein. Selbst relativ neue Wörter wie z.B. オン寝 (On’ne – das Einschlafen während man auf eine Antwort im Chat bzw. auf eine E-Mail wartet) sind enthalten.
Bei der Installation kann man auswählen ob die Anwendung nach Hause telefonieren darf um die Ergebnisse des IMEs zu verbessern.

Aktuell ist der IME verfügbar für Windows (XP SP2, Vista SP1, 7) und Mac OS 10.5+.

Fragen und Anmerkungen sind in den Kommentaren wie immer gern gesehen 🙂

Was studiert man eigentlich in der Japanologie?

Gerade habe ich angefangen mir die zweite Ausgabe von Studienwahl.tv anzusehen. Es geht in der Ausgabe um Sprachwissenschaften. Unter anderem wird hier Sinologie, Japanologie und Koreanistik erwähnt. Sprache ist meiner Erfahrung nach, in allen drei Fächern nur ein Werkzeug um z.B. Fachliteratur oder auch Zeitungstexte in der entsprechenden Sprache lesen zu können. Je nach Universität sind auch Literatur und Kultur keine Schwerpunkte.

Daher dachte ich mir, dass es vielleicht ganz gut ist mal zu schildern wie die Japanologie an der FU Berlin aussieht. Ich kann aus erster Hand nur vom auslaufenden Magisterstudiengang berichten, habe aber auch reichlich Informationen über den Bachelorstudiengang Ostasienstudien/Japanwissenschaften und dem Masterstudiengang Japanologie. Aus Erzählungen von Freunden, sind die Bachelorstudiengänge der Korea- und Chinastudien inhaltlich ähnlich. Der Bezug liegt natürlich auf dem entsprechendem Land.

Beginnen werde ich mit dem Magisterstudiengang Japanologie. Bei einem Magisterstudiengang hat man entweder zwei Hauptfächer oder ein Hauptfach und zwei Nebenfächer. Ich selbst studiere Japanologie im ersten Hauptfach.

Am Anfang stand ein einjähriger Intensivsprachkurs Japanisch. Wir hatten an drei Tagen je vier Stunden Unterricht. Erwartet wurde, dass man zu Hause nochmal das Doppelte Zeitpensum dafür aufwendet. Wöchentlich gab es Tests für chinesische Schriftzeichen, die nicht in die Endnote zählten und alle drei Wochen einen Test der in die Endnote miteinberechnet wurde. Die Durchfallquote war relativ niedrig. Dies lag aber auch an der hohen Abbruchquote. Bis Weihnachten hatten etwa 50% das Studium beendet.

Hatte man die Hürde des Vorstudiensprachkurses genommen, stand das Grundstudium an. Das Grundstudium hatte eine Vielzahl unterschiedlicher Kurse. In zwei Geschichtskursen hat man einen Abriss über die gesamte japanische Geschichte bekommen. In zwei Landeskundekursen wurde das Alltagsleben aber auch z.B. Geographie behandelt. Dann konnte man aus drei Bereichen zwei auswählen, in denen man je einen Einführungskurs und ein Proseminar machte. Diese Bereiche sind Kultur, Gesellschaft und Politik und Wirtschaft. Kultur ist bei uns sehr literaturwissenschaftlich. Die zwei gewählten Bereiche führt man im Hauptstudium weiter.
Ich habe in allen drei Bereichen Einführungskurse und Proseminare besucht. Der Einführungskurs Kultur behandelte Semiotik (Gebrauch von Zeichen) als auch Literatur. Der Wirtschaftseinführungskurs behandelte japanisches Management (z.B. Total Quality Management) und auch Aufbau japanischer Firmen. Der Einführungskurs Politik war ein Abriss moderner politischer Geschichte und Grundlagen zu den Theorien, die es zur Funktionsweise der japanischen Politik gibt.
Die Kulturproseminare waren zum Einen ein Proseminar über japanische Science Fiction-Literatur, zum anderen eins über Manga. Beides hat mir viel gebracht, vor allem weil mir dies auch eine Grundlage zum Verständnis der entsprechenden Literatur gegeben hat. Eine Anmerkung noch: Manga aus wissenschaftlicher Sicht auseinander zu nehmen macht lange nicht so viel Spaß, wie man denkt. Das Wirtschaftsproseminar behandelte klein- und mittelständische Unternehmen. Das Politikproseminar behandelte japanische Außenpolitik.
Zu diesen Kursen kommen dann noch zwei Kurse in japanischer Grammatik sowie sieben weiterführende Sprachkurse. Da ist dann von Übersetzung, Konversation, Hörverständnis usw. alles mögliche dabei.
Als letzte Pflichtübung im Grundstudium gilt es dann noch einen Schein in Übersetzungspraxis 1 abzulegen. Das bedeutet insgesamt soviel zu übersetzen, dass das Ergebnis 20 Seiten Deutsch umfasst. Viele übersetzen Zeitungsartikel, ich hatte aus einem Übersetzungskurs ein Buch weiter übersetzt.

Die dreißig Minuten lange Zwischenprüfung umfasst eine Japanischprüfung. Man bekommt eine Woche vor der Prüfung einen japanischen Text, der ein bis zwei Din A4-Seiten umfasst. Diesen muss man flüssig lesen und übersetzen können. Die Grammatik muss auch erklärt werden. Außerdem gibt man vor der Prüfung eine Bücherliste ab, die drei Bereiche umfasst, wobei man zu zwei Bereichen drei Bücher list und zu einem Bereich vier Bücher. Im meinem Fall waren die Bereiche Gesellschaft, Wirtschaft und Außenpolitik.

Im Hauptstudium geht es dann weiter. Die Sprachausbildung umfasst vier Sprachkurse, die vom Niveau her natürlich höher sind als die des Grundstudiums. Dazu kommt ein Sprachkurs in vormodernem Japanisch welcher insbesondere für die sozialwissenschaftlich Interessierten wichtig ist. Fachtexte in diesem Bereich nutzen öfters grammatikalische Formen des vormodernen Japanisch.
Weiterhin gilt es drei Leistungsscheine in Hauptseminaren abzulegen. Wobei hier wieder die Bereiche aus dem Grundstudium zum Tragen kommen. In einem der dort gewählten Bereiche legt man zwei Leistungsscheine ab, in dem anderen einen Leistungsschein. Ein Leistungsschein bedeutet das Seminar zu besuchen, dort ein Referat zu halten, eine 20-seitige Hausarbeit mit 20% japanischen Quellen zu schreiben und die dazugehörige Übung zu besuchen. In der Übung werden zur Thematik passende japanischsprachige Quellen gelesen und der Inhalte diskutiert. In der Regel läuft es aber leider auch nur auf einen Übersetzungskurs hinaus.
Zusätzlich gilt es sechs Semesterwochenstunden, also drei Kurse zu besuchen, die Japanbezug haben aber keine Sprachkurse sind.
Hauptseminare, die ich beispielsweise besucht habe handelten von der japanischen Außenpolitik, dem Sozialstaat, die Beziehung zwischen der Politik und den Älteren, den Arbeitsmarkt usw. Im kulturwissenschaftlichen Bereich sind es oftmals literaturwissenschaftliche Seminare, die sich jeweils mit einem Autor intensiv auseinandersetzen.
Zur Vorbereitung auf die Magisterarbeit gibt es noch ein Kolloquium.
Als letztes steht auch hier eine Übersetzungspraxis an. Das Ergebnis umfasst diesmal aber 80 Din A4-Seiten.
Dann kommen Magisterprüfung- und Arbeit, wobei ich diese noch nicht abgelegt habe. Diesmal gilt es auch drei Bereiche anzugeben, die diesmal aber enger eingegrenzt sein können. Die Bücherliste umfasst 15 Bücher zu jedem der Bereiche. In einem Bereich legt man eine schriftliche Prüfung ab. Zu dieser bekommt man einen japanischen Text, der zwei oder mehr Seiten umfasst. Als Hilfsmittel sind nur Papierwörterbücher zugelassen. Hat man jahrelang nur mit elektronischen gearbeitet ist das eine Herausforderung für sich aber schon im Vor- bzw. Grundstudium hat man gelernt mit Papierwörterbüchern umzugehen. Diesen Text gilt es auf Deutsch zusammen zu fassen und dann Fragen zur Thematik zu beantworten. Wahlweise kann die Prüfung auch auf Englisch oder Japanisch abgelegt werden. In der mündlichen Prüfung werden auf Deutsch die anderen beiden Bereiche abgeprüft.
Die Magisterarbeit will natürlich auch geschrieben werden.

Der Bachelorstudiengang sieht anders aus. Ein Vorstudium gibt es hier nicht. Weder in den Japan- noch in den China- oder Koreastudien. Die Sprachausbildung ist Teil des Studiums und verfolgt einen bis zum Schluss. Die Landeskundekurse sind umfassender als im Magisterstudium und umfassen auch Geschichte. Es gibt auch hier Einführungskurse und Proseminare, später Hauptseminare mit Übungen wobei es aber nur noch die Bereiche Sozialwissenschaften (Politik, Wirtschaft, Gesellschaft) und Kulturwissenschaften (in der Regel Literatur) gibt. In der allgemeinen Ostasienkunde befasst man sich dann mit den zwei anderen Ländern in Hinblick auf Geschichte, Kultur, Politik und Wirtschaft. Zu diesen Kursen kommen dann noch ein affiner Bereich hinzu, der frei zusammenstellbar ist. Desweiteren gibt es dann noch Kurse zur Allgemeinen Berufsvorbereitung (ABV), die alles mögliche umfassen. Vom Umgang mit MS Office oder auch Linux, über Sprachkurse bis hin zu Genderkursen.
Abgeschlossen wird der Bachelor mit einer etwa 30 Seiten umfassenden Bachelorarbeit.

Der Masterstudiengang Japanologie baut auf dem BA-Studiengang Ostasienwissenschaften/Japanstudien auf. Hier gilt es wieder Sprachkurse abzulegen, die darauf vorbereiten sollen, die Masterarbeit auf Japanisch verteidigen zu können. Im ersten Semester macht man desweiteren Methodikkurse. Ab dem zweiten Semester gilt es dann wieder Hauptseminare abzulegen. Man muss sowohl im sozial- als auch im kulturwissenschaftlichen Bereich Hauptseminare machen. Wobei man im Schwerpunktbereich zwei besucht, im anderen eins. Außerdem gilt es außerhalb der Japanologie weitere Kurse zu besuchen, die einem weitere Grundlagen für die Masterarbeit geben sollen. Abgeschlossen wird mit der Masterarbeit und einer Verteidigung der selbigen.

An anderen Universitäten sieht der Studiengang natürlich anders aus und jede Universität legt andere Schwerpunkte. Es gilt also vorher sich mal genauer den entsprechenden Studiengang anzusehen.

Wer Fragen oder Anmerkungen hat, bitte die Kommentarfunktion nutzen 🙂

Wörterbücher im Netz und auf dem Rechner

Nach einem Artikel über iPhone-Apps zum Japanisch-Lernen und Artikel zu Wörterbüchern auf dem iPhone, gibt’s nun etwas Material zu Wörterbüchern im Netz, für Mac OS X und Linux. Dies hier soll eine Übersicht bieten. Die meisten Anwendungen, die ich hier erwähne nutze ich selber schon ziemlich lange. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

Online

Wadoku.de: Das Wadoku ist wohl das bekannteste japanisch-deutsche Wörterbuch im Netz sein. Selten trifft man auf fehlende Wörter und findet man doch einmal ein Wort das fehlt, kann man es relativ einfach selbst registrieren. Zum Zeitpunkt des Artikels sprechen sie von ca. 250.000 Einträgen.

 

Japanisch-Deutsches Kanji-Lexikon: Das Japanisch-Deutsche Kanji-Lexikon ist, wie der Name sagt ein Wörterbuch um Kanji herauszusuchen. Meines Wissens nach die einzige Möglichkeit im Netz nach deutschen Übersetzungen von Kanji zu suchen.

WWWJdic: Das WWWJdic ist ein Interface für mehrere Online-Wörterbücher. Das Bekannteste dürfte hierbei wohl das edict sein. Ein sehr umfangreiches Wörterbuch das Japanisch-Englisch spricht. Es ist auch ein Interface für das Wadoku, wobei es meines Wissens nach nicht so aktuell ist wie das “richtige” Wadoku sondern immer ein etwas älterer Snapshot. Ein weiteres interessante Wörterbuch im WWWJdic ist das enamdict. Wer sich schon mal mit japanischen Namen auseinandersetzen musste, wird wissen wie schwer es ist Lesungen dafür herauszufinden. Das enamdict ist dann das passende Wörterbuch hierfür. Allerdings muss man warnen, dass man bei Namensübersetzungen von Autoren deren Werke man zitieren will, besser noch einmal Google eingehend befragt, da viele Namen mehrere Lesungen besitzen und man sich nie 100% sicher sein kann, wenn man Autorennamen und Lesung nicht nebeneinander stehen gesehen hat. Das WWWJdic hat außerdem auch eine sehr brauchbare Möglichkeit um Kanji nachzusehen. Als Datengrundlage benutzt es das kanjidic.

ALC: Habt ihr mit sozialwissenschaftlichen Texten (z.B. Texte aus der Politik oder Wirtschaft) zu tun werdet ihr des öfteren an die Grenzen von Wadoku und Edict stoßen. Dann ist ALC, ein erweitertes Interface zum Eijirō euer Freund. Es enthält nicht nur den Content des Eijirōs, sondern auch viele Beispielsätze und daher kommt seine Stärke. Viele Wörter wird man nur in Beispielsätzen und deren Übersetzung finden und kann daran sehen wie bestimmte Wörter benutzt werden. Außerdem hat es im Bereich Wirtschaft und Politik noch einiges mehr an Wörtern als die obigen beiden.

Denshi Jisho: Denshi Jisho ist ein weiteres Interface für edict und kanjidic. Allerdings sieht es um einiges hübscher aus als das WWWJdic. Beim kanjidic bietet es ein schönes Ajax-Interface um sich Kanji zusammen zu klicken. Besonders nützlich ist dies auf dem iPhone, da es hierfür ein angepasstes Interface gibt, das schnell und zuverlässig funktioniert.

Kotobank: Seit einiger Zeit gibt es ein freies Japanisch-Japanisch-Wörterbuch im Netz: Kotobank. Es speist sich aus einer ganzen Reihe Wörterbücher und ist eine wirklich feine Sache. Natürlich ist so etwas nur für fortgeschrittene Lerner.

Popjisyo: Popjisyo möchte ich hier nur für eine Funktion erwähnen: seine Bookmarklets. Ein Bookmarklet ist ein Lesezeichen, das Javascript enthält und dann etwas mit der Seite tut auf die man es anwendet. Nutzt man die Bookmarklets von Popjisyo kann man auf einer japanischen Seite über die Wörter fahren und bekommt Lesungen und Übersetzungen. Es gibt sowohl eins für Deutsch als auch für Englisch. Da es ein Bookmarklet ist funktioniert das Ganze browserunabhängig.

Rikaichan: Der einzige Grund warum ich manchmal zum Firefox greife ist Rikaichan. Dies ist ein FF-Plugin, dass an sich das Selbe macht wie Popjisyo aber schneller und zuverlässiger ist. Darüberhinaus kann man auch mehrere Wörterbücher gleichzeitig verwenden für die Übersetzungen. Damit habe ich das umfangreichere Japanisch-Englisch-Wörterbuch, ein japanisch-deutsches und das enamdic zur Verfügung.

Reading Tutor: Der Reading Tutor ist ein Projekt der Tokyo International University. Er ist nützlich beim Lernen von japanischen Texten. Man wirft einen japanischen Text rein und bekommt diesen mit einer Wörterliste raus. Jede Vokabel, die er erkannt hat, ist dann verlinkt und drückt man auf den Link bekommt man rechts in einem Frame die entsprechende Vokabel angezeigt. Zusätzlich wird diese dann einer Vokabelliste hinzugefügt (bei einem Test während des Schreibens dieses Artikels hat diese Funktion allerdings nicht funktioniert). Der Reading Tutor kann Japanisch-Japanisch, Japanisch-Englisch, Japanisch-Deutsch und mehr. Vor Popjisyo und Rikaichan definitiv noch nützlicher gewesen aber zu Übungszwecken immer noch brauchbar.

 

Mac OS X

JEDict: Es gibt für den Mac sicherlich noch mehr Anwendungen als JEDict aber keine hat sich über die Zeit als so nützlich herausgestellt. JEDict ist Shareware und erlaubt in seiner nicht registrierten Variante nur die Benutzung von edict und kanjidic. Registriert man es jedoch ($25 normal/$15 für Schüler und Studenten) kann auch weitere Wörterbücher im edict-Format nutzen. Auf Jim Breen’s Japanese Page gibt es eine Liste mit weiteren Wörterbüchern. U.a. gibt es auch welche mit Spezialvokabular für Jura, Informatik, Buddhismus und mehr. Das Wadoku gibt es hier im edict-Format. JEDict erlaubt es nun offline über alle installierten Wörterbücher gleichzeitig zu suchen. Zusätzlich hat es auch einen Service um nach Wörtern zu suchen und überwacht die Zwischenablage. Kopiert man also ein Wort, brauch man nach dem Wechsel zu JEDict nur noch Enter zu drücken um danach zu suchen. Außerdem kann man nach Kanji suchen in dem man sie zusammenklickt oder auch per rudimentärer Handschrifteingabe. Neue Wörter kann man über ein Userdict hinzufügen.

Jisho: Jisho von Sugoisoft ist eine Shareware, die $17 kostet. Es benutzt das JMDict und kann daher sowohl Englisch als auch Deutsch. Sein Interface ist sehr simpel und erlaubt nur die einfache Suche nach Wörtern. Schaue ich mir seit Jahren immer mal wieder an aber es ist dem obigen JEDict einfach weit unterlegen, da es weder eine ordentliche Kanji-Suche noch die Verwendung mehrerer Wörterbücher erlaubt.

Live Dictionary: Über Twitter wurde ich auf Live Dictionary aufmerksam gemacht. Es verspricht unter Mac OS X das Selbe zu leisten wie Rikaichan, allerdings für Safari. Aus meinen früheren Erfahrungen war es ganz nützlich, nur hatte ich den Mehrwert gegenüber Popjisyo oder Rikaichan nicht wirklich gesehen, wenn man es nur für Japanisch nutzen will. Vor allem, weil es knapp 18€ kostet und die anderen beiden Lösungen kostenfrei zur Verfügung stehen. Gegenüber den anderen beiden Lösungen bietet es allerdings noch eine größere Anzahl weiterer Sprachen an (z.B. Chinesisch, Schwedisch, Türkisch…). Bei meinem erneuten Test vor ein paar Minuten wollte es leider einfach nicht funktionieren, daher kann ich nichts zum aktuellen Stand der Software sagen. Im Forum der Anwendung gibt es auch einen Eintrag wie man die Anwendung für andere Anwendungen (z.B. Mail) benutzen kann.

 

Linux

GJiten: Für Linux ist mir an sich nur GJiten bekannt. Ein sehr einfacher edict-Client, der aber auch das Arbeiten mit mehreren Wörterbüchern unterstützt. Unter FreeBSD habe ich ihn leider nie zum Laufen gebracht.

Tagaini Jisho: Heute bin ich noch über Tagaini Jisho gestolpert. Dieses ist betriebssystemübergreifend und damit mit Windows, Mac OS X und Linux benutzbar. Es scheint das edict und kanjidic zu benutzen. Es soll nicht nur zum Nachschlagen sondern auch zum Lernen verwendet werden. Man kann hierfür Wörter einer Vokabelliste hinzufügen, die durch das Programm abgefragt wird. Allerdings ist es eine ziemlich hässliche Java-Anwendung.

Wadoku-Notify: Wadoku-Notify wurde mir vom Entwickler per Mail zugetragen. Wadoku-Notify kann man sich laut ihm wie ein systemweites Rikaichan vorstellen. Allerdings greift es auf das Wadoku zu und nicht auf das JMDict. Laufen tut das Ganze aktuell unter Linux, Windows und auf dem Nokia N900. Eine OS X-Version ist wohl in Vorbereitung. Der Sourcecode ist auf github zu finden. Getestet habe ich die Anwendung selbst nicht.

Über Ergänzungen, Kommentare und Fragen freue ich mich wie immer 🙂

Yakuza Moon – Ein anderes Japan

Cover von Yakuza MoonShoko Tendo ist aufgewachsen als Kind eines hochrangigen Mitgliedes der Yakuza und hat auch seinen Fall miterlebt. Gleichzeitig kann man in ihrer Autobiographie “Yakuza Moon: Memoirs of a Gangster’s Daughter” sehr gut sehen, wie sie selber in ein Milieu geraten ist, über das man eher selten liest bzw. dessen Sichtweise man selten findet, wenn man sich mit Japan beschäftigt.
Vom verhätschelten Kind, dass aber auch Gewalt im Familienhaus erfahren musste, zum Mitglied japanischer Jugendgangs, zur drogenabhängigen Hostess, in Beziehungen, die glaub ich niemand als erfahren möchte.
Eins der wenigen Bücher in der letzten Zeit, die ich wirklich verschlungen habe. Stellenweise nicht für zarte Gemüter, da es wirklich gewalttätig zugeht und Tendo ihre eigenen Erfahrungen sehr bildhaft beschreibt. Dazu kommen ein paar sehr schöne Schwarz-Weiß-Fotos aus ihrer Vergangenheit.

Wirklich empfehlenswert. Das Buch hat knapp 200 Seiten und liegt in englischer Übersetzung vor. Bei Amazon kostet es aktuell um die 9€.

Kommentare und Fragen sind wie immer gewünscht.

Yakuza – eigentlich wollte ich nur einen Wikipedia-Artikel korrigieren

Eigentlich wollte ich nur einen Wikipedia-Artikel korrigieren. Aus diversen Gründen lass ich es aber sein. Daher gibt es jetzt hier einen Artikel dazu.

Yakuza ist ein umgangssprachlicher Begriff für die organisierte Kriminalität japanischen Ursprungs. In den Berichten der Polizei wird meiner Erfahrung nach immer von kriminellen Banden (Bōryokudan – 暴力団; wortwörtlich: gewalttätige Organisation) gesprochen. In neueren Veröffentlichungen spricht die Polizei interessanter Weise von “Organisierter Kriminalität” (Soshiki Hanzai – 組織犯罪), wobei ich aber leider noch nicht rausgefunden habe was der Unterschied ist.
In neueren Veröffentlichungen fasst die Polizei in einem Kapitel inländische und ausländische organisierte Kriminalität (Soshiki Hanzai – 組織犯罪) zusammen. Wobei für die inländische organisierte Kriminalität (also die Yakuza) der Begriff Bōryokudan verwendet wird. Wird über ausländische organisierte Kriminalität geschrieben, wird der Begriff Soshiki Hanzai verwendet.4

Der genaue Ursprung des Begriffs ist unbekannt. Der beliebteste Mythos stammt laut Kaplan1 aus dem Hanafuda (花札), ein japanisches Kartenspiel. Aber auch das scheint nicht 100% richtig, da es eher aus einem Spiel namens Oicho-Kabu (おいちょカブ) kommt, das mit Hanafuda-Karten gespielt wird. Das Spiel ähnelt Blackjack und es geht dabei darum möglichst nahe an die 9 heranzukommen. Ist der Betrag der Zahl auf den Karten größer 9, wird also zweistellig wird die erste Stelle abgeschnitten. 0 Punkte gibt es also für die 10, 20 usw. Die Kartenkombination 8-3-9 ergibt 20 Punkte und ist damit wirklich schlecht.2 Gesprochen wird diese Kombination Ya-Ku-Sa auf Japanisch.3
Diese Kombination wurde wohl von den früheren Glücksspielern als Begriff für etwas Nutzloses genommen und irgendwann wurde der Begriff für die Banden benutzt, welche das Glücksspiel organisiert haben. Diese Banden waren die Bakuto, eine der beiden Ursprungsgruppen der modernen Yakuza.
Die andere Ursprungsgruppe waren Tekiya, fahrende Händler, die auf Märkten u.ä. Stände aufstellten und einen eher schlechten Ruf hatten (z.B. wegen geringer Qualität der gehandelten Waren)

Als letztes noch etwas zu Tätowierungen. Der Ursprung liegt wohl darin, dass Tätowierungen ursprünglich als eine Art Brandmal genutzt worden sind. Die Kriminellen wurde ein schwarzer Ring um einen Arm tätowiert.
Laut Kaplan wurde in einem chinesischem Text aus dem dritten Jahrhundert erwähnt, dass in Japan Oberkörper und Gesicht tätowiert worden sind. Mit der Zeit sind diese komplexer geworden und die Motive waren Götter, Volkshelden, Tiere etc. Im späten 17. Jahrhundert sind diese dann populär geworden bei Menschen, die viel mit freiem Oberkörper gearbeitet haben, wie auch u.a. die oben erwähnten Mitglieder der Glücksspielbanden.

Kommentare und Fragen sind wie immer gern gesehen. Evtl. werde ich in Zukunft mehr über kriminelle Organisationen in Japan schreiben.

[1] Kaplan, David E.; Dubro, Alec (2003). Yakuza: Japan’s Criminal Underworld Expanded Edition. University of California Press. Berkeley; Los Angeles.
[2] Die Spielregeln auf Englisch gibt es hier: http://hanafubuki.org/oichokabu.html
[3] Wie es zur Lautverschiebung von Sa zu Za gekommen ist, weiß ich leider nicht.
[4] Weißbuch der National Police Agency von 2008 (Japanisch)

Sasaya – bessere Sushi gibt’s in Berlin nicht

Es gibt viele Möglichkeiten in Berlin Sushi zu essen aber um ehrlich zu sein, ist die Qualität in der Regel ziemlich mies.
Es gibt jedoch einen Laden in der Berlin, da ist es einfach großartig: Sasaya. Zum einen ist der Reis perfekt – ich frage mich jedes Mal wie sie ihren Reis zubereiten. Darüber hinaus haben sie vermutlich den besten Fischlieferanten in Berlin. Er ist sehr gut und von wirklich hoher Qualität. Der Toro (fettester Teil am Thunfisch) zergeht auf der Zunge.
Folgende Zusammenstellung kann ich wirklich empfehlen (für 2 Personen): Großes Sushi Omakase (Empfehlungen des Chefs), einmal Sake Oshi-Sushi (Sake heißt Lachs; Oshi-Sushi ist eine Spezialität aus Westjapan) und falls man dann noch Hunger haben sollte z.B. die Rainbow-Rolls. Dazu grüner Tee und als Nachtisch Eis Maccha-Sauce (Maccha ist grüner Tee). Sehr lecker und kostet insgesamt so um die 50€ und ist für zwei Personen.
Natürlichgeht das Ganze auch viel billiger. Mit obigen ist man wirklich voll und kann sich rausrollen. Man kann da auch für unter 10€ pro Person essen.
Eine Reservierung ist unbedingt erforderlich. Am Besten ein paar Tage, wenn nicht sogar ne Woche oder zwei vorher.
Sasaya
Lychener Str. 50
10437 Berlin
Tel.: 030/44 71 77 21
Öffnungszeiten: Ruhetag: Mittwoch, Do-Di 12-14.30 Uhr, 18-22.30 Uhr